Champions League

Warum sich die Füchse nicht schämen müssen

Berlins Handball-Bundesligist hat in der Champions League gegen Atletico Madrid mit 33:37 verloren. Doch diese Niederlage ist für das Team keine Katastrophe.

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Am Montagmorgen danach sitzt Dagur Sigurdsson schon wieder vor seinem Computer, um den Gegner zu studieren. Nein, nicht den aus der großen Handball-Welt, Atletico Madrid also, dem seine Mannschaft tags zuvor 33:37 unterlegen war. Der Trainer der Füchse Berlin taucht ein in eine ganz andere Welt, in die zweite deutsche Liga, genau gesagt: Er analysiert die HG Saarlouis. „Jedes Spiel hat seinen Reiz, jeder Gegner seinen Charme“, sagt der Isländer. Die Saarländer sind am Dienstag in der dritten Runde um den DHB-Pokal Gastgeber für die Berliner.

„Das ist wieder ein wichtiges Spiel“, erklärt Torsten Laen, „wir müssen gleich nach vorn schauen.“ Und nicht lange hadern, fordert der Füchse-Kapitän: „Wir sind immer noch guter Laune. Die Niederlage gegen Madrid ist keine Katastrophe.“ Eher der Normalfall, könnte man sagen; die Spanier spielen Jahr für Jahr in der Champions League, und dies meistens bis zum Schluss des Wettbewerbs. Die Füchse sind dagegen Novizen auf diesem Niveau. Jedoch keine, die sich damit zufrieden geben. Sigurdsson glaubt sogar: „Drei von sieben Spielen gewinnen wir gegen die.“

Das ist mutig, aber dem Mutigen gehört die Welt – auch im Handball. So groß waren die Unterschiede schließlich nicht. Eine Halbzeit lang blieben die Berliner auf Augenhöhe. Kurz nach dem Wechsel entschieden zwei Überzahlspiele die Partie. Zuerst musste ein Fuchs zwei Minuten auf die Bank – Madrid nutzte dies, um von 21:20 auf 24:20 davonzuziehen. Direkt im Anschluss ging ein Spanier vom Feld – als er zurückkehrte, hatte sein Team den Vorsprung in Unterzahl auf 26:21 ausgebaut.

„Da haben sie so viel Routine“, lobt Laen, „und machen genau die richtigen Dinge. Das ist der Unterschied zwischen einer guten und einer Top-Mannschaft. Ich hoffe, wir können viel aus so einem Spiel lernen.“ Man habe gewusst, dass Madrid in solchen Situationen sehr stark ist, sagt Sigurdsson, allein: „Wir haben es nicht verhindern können.“ Diesmal noch nicht.

Zu schämen brauchen sich die Füchse trotzdem nicht. Sie sind einem Gegner unterlegen, der über einen gewiss doppelt so hohen Etat verfügt. Der 16 Nationalspieler in seinen Reihen weiß und durchwechseln kann, ohne dass man einen Unterschied feststellt. Die Berliner dagegen traten mit drei deutschen Youngstern an, Colja Löffler, Johannes Sellin und Jonas Thümmler. „Wir sind in der Formel 1, aber wir sitzen im Lotus und müssen gegen Ferrari bestehen“, umschreibt Manager Bob Hanning das schwierige Manöver der Füchse.

Auch wenn der Gäste-Trainer Talant Duschebajew den Berlinern das Potenzial attestierte, ins Final Four zu kommen und auch die eigenen Spieler recht optimistisch in die nächsten internationalen Aufgaben gehen – Hanning zieht es vor, in Bodennähe zu bleiben. „Die Jungs sollen ruhig einen hohen Anspruch haben. Aber ich sage: Wir wollen Platz vier in unserer Gruppe erreichen, dafür ist es ab jetzt verboten, zu Hause zu verlieren. Wir sind noch lange nicht durch.“ Und Saarlouis? „Die Qualität, bei einem Zweitligisten zu bestehen, musst du immer bringen“, stellt Hanning klar, „wie das Spiel ausgeht, entscheiden wir mit unserer Leistung.“ Für Saarlouis sind die Füchse die große Handball-Welt. Die ganz große.