Handball-Champions-League

Füchse sind gegen Seriensieger Madrid Außenseiter

Wenn die Berliner Füchse am Sonntag den spanischen Topklub Atletico Madrid treffen, erwartet sie ein Sammelsurium internationaler Stars. Berlin ist klarer Außenseiter - und der Gegner plant bereits die Siegesfeier.

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In seiner Heimat ist Jose Javier Hombrados ein Held. Als einziger Handball-Torhüter weltweit hat der 39-Jährige mit drei verschiedenen Klubs die Champions League gewonnen. Santander, San Antonio und Ciudad Real. Und wenn es nach ihm geht, soll mit Atletico Madrid in dieser Saison ein vierter Verein hinzukommen. Von der Siegerparty im Sommer 2012 hat Hombrados jedenfalls schon genaue Vorstellungen. „Wir wollen es wie die Fußballer machen und am Neptunbrunnen in Madrid feiern.“

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, und dieser wird derzeit in der Königsklasse noch in der Gruppenphase vergossen. So empfangen die Füchse Berlin am Sonntag die stolzen Spanier in der Max-Schmeling-Halle (15.30 Uhr). Es ist das Duell der Spitzenreiter, denn mit jeweils fünf Punkten aus drei Partien führen die beiden Hauptstadtklubs die Tabelle der Vorrundengruppe B gemeinsam an. Angesichts der Titelambitionen und der Spielstärke sind die Füchse gewarnt. „Wir haben Riesen-Respekt vor Atletico Madrid. Gewinnen ist kein Muss“, sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning und erklärt auch warum: „Wir haben nicht im Ansatz die Breite ihres Kaders, das sind gelernte Champions-League-Sieger.“ Bange machen gilt aber trotzdem nicht. Hanning: „Wir werden uns jetzt nicht vorher ergeben, immerhin haben wir es uns erarbeitet, dass wir in jedem Spiel eine Chance haben. Aber Leidenschaft wird da nicht ausreichen.“

Champions League-Sieger 2007 bis 2010

In der Tat reisen die Spanier als Favorit an. Bereits drei Mal gewann die Mannschaft von Trainer Talant Duschebajew die Champions League, von 2007 bis 2010 wurde stets auch die nationale Meisterschaft gefeiert. Allerdings unter anderem Namen: Ciudad Real. Im Sommer zog der komplette Verein aus der königlichen Stadt ins 200 Kilometer entfernte Madrid, dort wollen die Ballkünstler nun eine neue Euphorie entfachen. „In den vergangenen Jahren hat niemand in Madrid Wert auf Handball gelegt“, sagt Torhüter Hombrados, „ich hoffe, dass sich das jetzt ändert.“ Der Neuanfang jedenfalls war höchst erfolgreich, im Supercup besiegte Atletico den Dauer-Rivalen FC Barcelona, am vergangenen Mittwoch stellten die Madrilenen mit dem 52:27 gegen Academia Octavio in der Liga einen neuen Rekord auf.

Der Umzug von Ciudad Real nach Madrid war nötig geworden, weil es nicht mehr genügend finanzielle Unterstützung gegeben hatte, um weiter auf höchstem sportlichen Niveau Handball zu spielen. „Wir sehen, dass dieses Projekt in dieser Stadt nicht fortbestehen kann“, sagte Klub-Präsident und Mäzen Domino Diaz de Mera im Juni. Der Milliardär hatte die Mannschaft viele Jahre beinahe im Alleingang finanziert, wollte aber die Belastung nicht mehr tragen. 4,3 Millionen Euro soll de Mera pro Saison gezahlt haben. So also wanderte der Verein im Sommer aus der Region La Mancha nach Madrid, wo er unter dem Dach von Atletico Madrid firmiert und seine Heimspiele im 14.000 Zuschauer fassenden Palacio de Deportes austrägt.

Atleticos Ruhmreiche Vergangenheit

Zieht man die letzten Jahre ab, so blickt Atletico Madrid auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. 1951 war die Handball-Abteilung gegründet worden, insgesamt elf Mal wurde der Klub spanischer Meister. Als Jesus Gil y Gil jedoch neuer Atletico-Präsident wurde, begann der Absturz. 1992 löste der Klubboss die Handball-Abteilung auf. Nun soll die Tradition wieder aufblühen. „Wir wollen gemeinsam mit unseren Fans in Madrid möglichst viele Titel feiern, allen voran in der Champions League“, sagt Manager Luis Miguel Lopez. Und Coach Duschebajew erklärt: „Die Champions League ist der wichtigste Wettbewerb im Handball und wir sind hochmotiviert, diesen prestigeträchtigen Titel zu holen.“

Die Qualität dafür hat Atletico. Und mit Hombrados und Arpad Sterbik haben sie ein herausragendes Torhüter-Gespann. Vor 39 Jahren wurde Hombrados in Madrid geboren, seine ersten Ligaspiele bestritt er bei Atletico. Jetzt will er in seiner Heimatstadt die eindrucksvolle Karriere beenden. „Es war eine tolle Zeit in Ciudad Real, aber für mich schließt sich jetzt in Madrid der Kreis.“