Handball-Bundesliga

Füchse Berlin fertigen Melsungen mit 33:21 ab

Die Berliner Füchse haben das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte mit einem 33:21-Sieg gegen Melsungen gekrönt. Damit festigten die Berliner Rang zwei. Besonders treffsicher präsentierte sich Ivan Nincevic.

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Seit zweieinhalb Jahren lebt Dagur Sigurdsson jetzt mit seiner Familie in Berlin. Der Isländer hat die Füchse zu einem Spitzenteam in der Handball-Bundesliga geformt und in die Champions League geführt. Neben der sportlichen Weiterentwicklung beim Hauptstadtklub hat der 38-Jährige auch zunehmend seine Sprache perfektioniert. Im Fuchsbau spricht man Deutsch, und Sigurdsson verfügt nicht nur über einen breiten Wortschatz, er ist auch in der Lage, die feinen Nuancen zu erkennen. Und so sagt er: „Wir fühlen uns auf Platz zwei sehr wohl. Es wäre vermessen, wenn wir nicht zufrieden mit der Hinserie sein würden.“

In der Tat stehen die Füchse am Jahresende blendend da und können mit einigem Stolz auf das bislang Erreichte zurückblicken. In der qualitativ besten Handball-Liga der Welt behaupten sich die Berliner seit dem Saisonstart in der Spitzengruppe und werden die Winterpause auf Rang zwei hinter dem designierten Meister und Rekordtitelträger THW Kiel verbringen. Auch der finale Akt am Montagabend gegen MT Melsungen gelang. Im letzten Spiel des Jahres besiegten die Berliner die Hessen souverän mit 33:21 (17:9) und zeigten einmal mehr ihre Klasse. Für die Füchse war es bereits der neunte Liga-Sieg in Folge. Bester Berliner Werfer vor 7388 Zuschauern in der Schmeling-Halle war Ivan Nincevic mit zehn Toren.

„Wir wollen versuchen, so lange wie möglich diesen Platz zu halten“, sagt Sigurdsson, der großen Respekt vor seiner Mannschaft hat, weil diese die Doppelbelastung mit Liga und Champions League glänzend meistert. „Wir bleiben ruhig, wenn es mal nicht so gut läuft.“

Das passierte in der fünften Bundesliga-Spielzeit der Füchse bislang nicht allzu oft. In der Liga liegen sie klar auf Champions-League-Kurs, die ersten drei Vereine qualifizieren sich direkt für die Königsklasse. Die Teilnahme am Europapokal (EHF-Cup) ist schon so gut wie gesichert. „Die Mannschaft hat uns damit eine hervorragende Ausgangsbasis für das Erreichen eines europäischen Wettbewerbs im nächsten Jahr geschaffen“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „das war eine Ansage, damit haben wir wieder ein Schlüsselspiel für uns entscheiden können. Das war die Krönung. Ein Traum.“

Ein Angriff auf Branchenprimus Kiel ist aber nicht im Fokus der Berliner, jedenfalls noch nicht. „Der THW Kiel ist die beste Mannschaft der Welt. Sie sind souveräner Spitzenreiter. Dass wir uns dahinter behaupten können, macht mich stolz“, sagt Rückraumspieler Iker Romero, der im Sommer vom Champions-League-Sieger FC Barcelona gekommen war und sich rasch zur Führungsfigur entwickelt hat. „Die Meisterschaft ist entschieden“, sagt auch Hanning und genießt wie Trainer und Spieler den Platz nah an der Sonne. „Das ist unglaublich, unglaublich schön, wir brauchen uns für diesen Spitzenplatz nicht zu schämen und genießen das jetzt einfach mal.“ Und Kapitän Torsten Laen strahlt Selbstbewusstsein aus, er sagt: „Wir sind ein Spitzenteam und stehen völlig zu Recht da oben.“

In Juni hatten die Füchse nach einer überragenden Saison erstmals in der noch jungen Vereinsgeschichte die Champions League erreicht, nachdem sie die Liga überrascht und Rang drei erreicht hatten. Hinter den millionenschweren Topvereinen aus Hamburg und Kiel, deren Etats etwa dreimal so hoch sind wie das Budget in Berlin. „Die Schonzeit ist vorbei“, riefen die Füchse dann als Motto im Sommer aus. Aber Manager Hanning sagte auch: „So eine Saison, wo alles wieder perfekt zusammenpasst, werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben.“ Dass er sich da offenbar getäuscht hat, nimmt der Geschäftsführer nur allzu gern in Kauf. Vom Überraschungsteam haben sich die Füchse zur festen Konstante entwickelt. „Wichtig ist nicht so sehr, dass wir hell brennen, sondern dass wir lange brennen“, sagt Hanning.

Nach ein paar Tagen Pause fahren die Nationalspieler zu ihren Auswahlteams, im Januar findet die Europameisterschaft in Serbien statt. Am 8. Februar geht es dann für die Füchse mit dem Bundesligaspiel beim HSV Hamburg weiter. Auch die restlichen drei Partien der Champions-League-Vorrunde stehen dann an. Die Berliner wollen das Achtelfinale erreichen. Hanning: „Da wird jede Partie zu einem Endspiel.“