Füchse Berlin

Stenbäcken zeigt gegen Balingen sein Potenzial

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Alexandra Gross

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Neuzugang Jonathan Stenbäcken zeigte beim 28:20-Erfolg gegen Balingen sein bisher bestes Spiel im Trikot der Berliner Handball-Füchse. Manager Hanning lobte den 23-Jährigen danach in höchsten Tönen – um ihn dann unter vier Augen zu kritisieren.

Eine tolle Leistung ist nicht alles. Noch besser kommt eine gute Performance zur Geltung, wenn der Zeitpunkt ideal ist, um zu glänzen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, das ist die große Kunst. Und so mag man Jonathan Stenbäcken ein gutes Händchen attestieren, denn der Schwede ergriff im Bundesligaspiel der Füchse Berlin gegen Balingen-Weilstetten (28:20 ) seine Chance und zeigte sein bislang bestes Spiel beim Hauptstadtklub. Da geriet Geschäftsführer Bob Hanning ins Schwärmen: „Sven-Sören Christophersen hatte gegen Balingen keinen guten Tag, da hat Jonathan Stenbäcken seine Chance genutzt und ein exzellentes Spiel gemacht.“

Vier Tore und in der Abwehr überzeugend

Vier Tore erzielte der Schwede gegen die Schwaben und überzeugte dabei sowohl in der Abwehr als auch im Angriffsspiel. Stenbäcken blockte mal den Ball, dann wieder gab er ein kluges Anspiel an den Kreis und erwies sich damit auch als würdiger Stellvertreter von Sven-Sören Christophersen, der mit einer Handverletzung nie richtig in die Partie kam. Trainer Dagur Sigurdsson handelte und brachte Stenbäcken.

„Es war ein gutes Gefühl, so viele Spielanteile zu haben und auch die vier Tore zu erzielen“, freute sich der Schwede über seine Darbietung, die noch viel Gutes verspricht. Vielleicht ja schon am Dienstag, wenn die Füchse im vorletzten Spiel des Jahres beim TBV Lemgo antreten (20.15 Uhr, live bei Sport1). Hanning: „Dort können wir den bisherigen Saisonverlauf krönen.“ Zuletzt hatten die Berliner sieben Siege in Serie gefeiert.

Hanning will noch mehr sehen

In der Chefetage der Füchse sah man die Leistung des Schweden ebenfalls mit Freude. Und Genugtuung. Immerhin hatten Hanning und Sigurdsson dem 23-jährigen Nationalspieler, der im Sommer vom schwedischen Meister IK Sävehof zu den Füchsen gewechselt war, bis Dezember Zeit gegeben, um sich an die Mannschaft und die Bundesliga zu gewöhnen, ehe er sein ganzes Leistungsvermögen entfaltet.

„Aber Januar wollen wir dann von ihm was sehen. Klar ist, dass Jonathan eine Investition für die Zukunft ist“, hatte Hanning zum Saisonstart gesagt. Jetzt fühlt sich der Manager in seiner Haltung gegenüber Stenbäcken bestätigt. „Ich bin nach wie vor zu einhundert Prozent von dem Transfer überzeugt. Jetzt muss er diesen positiven Schub mitnehmen.“

Mangelnde Deutsch-Kenntnisse

Unmittelbar nach dem Sieg über Balingen nutzte Hanning die Gunst der guten Stimmung und führte mit Stenbäcken ein ausführliches Gespräch. Entspannt sei die Atmosphäre nach dem Triumph gewesen. „Ich habe mich sehr über seine Leistung gefreut und finde es grundsätzlich besser, solche Gespräche, in denen ich auch Kritik anbringe, zu führen, wenn es gut läuft“, erklärt der Manager.

Zunächst einmal habe er Jonathan Stenbäcken zu dessen Leistung beglückwünscht. „Er hat uns ja schon gegen Nettelstedt geholfen, aber ich habe ihm gesagt, dass ich in der Rückrunde nicht zwei, sondern acht gute Halbzeiten von ihm erwarte“, verriet Hanning, „und im zweiten Jahr bei den Füchsen muss er dann zeigen, ob er den Durchbruch schafft.“ Hanning erteilte dem Schweden allerdings auch eine Rüge. „Ich bin sehr unzufrieden mit seinen Deutschkenntnissen, das ist nicht professionell von ihm“, sagt Hanning und gab Stenbäcken mit auf den Weg, daran zu arbeiten.

Sigurdsson attestiert "riesengroße Fortschritte"

Die Anweisungen seines Trainers versteht der Schwede immerhin schon recht gut. „Am Anfang war Jonathan noch ein Fremdkörper, aber jetzt hat er sich immer mehr reingekämpft und im Training schon riesengroße Fortschritte gemacht“, sagt Sigurdsson, der auch weiß: „Jetzt braucht er eben noch Spielzeit.“ Dabei hat Stenbäcken im linken Rückraum keinen geringeren als Sven-Sören Christophersen vor sich. Der deutsche Nationalspieler ist bei den Füchsen einer der Leistungsträger und Köpfe des erfolgreichen Teams.

Aber auch Christophersen brauchte vormals etwas Zeit, ehe er beim Hauptstadtklub auftrumpfen konnte. „Jonathan muss sich durchbeißen und letztlich auch durchsetzen. Wenn nicht, dann kommt womöglich ein junger Spieler hoch.“ Immerhin verfügt Stenbäcken bereits über viel internationale Erfahrung. Bereits mit 18 Jahren spielte er mit Sävehof im Europapokal, war in der Champions League gar letzte Saison bester Torschütze seines Teams. Und so sagt Trainer Sigurdsson: „Jonathan hat aus unserer Sicht alles, was man braucht, um ein guter Bundesligaspieler zu werden. Er bekommt die nötige Zeit.“

Als Jonathan Stenbäcken im Sommer nach Berlin kam, sagte er, dass er sich als Spieler weiterentwickeln wolle. „Ich möchte den nächsten Schritt machen und mich in der Bundesliga durchsetzen.“ Der Schwede ist auf einem guten Weg, seine Ziele zu verwirklichen.