Handball-Bundesliga

Iker Romero wird bei den Füchsen zum Anführer

Als der alternde Weltstar Iker Romero im Sommer zu den Füchsen kam, wurde er von vielen Fachleuten als Auslaufmodell abgetan. Nicht nur wegen seines Gala-Auftritts beim 33:30 gegen Flensburg hat der 31-Jährige seine Kritiker widerlegt.

Foto: Bongarts/Getty Images

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als das Zeichen zum Einsatz kam. Mit Elan sprang Iker Romero von der Reservebank auf. Der Rückraumspieler der Füchse Berlin bekreuzigte sich dreimal im Eiltempo und flüsterte kurz vor dem Betreten des Feldes seinem Geschäftsführer Bob Hanning mit einem Augenzwinkern zu: „Now it’s easy!“ Und der Spanier sollte mit seiner Aussage „Jetzt ist es leicht“ Recht behalten. Denn zum Ende des Spitzenspiels in der Handball-Bundesliga zwischen den Füchsen und der SG Flensburg-Handewitt hatte Romero freie Hand und viel Platz für sein Wirken, weil Teamkollege Sven-Sören Christophersen kurz zuvor in Manndeckung genommen worden war. Und ein ordentlicher Freiraum ist so ganz nach Romeros Geschmack, prompt führte der 31-Jährige den Hauptstadtklub mit zehn Toren (davon zwei Siebenmeter) zum Heimsieg über Flensburg (33:30) .

Kretzschmar ist voll des Lobes

Für die Berliner war dieser Erfolg nach der Länderspielpause mit dem Supercup von hoher Bedeutung, streben sie doch auch in dieser Saison die Qualifikation für den Europapokal an. „Und dafür müssen wir Mannschaften wie Flensburg vor heimischer Kulisse unbedingt besiegen“, sagt Manager Hanning, atmet einmal tief durch und ergänzt mit einer gewissen Süffisanz: „Es freut mich auch sehr, dass der Marketinggag so zugeschlagen hat.“

Mit diesem despektierlichen Begriff hatten einige Experten vor dem Saisonstart die Verpflichtung Romeros bezeichnet und den früheren Weltmeister schon als Auslaufmodell abgetan. Jene Fachleute dürften spätestens am Dienstagabend ihre Meinung revidiert haben. Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar jedenfalls lobte am Sport1-Mikrofon: „Alle Achtung, Romero ist in der Bundesliga angekommen. Er ist ein sympathischer Typ und bereichert die Liga.“

Von der Bank sofort präsent

Doch schon vor dem Sieg über Flensburg hatte Romero im Füchse-Trikot seine besondere Klasse bewiesen. Zwar noch nicht über 60 Minuten, aber eben doch immer mehr. „Iker weiß, dass er bei uns nicht über die gesamte Zeit durchspielen muss“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson und gerät ins Schwärmen: „Er ist ein toller Typ und hat in der Mannschaft seine Rolle gefunden. Wenn er von der Bank kommt, ist er sofort präsent und übernimmt Verantwortung. Das ist seine große Stärke.“

Kapitän Torsten Laen ergänzt: „Gott sei Dank haben wir Iker. Er hat den richtigen Kopf für solche Spiele.“ Dabei hat Romero immer gute Laune. „Die Fans haben ihn sofort ins Herz geschlossen“, sagt Hanning, „er ist einfach ein guter Typ, den jeder mögen muss.“ Selbst der neue Bundestrainer Martin Heuberger ist sich sicher, dass Romero ein Transfercoup der Füchse war: „Er wird den Berlinern gerade in wichtigen Situationen mit seiner Erfahrung und Routine helfen.“

Im Sommer war Romero vom Champions-League-Sieger FC Barcelona zu den Füchsen gewechselt. Bis dahin hatte der Weinkenner – er besitzt mit der Familie eine Kellerei in der spanischen Provinz Rioja – immer nur in Spanien gespielt. Aber was sollte nach Barcelona noch kommen? „Na klar, Berlin“, sagt Hanning und lacht.

Romero hat sich in der Hauptstadt längst gut eingelebt, er genießt die Offenheit der Leute und das internationale Flair der Metropole. Und ist angetan von der landesweiten Handballeuphorie. „Wahnsinn, wie begeistert die Leute hier überall sind. Die Hallen sind toll. Es kommen viele Zuschauer. Aber genau um das zu erleben, bin ich ja nach Deutschland gekommen“, sagt der Spanier, dem Starallüren völlig fremd sind. „Es kommt mir so vor, als wäre ich schon seit einem Jahr hier. Seit dem ersten Moment ist alles superunglaublich“, sagte Romero, „ich habe bisher in meiner Karriere das Glück gehabt, immer genau zur richtigen Zeit im richtigen Klub zu sein.“

Kapitän der Nationalmannschaft

Am vergangenen Wochenende beim Supercup ereilte Romero eine besondere Ehre. So durfte der 31-jährige Rückraumspieler die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und feierte zudem mit den Iberern den Turniersieg. Sein Ticket für die Olympischen Spiele 2012 in London hat er so gut wie sicher. „Das war eine ganz große Erfahrung, Kapitän der Nationalmannschaft zu sein“, sagt er. Für Nationaltrainer Valero Rivera ist der Berliner eine feste Größe, bezeichnet Romero als „wichtige Säule“ in seinem Team.

Zehn Tore warf Romero beim Sieg über Flensburg, nach jedem Treffer wurde der Gassenhauer „Eviva Espana“ eingespielt. Vermeintlich eine Provokation für den Basken. Der aber nahm’s gelassen, er klatschte jeden Mannschaftskameraden einzeln ab und sang sogar mit. Romero lacht: „Jetzt liebe ich diesen Song.“ Und die Fans lieben ihn.