Die Durchsagen kamen in der Halbzeit und nach Ende des Spiels, und was die Besucher der Max-Schmeling-Halle da hörten, riss sie spontan zu lautstarken Jubelstürmen hin. Damit bewiesen die Berliner Handball-Fans hohe Sachkenntnis, denn dass der HSV Hamburg beim TuS N-Lübbecke gestolpert war, durfte gemeinhin als die große Sensation des Bundesliga-Spieltages angesehen werden. Das 31:32 des Deutschen Meisters in Ostwestfalen war eine Vorentscheidung im Titelkampf, das wusste auch HSV-Trainer Per Carlen: „Jetzt wird es für uns sehr schwer.“
Auf einem guten Weg nach Europa
Die Pleite der Hamburger ließ die müden Recken der Füchse Berlin sogleich wieder ein bisschen munterer und größer wirken, weil es nämlich ihr Ergebnis trotz des mühevollen Erringens umso wertvoller machte. Auch sie hatten wahrlich nicht meisterlich gespielt und gegen den TSV Hannover-Burgdorf zum Teil grob fahrlässig ihre Chancen vergeben. Aber, und das war der entscheidende Unterschied zum HSV, sie hatten dieses Spiel gegen den Underdog aus Niedersachsen dennoch gewonnen. 28:25 (11:10) hieß es nach 60 hart umkämpften Minuten .
Ein Sieg, der die Chef-Etage des Hauptstadtklubs richtig stolz machte. „Genau das sind die Spiele, die du gewinnen musst, um dich für den Europacup zu qualifizieren“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning und zollte seiner Mannschaft Respekt: „Das unterscheidet gute von sehr guten Mannschaften: Sie gewinnen, obwohl sie nicht gut gespielt haben. Ich bin überglücklich über diesen Sieg.“
Zum Topteam gereift
Dass Hanning mit seiner Analyse indirekt eine Spitze gen Hamburg schickte, mag dabei unbewusst erfolgt sein. Fest steht aber, dass die Füchse tatsächlich zu einem Topteam gereift sind, die eben solche Partien, die eher bieder statt brillant sind, am Ende als Gewinner beenden. Das klappt nicht immer, aber immer öfter.
Und so stehen die Berliner zu Recht auch auf dem zweiten Platz hinter dem THW Kiel, der sich mit 32:27 im Nordderby bei der SG Flensburg-Handewitt durchgesetzt hatte und mit nunmehr 15 Siegen aus 15 Spielen souverän an der Tabellenspitze thront. Und in der Liga ist man sich einig, dass dem Rekordmeister der nächste nationale Titel nur ganz schwer zu nehmen sein wird. „Von zehn Spielen gewinnst du im Idealfall vielleicht einmal gegen den THW“, sagt Hanning.
Nächster Gegner heißt Kiel
Vielleicht gelingt es den Füchsen ja im Pokalwettbewerb. Mittwoch empfangen sie im Achtelfinale den THW Kiel in der Schmeling-Halle (19 Uhr). Bislang sind erst 4000 Karten für das Duell der beiden aktuell besten deutschen Mannschaften verkauft. „Aber wenn uns die Sensation gegen Kiel gelingen soll, dann müssen wir vom Publikum auf einer Riesenwelle getragen werden“, so Hanning.
Gegen Hannover war den Berliner Profis das erste Mal eine gewisse Müdigkeit anzumerken. 23 Spiele haben sie in den vergangenen drei Monaten absolviert, dazu kamen mehrere Länderspiele für die Auswahlakteure, das zehrt an der Substanz. „Wir haben gewusst, dass der Tag kommen wird, an dem wir die Doppelbelastung mit Bundesliga und Champions League spüren“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson, „gegen Hannover war dieser Tag da.“ Ebenso wie beim HSV in Lübbecke. Doch während die Hamburger es nicht schafften, der Müdigkeit zu trotzen, zogen sich die Berliner gemeinsam aus dem Loch. „Das war eine großartige Charakterleistung, deshalb möchte ich meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment aussprechen“, sagte der Füchse-Coach und sprach aus, was viele dachten: „Wir sind sehr glücklich über die Punkte, denn viele andere Teams haben Punkte abgegeben.“





