Handball

Petersson fällt Abschied von den Füchsen schwer

Der Tag, an dem Alexander Petersson das Trikot der Füchse für immer an den Nagel hängt, rückt näher. Der Füchse-Handballer wechselt im Sommer nach Mannheim. Noch ist er für die Berliner aber unentbehrlich. Trotz seiner Verletzung.

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Die Antwort kommt schnell, aber sofort merkt Alexander Petersson, dass er von ihr selbst nicht recht überzeugt ist. Auf die Frage, wie es seiner lädierten Schulter gehe, hatte er gesagt: „Schon besser – nur werfen kann ich noch nicht.“ Klingt irritierend von einem Handballprofi. Etwa so, als würde ein Rennfahrer erklären, es gehe vorwärts, obwohl das Gaspedal kaputt sei. „Stimmt“, sagt Petersson also, „es ist schon komisch, weil ich ja immer heiß bin, Tore zu werfen und Tempogegenstöße zu laufen.“ Selbst im Training arbeitet er nur an der Fitness und für die Abwehr. Wurfübungen sind nicht drin, dafür sind die Schmerzen noch zu stark. Trotzdem war er bei den vergangenen beiden Spielen gegen Göppingen und in Lübbecke dabei. Zu wertvoll sind seine Defensivkünste für die Füchse Berlin, als dass sie auf ihn verzichten wollten. Und so wird der Isländer auch am Sonntag (17.30 Uhr) in der Schmeling-Halle dabei sein, wenn der Tabellenzweite das Schlusslicht Eintracht Hildesheim empfängt.

Immer näher rückt der Tag, an dem er das Trikot der Füchse für immer auszieht; am Saisonende wechselt Petersson zu den Rhein-Neckar Löwen. 13 Spiele bleiben ihm noch. Die Berliner wussten darüber früh Bescheid und haben in Konstantin Igropulo vom FC Barcelona einen prominenten Nachfolger verpflichtet. „Wir hätten gern mit Alex verlängert“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning. Aber er könne es ihm nicht übel nehmen, „Berufssportler haben nur eine gewisse Zeit, Geld zu verdienen“. Petersson ist 31, und er wird bei den Löwen fast das Doppelte kassieren wie in Berlin. Dafür wechselt er allerdings von einem familiären Unternehmen zu einem Handball-Konzern, von einem Verein voller Herzblut zu einem Retortenklub. Das ist der Preis für das höhere Gehalt.

Besuch von der Familie

Fällt der Schritt da nicht schwer? Petersson bemüht sich, die Emotionen niedrig zu halten. „Es ist immer schwer, aber es ist ja nicht das erste Mal, dass ich den Klub wechsle“, sagt er. Der Mann ist herumgekommen. Geboren in Riga, wo der Großteil seiner Familie heute noch lebt, zog es ihn schon mit 18 Jahren von Lettland nach Island, „wegen des Handballs“. Über Grotta KR/Island, die HSG Düsseldorf, TV Großwallstadt und die SG Flensburg-Handewitt kam der Vater zweier Söhne 2010 in die deutsche Hauptstadt. Seit 2004 ist er isländischer Staatsbürger, gewann 2008 in Peking die olympische Silbermedaille für sein neues Heimatland.

Wer mit 18 von Riga nach Reykjavik umgezogen ist, für den ist der Wechsel von Berlin nach Mannheim nicht gleich ein Kulturschock. Ein bisschen Wehmut klingt aber doch durch. „Berlin ist eine schöne Stadt, alles ist super hier.“ Sein achtjähriger Sohn hat in der Schule Kumpel gefunden; mit der Familie des isländischen Füchse-Trainers Dagur Sigurdsson sind die Peterssons ebenfalls gut befreundet. Der Coach sieht die Veränderung „nicht so dramatisch. Wir müssen das respektieren“. Und hinnehmen, dass Igropulo seinen Vorgänger sicher in der Offensive gut wird ersetzen können. Das wird aber in der Defensive ungleich schwerer. Denn da, sagt Sigurdsson, „ist Alexander einer der Besten der Welt. Er ist körperlich stark, schnell, er liest das Spiel, ist immer gut für Ballgewinne.“ Nebenher ist er mit 76 Saisontreffern übrigens auch drittbester Berliner Werfer. Ein paar sollen noch hinzukommen, wenn die Bandverletzung in der Schulter abklingt, die ihn sit der EM im Januar quält.

An diesem Wochenende erwartet Petersson Besuch von der Mutter und den Schwestern aus Riga, sie kommen zum ersten Mal nach Berlin – quasi auf den letzten Drücker. Werfend oder nicht werfend – Petersson wird wie immer alles geben, bis zum Ende. „Die Leute sollen sich an mich als Kämpfer erinnern“, wünscht er sich. Er tut gerade viel dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.