Champions League

Füchse brennen auf das "Sahnehäubchen"

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Alexandra Gross

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Nach der verpassten Generalprobe gegen Göppingen wollen die Berliner Füchse in der Champions League am Sonntag erst recht ihre Klasse zeigen. Denn das Spiel beim russischen Meister Medwedi Tschechow ist der Höhepunkt der Vereinsgeschichte.

Das Handballspiel ist harte Arbeit, es in Perfektion zu beherrschen eine Kunst. Und fürwahr keine brotlose, ist man in der Bundesliga aktiv. Was den Schauspielern die Bühne ist den Sportlern das Parkett, von daher hat das Sprichwort der Theaterleute auch im Handball seine Berechtigung, und das besagt nun einmal, dass auf eine verpatzte Generalprobe eine gelungene Premiere folgt. Weil die Niederlage zur rechten Zeit die Schwachstellen aufdeckt und den Anreiz gibt, die Fehler bis zum großen Auftritt coram publico auszumerzen. Glaubt man dieser Weisheit, müssen sich die Füchse Berlin vor ihrem Start in die Champions League keine großen Sorgen machen. Und die große Vorfreude auf das historische Erlebnis lassen sie sich durch die Liga-Niederlage in Göppingen eh nicht nehmen. „Es ist für uns ein riesiger Traum, der in Erfüllung geht“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. Und Nationalspieler Sven-Sören Christophersen weiß: „In der Königsklasse zu spielen ist für uns Handballer mit das Größte, was es gibt.“

Schade nur, dass die Berliner ausgerechnet jetzt einen Rückschlag hinnehmen mussten, wie er in einer Saison immer mal wieder vorkommt. Nachdem sich die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson am vergangenen Sonntag zu einem 25:23-Heimspielerfolg gegen die HSG Wetzlar gezittert hatte, folgte am Mittwochabend bei Frisch Auf Göppingen mit dem 24:26 die erste Niederlage der noch jungen Saison. Zuvor hatten die Füchse alle vier Liga-Partien der neuen Spielzeit gewonnen und damit ihre eindrucksvolle Serie auf 13. Siege in Folge ausgebaut. Diese ist nun gerissen. Was zwar kein Beinbruch ist, aber doch auch die Erkenntnis brachte, dass es den Berlinern noch an der Konstanz im Gesamtbild eines Spiels mangelt. Nicht umsonst betont Trainer Sigurdsson seit Wochen, dass es vor allem darum gehe, Stabilität in den Leistungen über die vollen 60 Minuten zu erlangen.

„Wir haben gewusst, dass das Spiel in Göppingen eine Partie auf Augenhöhe wird“, sagt Hanning, „die können zu Hause jeden schlagen und da werden auch noch einige namhafte Mannschaften in der Saison Punkte liegen lassen.“ So auch die Füchse. Hanning: „Wir dürfen uns nicht besser machen als wir wirklich sind.“ Ärgerlich sei nur, dass der Sieg drin gewesen sei. Die Hauptstadt-Handballer hatten schon 6:0 geführt, mussten dann aber einen Negativlauf von 3:12 Treffern hinnehmen. „Wir sind konzentriert und gut gestartet. Göppingen ist dann gut ins Spiel gekommen, wir haben wenige Chancen gehabt“, analysierte Sigurdsson.

Historische Premiere in Moskau

Nun gilt es, den Kopf rasch für den historischen Auftritt am Sonntag frei zu bekommen. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte treten die Füchse in der Champions League an. Die Premieren-Partie steigt beim russischen Meister Medwedi Tschechow in Moskau. Um dort nicht unterzugehen, müssen sich die Füchse steigern. „Die Mannschaft hat mich so oft überrascht, ich würde mich freuen, wenn sie es dann auch noch mal tut“, frohlockt Manager Hanning und vertraut wie Trainer Sigurdsson auf die Tatsache, dass die Mannschaft eingespielt ist. Sigurdsson: „Die Routine der vergangenen Saison wird uns helfen, mit der Mehrbelastung durch die Champions League gut klarzukommen. Meine Mannschaft wird in Europa bestehen.“

Für die Füchse ist die Champions League, in der auch der Deutsche Meister HSV Hamburg und Rekordtitelträger THW Kiel ins Rennen gehen, ein „Sahnehäubchen“ (Hanning). „Die Champions League ist der Lohn unserer harten Arbeit, die Königsklasse ist etwas ganz Besonderes“, sagt auch Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, der großen Anteil am sportlichen Aufstieg des Klubs hat. Der 26-Jährige hat selbst schon mit dem SC Magdeburg im prestigeträchtigen Klub-Wettbewerb gespielt. Aber Heinevetter sagt auch: „Unser tägliches Brot ist die Liga.“ Dort wollen die Füchse mindestens Platz sechs erreichen, um sich wieder für den Europapokal zu qualifizieren. Vielleicht sogar für die Champions League.