DHB-Pokalachtelfinale

Füchse chancenlos gegen perfekte Kieler

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Alexandra Gross

Foto: dpa / dpa/DPA

Gegen den Rekordmeister aus Kiel konnten die Füchse im DHB-Pokalachtelfinale nur eine Halbzeit mithalten, doch dann fehlte die nötige Courage. Der Traum von der Teilnahme am Final Four ist für die Berliner damit geplatzt.

Zusammengesunken kauerte Silvio Heinevetter am linken Pfosten seines Tores und schaute starr geradeaus. Ob seine Vorderleute nun noch ein Tor werfen oder nicht, war jetzt eigentlich auch egal. Die Partie gegen den THW Kiel war jedenfalls längst entschieden. Wenig später dann hüpften die Handballspieler des Nordklubs über das Parkett der Max-Schmeling-Halle, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Die Füchse hingegen trotteten enttäuscht vom Feld. Mit 28:39 (14:17) unterlagen die Berliner im Achtelfinale des deutschen Pokals dem Favoriten aus Kiel. Damit wird nichts aus dem großen Traum von der Teilnahme am Final Four im Mai in Hamburg. Dabei hielten die Berliner lange Zeit gut mit, doch am Ende war die Moral gegen einen überragenden THW gebrochen.

So sah es auch Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. „Wir haben gar nicht so schlecht gespielt, aber Kiel hat perfekt gespielt und mehrmals unsere Abwehr auseinandergenommen, trotzdem haben wir bis zur Mitte der zweiten Halbzeit mitgehalten“, sagte der Isländer, „dann war bei uns der Mut weg.“

Geschäftsführer Bob Hanning erkannte ebenfalls die Leistung des Rekordmeisters an. „Das war von Kiel eine Demonstration der Stärke, allererste Sahne.“ Er sei auch gar nicht wirklich enttäuscht. „Wir verlieren mit elf Toren lieber im Pokal als in der Bundesliga, denn da geht es ja auch ums Torverhältnis.“

Die Spannung in dem hochklassigen Pokalduell vor 6306 Zuschauern war von Beginn an greifbar. Auf dem Parkett war das Tempo hoch, auf beiden Seiten konnten sich in den ersten Minuten die Torhüter mit schönen Paraden auszeichnen. Füchse-Schlussmann Silvio Heinevetter und THW-Keeper Thierry Omeyer gehören weltweit zu den besten ihres Fachs. Ebenso wie Berlins Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Der Pole erzielte in den ersten sechs Minuten alle drei Treffer für den Hauptstadtklub und hielt sein Team im Rennen (3:3). Jaszka war am Ende mit Ivan Nincevic mit je fünf Toren bester Berliner Werfer.

Der THW ist eine mit internationalen Topstars gespickte Mannschaft, so dass es sich Trainer Alfred Gislason am Mittwoch erlauben konnte, einen Daniel Narcisse auf der Bank zu lassen. Der Franzose ist mit 1,2 Millionen Ablöse der teuerste Spieler der Welt, hatte die Füchse im Oktober beim 32:33 in der Liga mit neun Toren fast im Alleingang besiegt. Gestern brillierte beim THW dafür Kim Andersson (sieben Treffer), den Schweden bekamen die Berliner Angreifer nie in den Griff.

Rot nach Foul an Christophersen

Dann sank plötzlich Sven-Sören Christophersen nach einem Wurfversuch mit Schmerzen zu Boden, nachdem ihn der Kieler Daniel Kubes beide Hände ins Gesicht geklatscht hatte. Der Tscheche sah dafür die Rote Karte, damit war die Partie für den Abwehrchef beendet. Aber der Rekordmeister kann so einen prominenten Ausfall locker verschmerzen. Christophersen dagegen musste seine linke Hand kühlen, auf die er gefallen war. Für ihn kam der Spanier Iker Romero.

Bis zur 17. Minute war die Partie völlig ausgeglichen, 9:9 stand es da, und die Zuschauer fühlten sich richtig gut unterhalten. Binnen 120 Sekunden aber warf der Rekord-Pokalsieger drei schnelle Tore, eilte auf 12:9 davon. Gegen die wurfgewaltigen Kieler war auch ein Silvio Heinevetter machtlos. Während sich die Füchse jeden Treffer harte erkämpfen mussten, rollte die Kieler Angriffsmaschine wie geölt. Auch dank ihrer überragenden individuellen Klasse in Person von Welthandballer Filip Jicha oder eben Torjäger Andersson. Und Fehler bestraft der deutsche Rekord-Pokalsieger sofort.

Trotz eines Rückstandes von fast durchweg drei Toren gaben sich die Füchse nicht auf, sie rackerten und rannten, schmissen sich in jeden Ball und waren dem THW damit ein ebenbürtiger Gegner. Linksaußen Ivan Nincevic schaffte für die Füchse in der 41. Minute das 22:24, die Sensation war noch möglich, wenngleich die Kieler an diesem Abend so gar keine Schwäche zeigen wollten. Und die braucht es nun mal, will man den Liga-Primus stürzen.

Nachdem die Füchse Mitte des zweiten Durchgangs kurz an der Wende geschnuppert hatten, drehten die Kieler zehn Minuten vor dem Ende noch einmal richtig auf. Der Favorit zog auf 33:26 (53.) davon, die Füchse warfen das Handtuch. Kapitän Torsten Laen: „Respekt vor Kiel, die haben eine unglaublich gute Mannschaft.“