Handball-Bundesliga

Füchse nach Klatsche gegen Kiel reumütig

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Sebastian Arlt

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach der herben Niederlage gegen den THW und dem Ausscheiden im Pokal-Achtelfinale konzentrieren sich die Berliner ganz auf die Liga. Am Sonntag wollen sie im Spiel gegen Balingen-Weilstetten zeigen, was sie aus der Enttäuschung gelernt haben.

Torsten Laen guckte sauer drein: „Dieses Ende haben unsere Zuschauer nicht verdient“, sagte der Kapitän der Handball-Füchse. Ihm hatte das 28:39 gegen den THW Kiel sichtlich zugesetzt. Ausscheiden im Pokal-Achtelfinale gegen die Übermannschaft von der Nordsee – kann passieren. Schließlich hat der THW in der Bundesliga bisher alle 16 Spiele gewonnen. Aber dass die Berliner, in der Liga hinter Kiel immerhin Zweiter, am Ende so eingingen, war doch heftig. In den Medien war entsprechend von „Lehrstunde“ oder „Demontage“ die Rede.

Dabei hatten die Füchse nach 47 Minuten lediglich mit 26:28 zurückgelegen, doch dann ging nichts mehr. „Gnadenlos bestraft“, so Laen, wurden fortan alle Berliner Fehler, Kiel warf zehn Tore in Folge, ohne dass die Füchse auch nur einmal trafen. Es brach am Ende über die Füchse herein. Laen schimpfte wie selten zuvor: „Handball kann einfach sein: Drei Schritte, Wurf, Tor. Kiel hat das gemacht, wir nicht. Dann sieht man aus wie ein A-Jugend-Team.“

"Den Mut verloren"

Trainer Dagur Sigurdsson sprach davon, dass „wir die weiße Fahne gehisst haben“, die Mannschaft habe „den Mut verloren“. Eben diese blamable Endphase ist das, was hängenbleibt. Sinnbildlich war die Szene 34 Sekunden vor der erlösenden Schlusssirene: Torhüter Silvio Heinevetter wollte – weit außerhalb seines Kastens stehend – überhastet einen Tempogegenstoß einleiten, sein Abwurf landete allerdings beim tief in seiner eigenen Hälfte stehenden Kieler Christian Zeitz, der mit einem Weitwurf ins verwaiste Füchse-Tor traf. Dumm gelaufen…

„Enttäuscht“, wie man sich in das Schicksal ergeben habe, war Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning noch am Morgen danach. „Das war nicht nötig.“ Eine Niederlage mit vielleicht sechs Toren Unterschied wäre „dem Spielverlauf angemessen“ gewesen. Weil die Mannschaft doch lange Zeit dran war.

Kein Zweifel aber auch bei ihm, dass die Kieler das weitaus bessere Team waren. Von zehn Partien gegen den THW können die Berliner eines oder zwei gewinnen. Aber dann muss alles zusammenpassen: Die Kieler nicht in Topform, man selbst optimal drauf, dazu das Torhüter-Duo Heinevetter und Petr Stochl fast nicht zu überwinden. Keiner dieser Punkte traf am Mittwochabend zu. Hanning: „Wir konnten nie das Momentum nutzen.“

Dass nicht nur in Sachen Etat zwischen den Kielern (über zehn Millionen Euro) und den Berlinern (knapp fünf Millionen) eine Welt liegt, zeigte sich auf dem Personalsektor. Das Fehlen des überragenden Daniel Narcisse (Knieprobleme) machte sich bei Kiel ebenso wenig negativ bemerkbar wie das frühe Ausscheiden von Abwehrspezialist Daniel Kubes, der bereits nach acht Minuten wegen eines brutalen Fouls am Berliner Sven-Sören Christophersen disqualifiziert wurde.

Ausgeglichenheit hilft Kiel

Dass gleich drei Kieler – Zeitz, Kim Andersson und Momir Ilic – sieben Treffer erzielten, zeigt zudem die Ausgeglichenheit des THW. Nach sechs Andersson-Treffern wurde der Schwede durch Zeitz ersetzt. „Und dann kommt der auf die selbe Position und macht auch sieben Tore…“, meinte Sigurdsson kopfschüttelnd. „Wahnsinn!“ In seinem Team fehlte es hingegen nach der Handverletzung von Christophersen und nachdem die Kieler den anfangs überragenden Bartlomiej Jaszka gut im Griff hatten an starken Alternativen. Was nun auch wieder – siehe oben – mit den Etats zusammenhängt.

Der Blick der Füchse ging schnell wieder nach vorn. Der Pokal war die Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Dass die Kieler dort am Ende vorn liegen werden, daran zweifelt niemand. Bereits nach 16 von 34 Spielen sagt auch der ehemalige Nationalspieler und heutige Sport1-Experte Stefan Kretzschmar: „Ich weiß nicht, wer die stoppen soll. Ich habe das Gefühl, das könnte einen Durchmarsch geben.“ Hinter Kiel (32:0 Punkte) ist jedoch alles möglich. Auch für die Füchse (25:5), den Überraschungs-Dritten der Vorsaison.

„Wir haben am Sonntag ein ganz wichtiges Spiel“, sagte Hanning mit Blick auf die Partie gegen Balingen-Weilstetten (17.30 Uhr, Schmeling-Halle). Solche Spiele müssen unbedingt gewonnen werden, wollen die Berliner weiter mit ganz vorne dabei sein. Aber selbst gegen die Süddeutschen dürfen sich die Füchse keine Leichtfertigkeiten leisten.

In diesem Zusammenhang gewann Hanning der Klatsche gegen Kiel dann doch auch etwas Positives ab. „Man lernt auch Demut.“ Gerade in diesen tollen Zeiten, in denen fast alles zu klappen scheint bei den Füchsen. „Was wir erreicht haben, ist aber immer nur mit dem Maximum möglich.“ Was sich bei seinem Klub abspiele, sei „weit über der Normalität“. Alle müssten sich dessen immer bewusst sein. Da tut so ein Weckruf ganz gut.

Demut im Fuchsbau also: „Das ist gut für das Team, für die Sponsoren – und auch für mich“, sagte Hanning. Nur nicht die Bodenhaftung verlieren.