Füchse

Denis Spoljaric toppt alle Erwartungen

Er sei mehr als ein Glücksgriff, lobt ihn Füchse-Manager Hanning. Trainer Sigurdsson ist von seinen Leistungen überrascht. Neuzugang Denis Spoljaric macht einen guten Job als Spielmacher beim Handball-Bundesligisten.

Foto: Buddy Bartelsen

Stürmer, die den Siegtreffer oder mehrere Tore im Fußball erzielen, Basketballer, die serienweise Dreier werfen oder Eishockey-Torhüter, die sich mit allem Mut und erfolgreich in die Schüsse der gegnerischen Angreifer geworfen haben – an ihnen allen lässt sich der Erfolg eines Teams schnell und plausibel erklären. Es machen aber auch die Typen den Unterschied, die nicht auf der Anzeigetafel erscheinen oder in den Statistiken ganz oben stehen. Da erobert Peter Niemeyer für Hertha Spiel für Spiel die Bälle im Mittelfeld. Albas Immanuel McElroy macht Woche für Woche dem gegnerischen Topscorer das Leben schwer. Bei den Füchsen gehört Denis Spoljaric (31) zu denen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sein Team mit einem Sieg gegen Balingen wieder Tabellenführer werden kann, wenn Hamburg zu gleicher Zeit gegen die Rhein-Neckar-Löwen verliert.

„Mehr als ein Glücksgriff“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning über Spoljaric, den er im Sommer aus Zagreb nach Berlin gelockt hatte. Der Kroate wurde den Erwartungen, die man an einen Weltmeister (2003) und Olympiasieger (2004) stellen darf, vom ersten Tag an gerecht. Drei Tore warf der 102 Kilo schwere 1,95-Meter-Mann in den zwölf Spielen bislang, die geringste Ausbeute im gesamten Team. Sogar Youngster Colja Löffler warf eines mehr. Dafür hat Spoljaric mit seiner Abwehrarbeit großen Anteil daran, dass sein Team jetzt mit 21:3 Punkten dasteht.

„Trotz seiner großen Erfahrung hat mich Denis überrascht“, erzählt Trainer Dagur Sigurdsson. „Ich hätte ihm viel mehr Zeit eingeräumt, sich einzuleben. Es ist ja auch sein erstes Jahr in der Bundesliga. Aber er ist ein wirklich guter Spieler und hat von Anfang an mit seiner vorbildlichen Einstellung bei uns reingepasst.“

Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sich Spoljaric von Beginn an bei den Füchsen und in Berlin wohl gefühlt hat. Mit Torsten Laen gemeinsam das Zentrum der Füchse-Abwehr zu organisieren, sei so unkompliziert, als „würden wir dort schon seit zehn Jahren zusammen spielen“, sagt der Defensivspezialist. „Der gute Saisonstart hat uns natürlich viel Selbstvertrauen gegeben. Dass wir aus zwölf Spielen 21 Punkte holen würden, hat uns selbst ein wenig überrascht.“

Spoljaric ist zufrieden bei den Füchsen

Auch abseits des Spielfeldes ist Spoljaric mit seiner Entscheidung, dem Lockruf Bob Hannings zu folgen, sichtlich zufrieden. In der Bundesliga seien die Hallen immer voll und jedes Spiel sei wichtig, während er in Zagreb eigentlich nur in sechs Champions-League-Spielen pro Saison gefordert worden war. Und viel wichtiger noch: Sohn Noah, vor dreieinhalb Monaten geboren, schläft jetzt durch. „Das war für meine Frau, wenn wir auswärts unterwegs waren, manchmal nicht ganz so einfach.“ Tochter Nya ist zwei Jahre alt. „Berlin ist eine schöne Stadt. Wann immer es das Wetter erlaubt, gehen wir mit den Kindern spazieren.“

Was macht diesen Mann nun aus, der mit seinen großen Händen Noah liebevoll die Flasche gibt, aber ein-, zweimal pro Woche auch die besten Angreifer das Fürchten lehrt? Schiere Gewalt jedenfalls ist es nicht: Unter den Top 20 der bösen Buben der Liga (Zwei-Minuten-Strafen, Gelbe Karte) sucht man Spoljaric vergebens. „Er macht keinen Schritt zu viel“, sagt Hanning, „aber auch keinen zu wenig.“ Coach Sigurdsson lobt: „Er arbeitet sehr sauber, macht keine unnötigen Fouls. Denis spielt fair.“ Und unübersehbar sei ja wohl: Denis ist eine natürliche Autorität. „Mit dem, was er schon alles erreicht hat, strahlt er Ruhe aus“, sagt der Manager. „Er ist ein schlauer Spieler, der nicht von der Härte lebt, sondern von der spielerischen Intelligenz.“

Und die zeige sich nicht nur in seinem eigenen Spiel. Spoljaric dirigiere mit seinen Anweisungen das ganze Team. Die Kunst dabei ist, „die Aktionen des Gegners möglichst zu antizipieren“, erklärt Hanning. „Nicht erst zu reagieren, sondern die Angreifer in die Positionen zu zwingen, in denen wir sie haben wollen. Die Anweisungen, die Denis gibt, werden befolgt, weil er schon alles gewonnen hat.“ Für den Gelobten selbst ist das alles schon zu viel des Guten. „Ist einer in der Abwehr schlecht, ist die ganze Abwehr schlecht“, sagt Spoljaric. Dass er aber laufend Anweisungen gebe, stimme schon. „Nach vorn, Hände hoch, rechts, links! Achtung“, lacht der Abwehr-Chef in der Amtssprache der Füchse, also auf Deutsch. „Kommunikation“, erklärt er, „ist alles!“

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