Handball

Berliner Füchse fliegen entspannt über den Wolken

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexandra Gross

Foto: dpa / dpa/DPA

Der überragende Ligastart der Füchse Berlin sorgt für gute Stimmung im Team. Nicht zuletzt der Sieg über Meister Hamburg beflügelt Trainer und Spieler. Neu-Zugang Iker Romero haben die Fans bereits in ihr Herz geschlossen.

Die Laufeinheit blieb fast keinem erspart. Und so scharte Athletiktrainer Eric Helm am Dienstag die Handballspieler der Füchse Berlin am Horst-Korber-Sportzentrum um sich und brachte die Profis bei herrlichem Sonnenschein mächtig auf Trab. Nach einer wohltuenden Massage gab es dann noch ordentlich Kohlenhydrate. Bei einer Männer-Portion Spaghetti mit Tomatensoße ließen die Berliner die Trainingseinheit ausklingen und füllten ihre Energiespeicher wieder auf. Mittendrin saß Iker Romero und lachte immer wieder laut auf oder rief ein sonores „Klasse!“ durch den Raum. Zwischendurch wandte sich der Spanier seinem Smartphone zu und tippte mit einem Lächeln Nachrichten.

Trainer Sigurdsson lobt sein Team

Entspannt und fröhlich, so trifft man die Füchse derzeit im Trainingsalltag an. Da wird gelacht und geflachst, irgendwie geht eben gerade alles ganz leicht. Sie fliegen entspannt über den Wolken. Kein Wunder bei diesem überragenden Liga-Start. In den bisherigen drei Spielen der neuen Bundesliga-Saison gingen die Hauptstadt-Handballer immer als Sieger vom Platz, dabei zählt der Triumph am vergangenen Sonntag gegen den Deutschen Meister HSV Hamburg freilich am höchsten.

Eine ganz tolle Leistung attestierte Trainer Dagur Sigurdsson seinem Team und frohlockte: „So kann es weitergehen!“ Und da im Sport schnell mit Superlativen gearbeitet wird, stellt sich jetzt für die Füchse schon die Frage, ob in dieser Saison sogar noch mehr drin ist als der dritte Platz, der zuletzt erreicht wurde. So ein bisschen grassiert in der Stadt gerade das Meisterfieber, auch dank Herthas Sieg beim Titelträger Borussia Dortmund. Bei den Füchsen sehen Spieler und Verantwortliche den Hype mit Freude, weil er den Handball noch mehr in den Fokus rückt. Doch von ihrem Weg lassen sie sich nicht abbringen.

Der sieht vor, sich mit stabilen Leistungen unter den besten sechs Mannschaften der Liga zu etablieren. Die Saison ist noch lang, und bald kommt auf die Berliner die Doppelbelastung mit der Champions League zu. 24 Partien stehen bis Jahresende noch bevor. „Wir haben uns eine gute Ausgangssituation geschaffen, mehr nicht“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. „Es ist super, dass wir jetzt schon diese sechs Punkte haben, je mehr Siege wir jetzt holen, desto besser“, sagt Kapitän Torsten Laen, dessen Erkenntnis nach dem furiosen Liga-Start besser nicht sein könnte: „Wir wissen jetzt, dass wir alle schlagen können.“ Und Torhüter Silvio Heinevetter jubiliert: „Das ist ein unglaublich gutes Gefühl, den HSV geschlagen zu haben.“

Einen „ganz besonderen“ Moment erlebte am Sonntag auch Iker Romero. Der Spanier lief nach dem Wechsel vom FC Barcelona an die Spree erstmals vor heimischer Kulisse in der Max-Schmeling-Halle auf. Nicht ohne sich vorher dreimal zu bekreuzigen. „Da habe ich richtig Gänsehaut bekommen, weil das Publikum so laut geklatscht hat, das war klasse“, sagte der Spanier über seine Premiere. „Die Fans haben ihn sofort ins Herz geschlossen“, bemerkte auch Bob Hanning. „er ist einfach ein guter Typ, den man mögen muss.“ Das bestätigt Handball-Ikone Stefan Kretzschmar. „Iker ist ein sympathischer Typ, der in den entscheidenden Momenten Verantwortung übernimmt. Ich freue mich sehr, dass er jetzt bei den Füchsen spielt, denn er bereichert die Bundesliga.“

Star ohne Allüren

Der Gepriesene selbst sieht sich gar nicht als der neue Superstar im Füchse-Team, er will vielmehr ganz normaler Teil des Teams sein und der Mannschaft mit seiner Art, Handball zu spielen, und der großen Erfahrung helfen. Dennoch hat der Spanier aufgrund seiner zahlreichen Erfolge – zuletzt gewann der Ex-Weltmeister mit dem FC Barcelona die Champions League – eine herausragende Position. „Wahnsinn, wie begeistert die Leute hier sind. Die Hallen sind toll. Es kommen viele Zuschauer. Aber genau um das zu erleben, bin ich ja nach Deutschland gekommen“, sagt der Spanier, dem Star-Allüren fremd sind. Für ihn ist die Mannschaft der Star, auch deshalb war Romero rasch bei den Füchsen integriert. „Iker fragte anfangs sogar, wo er beim Mittagessen sitzen darf. Er hat einen großartigen Charakter“, sagt Kapitän Laen. Und was bei Romero noch nicht so gut klappt, daran wird fleißig gearbeitet. So etwa nimmt der 31-Jährige regelmäßig Deutschunterricht und verspricht, es bald gut zu können. Berlin findet der Rotweinliebhaber, der in der spanischen Provinz Rioja mit der Familie eine Weinkellerei besitzt, „sehr spannend“. Der Nachwuchs liegt ihm besonders am Herzen, er betreibt in seiner Heimatstadt Vitoria eine Handballschule. Bei den Füchsen hat er bereits mehrmals mit Kindern trainiert. Trotz der Freude über den Erfolg gegen Meister HSV ist für Trainer Sigurdsson längst wieder der Alltag eingekehrt. Schon jetzt befasst sich der Isländer mit der nächsten Aufgabe, dem Pokalspiel am kommenden Dienstag bei Zweitligist VfL Potsdam. Bis dahin haben die Füchse Pause. Zeit also, um weiter an sich zu arbeiten. Sigurdsson: „Damit wir auf dem hohen Niveau weiterspielen können.“