Handball

Pevnov ist die Zukunftsinvestition der Füchse

Die Füchse Berlin verjüngen ihr Team. Sie haben den 21 Jahre alten Kreisläufer Evgeni Pevnov für die kommende Saison verpflichtet. Der Russe ist sehr torgefährlich und überzeugt auch im Innenblock.

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Seherische Fähigkeiten wären im Handball manchmal durchaus von Vorteil. Genau dann nämlich, wenn es darum geht, die Mannschaft für die kommende Saison zusammenzustellen. Diese weitreichenden Entscheidungen fallen in der Sportart traditionell mit großem zeitlichen Vorlauf. „Im Handball muss man ein bis zwei Jahre im voraus eine Mannschaft entwickeln, daher genau überlegen, mit welchen Profis man die Verträge verlängert und welche man verpflichtet“, sagt Füchse-Präsident Frank Steffel und erklärt: „Das ist insofern schwer, als dass wir abstrahieren müssen, in welcher Form sich ein Spieler möglicherweise in zwölf oder 24 Monaten befindet.“

In den vergangenen Wochen haben die Füchse Berlin bereits einige Personalentscheidungen für die Zukunft getroffen. So bleiben Trainer Dagur Sigurdsson und Kapitän Torsten Laen bis 2013 beim Hauptstadtklub, Torhüter Silvio Heinevetter unterschrieb gar einen Vertrag bis 2014. Nun vermelden die Berliner den ersten Zugang für die nächste Spielzeit: Der Russe Evgeni Pevnov (21) wechselt vom Liga-Konkurrenten TSG Ludwigshafen-Friesenheim an die Spree. Der Kreisläufer ist sehr torgefährlich und überzeugt auch durch gute Abwehrarbeit im Innenblock. Pevnov erhält bei den Füchsen einen Zweijahres-Vertrag und soll vor allem die Abwehr verstärken. Colja Löffler wird dafür ab der kommenden Saison mit Ivan Nincevic das Gespann auf Linksaußen bilden. Konrad Wilczynski verlässt im Sommer den Verein.

Bemüht sich um deutschen Pass

„Ich freue mich auf den Wechsel zu den Füchsen, dort erwartet mich eine spannende Herausforderung“, sagt Pevnov über seinen Wechsel zu den Füchsen, die die Überraschungsmannschaft des Jahres sind. Vor dem letzten Spiel bei TuS N-Lübbecke rangieren die Berliner sensationell auf Platz zwei der Bundesliga und liegen damit auf Champions-League-Kurs. „Die Füchse spielen eine beeindruckende Saison, man hat in den letzten Partien aber auch gesehen, dass das an die Substanz geht“, sagt Pevnov, der ausgezeichnet deutsch spricht. Bereits mit einem Jahr zog er mit seinen Eltern aus Russland nach Berlin. Jetzt soll er sich sogar um die deutsche Staatsangehörigkeit bemühen und könnte damit auch ein Kandidat für die deutsche Nationalmannschaft werden. Er wäre für die Füchse dann bereits der dritte Auswahlakteur mit dem Bundesadler auf der Brust.

„Wir haben Evgeni Pevnov vor allem verpflichtet, um die Abwehr zu verstärken. Der hervorragende Saisonverlauf liegt zu großen Teilen an der Abwehr und dem Zusammenspiel mit dem Torhüter, hier wollen wir weiter Wert auf Qualität legen“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. Trainer Sigurdsson kommt dabei entgegen, dass Pevnov mit 21 Jahren noch sehr jung ist und als Kreisläufer auch Entlastung für Torsten Laen bringen kann. „Der Kader wird damit noch flexibler und wir werden noch stärker variieren können“, so Hanning. Und: „Pevnov ist ein richtig guter Junge, er passt auch vom Charakter her sehr gut zu den Füchsen.“

Das tut auch Talent Colja Löffler, der ab Sommer auf die linke Außenposition rückt. Außerdem planen die Füchse mit dem 21-Jährigen in offensiven Abwehrformationen auf der vorgezogenen Position. Damit bleibt der Klub seinem Prinzip treu, auf junge deutsche Spieler aus der Region zu setzen. „Berlinalisierung“ nennt Hanning eine der tragenden Säulen des Bundesligisten, die auch bei Erreichen des Europapokals oder gar der Champions League auf keinen Fall eingerissen wird. „Der Trainer hat die Aufgabe, diese jungen Spieler zu entwickeln und in die Mannschaft zu integrieren. Geschenkt gibt es nichts, aber jeder erhält seine Chance“, sagt Hanning, dem die Nachhaltigkeit in Sachen Nachwuchsarbeit seit jeher besonders am Herzen liegt. Ebenso wie die Unterstützung sozialer Projekte in der Stadt. „Und wenn mich das die Champions League kostet, dann ist das eben so“, sagt Hanning, „ein Talent aus Berlin wird bei uns immer den Vorzug vor neuen Spielern erhalten.“