Handball

Silvio Heinevetter erneuert Kritik an DHB-Boss

Nationaltorwart Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin kritisiert nach dem EM-Debakel erneut die Handball-Bosse und fordert Veränderungen. Jetzt aber steht erst einmal der Hauptstadt-Klub wieder im Fokus: Es wartet ein harter Start.

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Die zwei Tage Pause haben Silvio Heinevetter gut getan. Seele baumeln lassen, Füße hochlegen und entspannen. „Ich habe einfach mal nichts gemacht, das war okay“, sagt der Handball-Torhüter der Füchse Berlin. Und so ganz nebenbei hakte der Nationalspieler für sich auch die EM ab. „Das war ein Misserfolg und alles andere als gut. Das Olympia-Aus tut weh, aber das darf uns jetzt nicht herunterziehen. Das Thema ist vorbei, jetzt geht es wieder nur um die Füchse.“

Acht Spieler des Hauptstadtklubs hatten den Weg zur Europameisterschaft nach Serbien angetreten, die am Sonntag mit dem Sieg der Dänen zu Ende gegangen war. Als einziger Berliner Akteur gewann Ivan Nincevic eine Medaille, der Linksaußen kehrt am Mittwoch mit Bronze an die Spree zurück. Damit hat Trainer Dagur Sigurdsson dann seine Mannschaft nach fünf Wochen erstmals wieder komplett zusammen. Jetzt gilt es, rasch wieder den richtigen Rhythmus zu finden. Nach dem Allstar-Game am Sonnabend in Leipzig treten die Füchse am kommenden Mittwoch beim Deutschen Meister HSV Hamburg an, wenige Tage später dann empfangen sie Tschechow in der Champions League (12.2.). „Dieser Start hat es in sich“, sagt Sigurdsson, „aber alle sind hochmotiviert.“

Verbaler Angriff

Das trifft auch auf Silvio Heinevetter zu. Nur wenige Spieler leben ihre Leidenschaft auf dem Feld so inbrünstig aus wie der Berliner. Bei den Titelkämpfen in Serbien zeigte der 27-Jährige bärenstarke Auftritte, rettete die deutsche Mannschaft mehrmals vor einer Pleite. Am Tag nach dem frustrierenden Hauptrunden-Aus gegen die Polen (32:33) war es aus dem Torhüter dann heraus gebrochen, vor dem Abflug aus Belgrad griff Heinevetter den Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Ulrich Strombach, verbal an . „Ahnung vom Handball hat der nicht, wenn wir ganz ehrlich sind“, sagte Heinevetter, „wenn man nicht ein einziges Hallo zur Mannschaft sagt und in den Medien erzählt, wir kommen ins Halbfinale, dann muss man sich überlegen, ob man nicht zu Hause bleibt als Präsident.“

Wenngleich der Leistungsträger der Füchse das sportliche Desaster der EM abgehakt hat, das Verhalten des DHB-Chefs bringt ihn noch immer in Rage. Es habe in Serbien weder ein persönliches Wort von Strombach noch eine Ansprache an die Mannschaft gegeben. „Das sagt doch alles“, gibt sich Heinevetter angriffslustig, „es gibt andere Leute, die das besser könnten, weil sie mehr Ausstrahlung und Charisma haben.“ Heinevetter legt nach: „Wenn die Leute in den entscheidenden Positionen über Jahrzehnte so zusammensitzen und sich vor niemandem rechtfertigen müssen, dann ist das echt ein geiler und sicherer Job.“ Nur würde es dann auch nicht zu Veränderungen kommen. „Ich habe die Befürchtung, dass der DHB das jetzt unter den Tisch kehren will. Aber genau jetzt, nach so einer EM, muss etwas passieren. So viele Chancen auf Veränderung gibt es nicht, jetzt ist es an der Zeit, den Weg in die Zukunft zu gehen“, sagt Heinevetter. Die Hauptfelder dabei sieht er in der Verjüngung der Mannschaft, aber auch im interaktiven Bereich. Dort sei der DHB absolut rückständig.

DHB-Präsident Strombach hatte die Kritik Heinevetters als „spontane Aussagen eines jungen, unerfahrenen Spielers“ abgetan, „die aus dem Frust geboren und zwischen Tür und Angel gefallen sind.“ Der Verbandschef hatte zudem keine Entschuldigung verlangt. Speziell diese Aussage entlockt Heinevetter ein Schmunzeln. „Ich stehe zu dem, was ich sage und hoffe, dass ich so den Stein ein bisschen ins Rollen gebracht habe. Herr Strombach hätte sowieso keine Entschuldigung von mir bekommen“, so der Torhüter, „und ich habe nichts zu befürchten, denn er hat keine Gewalt über mich.“ Außerdem müsse es ja immer einen geben, der so eine Kritik auch mal öffentlich vorbringt. Dafür gebe es nicht so viele, und ein Pascal Hens sei ja nun gerade aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Heinevetter: „Ich habe für meine Äußerungen sehr viel Zuspruch und Respektsbekundungen bekommen, nicht nur aus der Mannschaft. Manchmal muss man auch mal klare Worte finden.“ Und diese findet er dann auch, wenn er auf die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft blickt: „Ich will mit dieser Truppe wieder Erfolge feiern!“

Petersson an der Schulter verletzt

Jetzt steht aber erst einmal der Verein im Fokus. In der Bundesliga wollen die Berliner als Zweiter ihre gute Tabellensituation nutzen, um auch kommende Saison wieder international mit dabei zu sein. In der Champions League können sie in den letzten drei Gruppenspielen den Einzug in das Achtelfinale klar machen. Allerdings müssen die Hauptstadt-Handballer zunächst erst einmal ohne Alexander Petersson auskommen. Der Isländer hat sich bei der EM eine schwere Bandverletzung in der linken Schulter zugezogen und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Ihm droht sogar eine Operation. „Das ist eine sehr ernste Sache“, sagt Sigurdsson. Im rechten Rückraum lastet jetzt die ganze Verantwortung auf Mark Bult. „Mark hat schon letzte Saison eine überragende Rückrunde gespielt“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning und ist zuversichtlich, „das kann er auch jetzt wieder schaffen.“