83 Tage und 2:14 Minuten waren vergangen, bis die ausgehungerten Handball-Fans endlich wieder jubeln durften. Und es war schließlich dem neuen Kapitän der Füchse vorbehalten, den ersten Treffer der neuen Spielzeit vor heimischem Publikum zu markieren.

134 Sekunden also waren absolviert im Saison-Eröffnungsspiel der Berliner gegen den spanischen Spitzenklub Ciudad Real, als Torsten Laen vom Kreis traf. Die 5805 Zuschauer, darunter 370 Fußball-Anhänger, die nach dem Hertha-Spiel aus dem benachbarten Jahnsportpark den Weg in die Schmeling-Halle gefunden hatten und angesichts des blau-weißen Triumphes bester Laune waren, feierten das Tor so überschwänglich, als hätten die Füchse soeben die Meisterschaft für sich entschieden.

Mit elf Nationalspielern war Ciudad Real angereist

Soweit ist es freilich noch lange nicht, dennoch zeigten die Berliner beim 24:31 (11:13) gegen den zweimaligen Gewinner der Champions League eine starke Leistung. „Das war eine super Stimmung“, jubelte Geschäftsführer Bob Hanning nach dem gelungen Saisonauftakt gegen die Spanier, „es war ein gelungenes Handball-Fest.“

Mit elf Nationalspielern war Ciudad Real nach Berlin gereist, und die Mannschaft wurde ebenso frenetisch empfangen wie die Gastgeber. Schon vor dem Anpfiff herrschte Partystimmung. Die Hallensprecher heizten dem Publikum zudem noch ein und übten gemeinsam die Namen der Füchse-Spieler. Eine gute Maßnahme angesichts der fünf Neuen Silvio Heinevetter, Torsten Laen, Stian Vatne, Runar Karason und Sebastian Schneider.

Gleich von Beginn an wurde klar, dass beide Mannschaften dieses Spiel zum Härtetest auserkoren hatten. Mit Leidenschaft, Aggressivität und Konsequenz gingen sie zu Werke und schenkten sich nichts. Der neue Füchse-Coach Dagur Sigurdsson, der während der gesamten Partie vor der Spielerbank auf und ab tigerte und immer wieder gestenreich Anweisungen gab, wechselte munter durch, so dass jeder Akteur sich zeigen konnte. Wie schon in der Vorsaison hielt es auch Frank Steffel nicht auf dem Sitz. Der Klub-Präsident und CDU-Politiker nahm seine gewohnte Position hinter dem Zeitnehmertisch ein und beobachtete von dort das Treiben auf dem Parkett. Und was er sah, erfreute ihn. „Es liegt eine fantastische Saison vor uns“, frohlockte er.

Mischung aus neuem und bewährtem Personal scheint zu stimmen

Die Vorzeichen vor dem Saisonstart am 6. September in Minden sind gut, die Form passt, die Stimmung ist prächtig. „Die Jungs haben mit viel Einsatz und Emotionen trainiert, die Motivation für die Saison ist riesengroß“, zeigt sich Sigurdsson für die kommenden Aufgaben gewappnet. Und Manager Hanning lächelt: „So ein gutes Gefühl hatte ich noch nie, wir haben eine ganz tolle Mannschaft.“ Die Mischung aus neuem und bewährtem Personal scheint zu stimmen.

Nun war die vergangene Saison etwas unrühmlich zu Ende gegangen, unnötige Niederlagen und mangelnder Einsatz hatten erheblich auf die Stimmung gedrückt. Hanning: „Das war wirklich eine Katastrophe, was wir da abgeliefert haben. Wir hatten außerdem die schlechteste Abwehr der Liga.“

Keeper teilten sich den Job im Kasten der Füchse

Jetzt ist alles anders. Mit Stian Vatne haben die Berliner einen robusten Abwehrchef verpflichtet, er griff am Donnerstagabend schon das ein oder andere Mal beherzt zu. Der 35-Jährige spielte zuletzt schon in Spanien bei AM Aragon in der Rolle des Abwehrchefs: „Ich bin die Position gewöhnt und freue mich sehr, diese jetzt auch bei den Füchsen auszufüllen.“ Um Vatne, Rico Göde und Torsten Laen herum verfügen die Füchse nun über eine starke Defensive. Dazu bilden der deutsche Nationalspieler Silvio Heinevetter und der tschechische Auswahlakteur Petr Stochl eins der stärksten Torhüter-Duos der Liga. Am Abend teilten sich die Keeper den Job im Kasten der Füchse. Heinevetter, der aus Magdeburg an die Spree gewechselt war, sagt: „Unsere Defensive steht super, Stian Vatne ist ein super Abwehrchef. Der beste Torhüter der Welt hält nichts, wenn die Abwehr nicht steht.“

Gut eine Woche bleibt den Füchsen noch Zeit, sich den letzten Feinschliff für den Auftakt in der schwersten Handball-Liga der Welt zu holen. Die Leistung von gestern lässt auf einiges hoffen. Sieht auch Hanning so: „Mit der Mannschaft, die wir jetzt haben, schaffen wir den Sprung nach Europa.“