Handball-Pokal

Füchse freuen sich auf Gipfeltreffen gegen Kiel

Statt auf Leutershausen oder Bad Schwartau treffen die Berliner Füchse im Pokal-Achtelfinale auf Rekordmeister THW Kiel. Gegen die derzeit beste deutsche Handballmannschaft sind die Berliner nur Außenseiter.

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Es mag ein wenig undankbar anmuten, bereits im Achtelfinale des nationalen Pokalwettbewerbs auf die Übermannschaft der Liga zu treffen. Es hätten ja auch Leutershausen oder Bad Schwartau sein dürfen, die stehen immerhin auch in der Runde der letzten 16 Teams. Aber nichts da, die Füchse Berlin empfangen am Mittwoch den THW Kiel in der Max-Schmeling-Halle (19 Uhr, es gibt noch Karten), jenen Klub also, der seit Wochen in der Beletage des deutschen Handballs von Sieg zu Sieg eilt, dabei keinem Gegner den Hauch einer Chance lässt und mit einer makellosen Serie von 16 Erfolgen aus 16 Spielen seiner nächsten Meisterschaft entgegensieht.

Die Berliner nehmen die Herausforderung aber freudvoll an. „Es ist immer etwas Besonderes und Großes, gegen den THW Kiel zu spielen“, frohlockt Geschäftsführer Bob Hanning, „die Kieler sind im Klubhandball das Maß aller Dinge.“

Fünf Punkte zur Tabellenspitze

Vor einem Jahr durfte das Duell zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem aufstrebenden Hauptstadtklub getrost als Duell David gegen Goliath angesehen werden. Hier der THW, Rekordmeister mit 16 nationalen Titelgewinnen sowie Rekordpokalsieger mit insgesamt sieben Erfolgen. Da die Füchse Berlin, null Meisterschaften, null Pokalsiege – und doch hat sich die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson kurz vor Ende der Hinrunde als ärgster THW-Jäger etabliert.

Fünf Punkte trennen die beiden Topteams, der Meister HSV Hamburg hat nach der Niederlage gegen Kiel am Sonntag jetzt bereits acht Zähler Rückstand. „Die Meisterschaft ist entschieden“, sagt Füchse-Manager Hanning und genießt wie Trainer und Spieler den Platz an der Sonne. „Das ist unglaublich, unglaublich schön“, sagt der 43-Jährige, „wir brauchen uns für diesen Spitzenplatz nicht zu schämen und genießen das jetzt einfach mal.“

Die Erfahrungswerte nehme man gerne mit. „Wir sind eindeutig auf Kurs nach Europa.“ Mannschaftskapitän Torsten Laen gibt sich vor dem Pokalduell selbstbewusst: „Wir sind ein Spitzenteam und stehen völlig zu Recht da oben.“

THW sieht Berlin-Spiel als Herkulesaufgabe

Der THW Kiel sieht das ebenso und reist mit dem nötigen Respekt in der Hauptstadt an. Als „Herkulesaufgabe“ bezeichnet der Nordklub nun gar die Pokalpartie, die veritablen Endspielcharakter hat, immerhin treffen am Mittwoch in der Arena in Prenzlauer Berg die beiden derzeit besten deutschen Mannschaften aufeinander.

„Die Berliner sind natürlich ein Konkurrent um den Meistertitel und in den letzten Jahren eine super Mannschaft geworden“, lobt etwa THW-Trainer Alfred Gislason, wie Füchse-Coach Sigurdsson ein Isländer.

„Die Schonzeit ist vorbei“

In Juni hatten die Füchse nach einer überragenden Saison erstmals in der noch jungen Vereinsgeschichte die Champions League erreicht, nachdem sie die Liga beeindruckt und Rang drei erreicht hatten. Hinter den millionenschweren Topvereinen aus Hamburg und Kiel, deren Etats etwa dreimal so hoch sind das Budget in Berlin.

„Die Schonzeit ist vorbei“ riefen die Füchse dann als Motto ihrer fünften Bundesligaspielzeit im Sommer aus. Aber Manager Hanning sagte auch: „So eine Saison, wo alles wieder perfekt zusammenpasst, werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben.“ Da hat sich der Geschäftsführer – Stand jetzt – getäuscht, aber das nimmt er gern in Kauf. Überrascht sind sie bei den Füchsen mitunter darüber, dass offenbar die Konstanz im Leistungsniveau tatsächlich vorhanden ist . „Wichtig ist nicht so sehr, dass wir hell brennen, sondern dass wir lange brennen“, sagt Hanning.

Fest steht, dass Dagur Sigurdsson einen richtig guten Job bei den Füchsen macht. Die Spieler vertrauen ihm und nehmen seine Vorgaben voll und ganz an. Sein Wort ist Gesetz. „Und die Routine der vergangenen Saison hilft uns, außerdem bleiben wir ruhig, wenn es mal nicht so gut läuft“, sagt der Isländer. So soll es auch gegen Kiel laufen. „Kiel schlägt man in einem von zehn Spielen“, sagt Hanning, „wir waren schon nah dran. Vielleicht schaffen wir es jetzt. Dafür brauchen wir unser Publikum.“