Handball-Bundesliga

Aufsteiger Hüttenberg empfängt die Füchse Berlin

Der Hauptstadtklub und Champions-League-Teilnehmer Füchse gastiert beim Aufsteiger in Mittelhessen. Sportlich betrachtet eine klare Angelegenheit, doch so ein bisschen hofft der Außenseiter auf die Sensation.

Auf den ersten Blick haben die Füchse Berlin und der TV Hüttenberg nicht viel gemeinsam, bis auf dass sie natürlich beide in der Handball-Bundesliga spielen und am heutigen Sonnabend (ab 20.15 Uhr) in Mittelhessen aufeinandertreffen. Der Hauptstadtklub und Champions-League-Teilnehmer gastiert beim Aufsteiger – sportlich betrachtet eine klare Angelegenheit, doch so ein bisschen hofft der Außenseiter auf die Sensation. Kampflos ergeben werden sich die Hüttenberger jedenfalls nicht, und Trainer Jan Gorr verweist darauf, dass auch dieses Spiel zweier so ungleicher Mannschaften erst einmal gespielt werden müsse. „Es geht um zwei Punkte, auch wenn viel zusammen kommen muss, damit wir was holen.“

Die Halle in Hüttenberg, das durch seinen Handkäse Berühmtheit erlangt hat, ist bereits ausverkauft, 1450 Zuschauer werden den 42 Jahre alten Bau an der Hauptstraße 107 einem Stresstest unterziehen. Die Besucher sitzen unmittelbar hinter den Spielerbänken. „Das ist ein richtiger Hexenkessel“, frohlockt Manager Lothar Weber. Und weil die Füchse selbst nur zu gut wissen, wie sehr das eigene Publikum einen zu Höchstleistungen treiben kann, treten sie zwar als großer Favorit, aber eben auch mit dem nötigen Respekt beim Aufsteiger an. Achtung haben die Berliner auch vor der Gesamtleistung der Hessen. „Hüttenberg ist das Salz in der Suppe in der Bundesliga“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning über den Traditionsverein, dem er den Klassenerhalt von Herzen gönnt: „Wenn so ein Klub wie Hüttenberg die Liga hält, ist das manchmal höher einzustufen als eine Meisterschaft. Man muss immer hochkonzentriert spielen gegen solche Teams.“

Auf den zweiten Blick haben die Füchse und Hüttenberg doch mehr gemeinsam als zunächst gedacht. In Berlin hatte der Handball 21 Jahre im Winterschlaf verbracht, ehe Hanning den Sport 2005 wachgeküsst hat. In Hüttenberg gelang nun nach 26 Jahren Abstinenz wieder der Sprung in der Beletage des deutschen Handballs. In Berlin spielten einst große Namen wie Noka Serdarusic, in Hüttenberg war Weltmeister Horst Spengler aktiv. Walter Don, der mit Spengler 1978 WM-Gold gewann, spielte gar in Berlin und Hüttenberg.

Auch widmen sich beide Vereine intensiv dem Nachwuchs, Jugendarbeit ist eine zentrale Säule in der Klubpolitik. Und sie trägt Früchte. Während die A-Jugend der Füchse im Juni Deutscher Meister wurde, konnte sich die B-Jugend aus Hüttenberg bei den nationalen Titelkämpfen über Silber freuen. Zwar liegen die Klubs in Sachen Etat weit auseinander, die Berliner planen die Saison mit 4,7 Millionen Euro, der Aufsteiger bleibt knapp unter einer Million Euro. Doch Schulden werden auf beide Seiten nicht gemacht, seriöses Wirtschaften hat höchste Priorität.