Handball-Bundesligist

Füchse Berlin kämpfen mit hohen Erwartungen

Bundesliga, Pokal, Champions League: Die Füchse Berlin tanzen auf jeder Handball-Bühne. Doch der Erfolg ist Fluch und Segen zugleich. Denn mittlerweile können die Fans zwischen zu vielen Spielen auswählen - und die Ansprüche steigen.

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Trotz einer Grippe gab Torsten Laen Sonntag mal wieder alles beim Spiel gegen den THW Kiel. Am Ende reichte es für die Berliner nicht ganz zum Sieg. Mit 32:33 verloren die Füchse trotz einer furiosen Aufholjagd in den letzten Minuten. Zu allem Überfluss treffen die Spieler von Dagur Siurdsson im DHB-Pokal wieder auf den deutschen Rekordmeister. Jan-Olav Straakholder hat einen leicht verschnupften, aber trotzdem gutgelaunten Torsten Laen in Wilmersdorf getroffen.

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Bevor Alfred Gislason, der Trainer des THW Kiel, zum Mannschaftsbus ging, plauderte er noch eine Weile mit Dagur Sigurdsson und Bob Hanning, Coach und Geschäftsführer der Berliner Handball-Füchse. Gesprächsstoff gab es nach dem 32:33 der Berliner gegen den Titelfavoriten genügend. Dass die Füchse am Sonntag in der Schmeling-Halle den Rekordmeister an den Rand seiner ersten Saisonniederlage in der Bundesliga gebracht hatten, nötigte Gislason höchsten Respekt ab: „Wir mussten optimal spielen, um hier zu gewinnen.“ Dass man sich am 14. Dezember zum Pokal-Achtelfinale ja schon wieder in Berlin sehen wird, dürfte ein weiteres Thema gewesen sein.

Es herrschte eine gelöste Stimmung bei Siegern – und Besiegten. Weil eben die Berliner stolz auf ihre Leistung sein konnten, auch wenn am Ende „kleine Details“ (Kapitän Torsten Laen) fehlten. Besonders konnte sich der sechsfache Torschütze Markus Richwien freuen, der vom neuen Bundestrainer Martin Heuberger für den Supercup nachnominiert wurde. Beim Vier-Nationen-Turnier bestreitet das deutsche Team sein Auftaktspiel am Donnerstag um 18.30 Uhr (Sport1) in der Schmeling-Halle gegen Dänemark.

Doch bald kam bei Hanning auch Nachdenklichkeit durch. Zwar hatte sein Team bewiesen, dass es noch ein Stück näher an den Branchenführer herangerückt ist, aber langsam merkt er auch den Fluch der guten Tat. „Die Erwartungshaltung ist unglaublich gestiegen.“ Nicht unbedingt gegen Kiel oder in der Champions League gegen europäische Spitzenteams – „aber ansonsten musst du inzwischen ja schon alles gewinnen…“ Das findet er „ziemlich krank“, zeigt aber die Realität.

Der Konsument stellt mit fortschreitenden Erfolgen der Füchse immer höhere Ansprüche – und er wählt aus. Bundesliga, Champions League, die Weltbesten sind im „Fuchsbau“ zu sehen. Da ist der Supercup schon kein Selbstläufer mehr, wie noch vor ein paar Jahren, als Berlin vor der Renaissance der Füchse Handball-Diaspora war. Hanning hat Verständnis dafür: „Die Leute haben ja nicht unendlich Geld.“

Aber, und das treibt Hanning viel mehr um, ihr Top-Angebot trifft auch die Füchse selbst. Für die nächsten Heimspiele in der Bundesliga gegen Flensburg-Handewitt (8.11.) und die Rhein-Neckar Löwen (29.11.) „haben wir bisher effektiv zu wenig Karten verkauft“. Die Füchse, deren Etat knapp fünf Millionen Euro beträgt, kämpfen um jeden Fan. Mit Blick auf die Bundesliga und die finanziellen Möglichkeiten der Klubs sagt Hanning: „Wir sind an der Grenze, auch die Füchse.“ Vor ein paar Tagen schloss Krösus Kiel (Etat etwa zwölf Millionen Euro) das Geschäftsjahr mit einem Minus von 500.000 Euro ab.

„Wir gehen unseren Weg weiter“, verspricht Hanning. Nicht mehr Geld ausgeben, als eingenommen wird, lautet der Füchse-Grundsatz. Doch Hanning gibt auch zu: „Wir tun uns schwer.“ Der Fußball binde viele Sponsorengelder. „Und in einer Stadt wie Berlin schneiden viele an einem Kuchen herum.“ .“