Es gibt in Teamsportarten diese Spiele, die nur über den Kampf zu gewinnen sind. Duelle, die nicht unbedingt schön sind, aber zum Liga-Alltag dazu gehören. In diese Kategorie fiel auch die Partie der Füchse gegen Aufsteiger Friesenheim.

Eine klare Angelegenheit, sollte man meinen. Und doch wieder nicht, weil genau diese kleinen Mannschaften immer wieder ihre Außenseiterrolle zu nutzen wissen. Die Geduld der Zuschauer wurde am Sonntag auf eine harte Probe gestellt, ehe der 36:32 (17:17)-Sieg der Berliner über den Liga-Neuling feststand. Am Ende feierten die 7984 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle ihre Handballer, eine Handball-Gala war's aber nicht. Immerhin, durch die Niederlage der Rhein-Neckar Löwen gegen Flensburg (31:32) kletterten die Berliner wieder auf Platz drei. Trainer Dagur Sigurdsson: „Friesenheim hat wie erwartet sehr gut gespielt. Bei uns war es eine Leistung nicht auf dem besten Niveau. Aber der Gegner war gut eingestellt, und er hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Konzentration und Einstellung waren bei uns nicht optimal. Aber solche Spiele gibt es eben auch mal.“

Dabei hatte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning seinem spielenden Personal vor der Partie einen klaren Auftrag erteilt. „Bis Ende des Jahres dürfen wir kein Heimspiel mehr verlieren“, hatte er gefordert. Nach dem glänzenden Saisonstart mit nur drei Minuspunkten wollen die Füchse in ihrer vierten Erstligaspielzeit Historisches schaffen und sich für den Europapokal qualifizieren. Die Chancen dafür stehen gut, denn gegen die großen Klubs der Liga haben die Berliner bereits gespielt. Daher auch die ehrgeizige Parole des Managers. Doch der Aufsteiger aus Ludwigshafen ist keinesfalls ein wehrloser Punktelieferant, sieben Zähler hat er in seinem Kampf gegen den Abstieg bereits auf der Habenseite, auch am Sonntag spielte er couragiert auf und brachte die Füchse arg in Bedrängnis.

Als Feierabendhandballer werden die „Eulen“ gern bezeichnet, denn nur zwei Spieler sind Vollprofis, der Rest steht im Berufsleben, studiert oder geht noch zur Schule. Mit durchschnittlich 23 Jahren stellt Friesenheim zudem auch den jüngsten Bundesligakader. Zum Vergleich: Die Mannschaft der Füchse ist im Durchschnitt 26,9 Jahre alt. Das Mehr an Erfahrung war am Sonntag aber lange Zeit nicht zu erkennen. Die Füchse mühten sich, in die Partie hineinzukommen, aber das wollte nicht so recht gelingen. Viele gute Chancen blieben ungenutzt, so dass die Gäste das Spiel offen gestalten konnten. Nach 20 Minuten gelang Konrad Wilczynski mit zwei verwandelten Siebenmetern das 12:10. Der quirlige Österreicher hatte zunächst auf Linksaußen den Vorzug vor Torjäger Ivan Nincevic erhalten. Später dann aber brachte Sigurdsson wieder Nincevic.

Heinevetter macht Stochl Platz

Unter dem Jubel der Fans lief in der 25. Minute Michal Kubisztal aufs Parkett der Schmeling-Halle. Der Pole feierte am Sonntag seine Rückkehr vor heimischer Kulisse. Wegen eines Bandscheibenvorfalls hatte er in der laufenden Saison noch kein Pflichtspiel für die Füchse bestreiten können. Am Sonntag nun gab es die gelungene Rückkehr für den Rückraumriesen.

In der Halbzeitpause wird Coach Sigurdsson ein paar ernste Worte an seine Spieler gerichtet haben. Denn man kann ja wohl kaum den Liga-Primus THW Kiel zu Hause besiegen, um dann gegen die Hobby-Handballer aus Friesenheim Federn zu lassen. Doch die Füchse taten sich weiterhin schwer. Nach 38 Minuten verließ der entnervte Silvio Heinevetter, dem im ersten Durchgang noch zwölf Paraden gelungen waren, das Feld, für ihn rückte Petr Stochl zwischen die Pfosten.

Doch auch der tschechische Nationalspieler konnte nicht verhindern, dass die Gäste mit 24:22 (40.) in Führung gingen. Jetzt musste endlich ein Ruck durch die Füchse-Mannschaft gehen. Und das passierte schließlich auch. Binnen sechs Minuten drehten die Berliner die Partie zu ihren Gunsten um, machten aus einem 26:26 ein 30:26. Angetrieben von ihren Anhängern übernahmen die Füchse in der Schlussphase endlich das Kommando. Ihre Körpersprache verriet, dass sie diesen Sieg wollten, um jeden Preis. Der Einsatz wurde belohnt. Bester Berliner Werfer war Ivan Nincevic mit sieben Toren (davon drei Siebenmeter).