Gleich am Donnerstagvormittag verlangt Dagur Sigurdsson von seinen Handballspielern höchste Konzentration. Videoschulung steht auf dem Tagesplan der Füchse Berlin, es gilt, Fehler zu erkennen und sie künftig zu vermeiden. Anschließend wird der Isländer die Trainingsinhalte vor allem auf die Offensive ausrichten. „Wir müssen im Angriff noch mehr Druck entwickeln“, fordert Sigurdsson.
Attacke ist bei den Füchsen so etwas wie die Parole der kommenden Tage, die Woche soll dann am Sonntag gegen Frisch Auf Göppingen (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) im ersten Heimsieg gipfeln. „Denn“, stellt Geschäftsführer Bob Hanning unmissverständlich klar, „diese Partie gegen Göppingen ist für uns ein Schicksalsspiel.“
Drei Misserfolge bleiben nicht ohne Folgen
Drei Spiele haben die Füchse bislang in der neuen Bundesligasaison, ihrer dritten in der Beletage des deutschen Handballs, absolviert, dem Auftaktsieg in Minden (26:21) folgten Niederlagen zu Hause gegen Lemgo (26:29) und in Flensburg (24:27). Am Dienstagabend schieden die Berliner nach dem 26:34 in der 2. Pokalrunde beim THW Kiel aus. Zwar stand dieses Ergebnis gegen die Übermannschaft aus dem Norden zu erwarten, ganz spurlos ging es aber trotzdem an den Füchsen nicht vorbei. „Es ist nicht leicht, drei Niederlagen in Folge wegzustecken“, gestand Trainer Sigurdsson, „wir sind Sportler und wollen natürlich immer gewinnen. Die Situation mit den drei Misserfolgen tut daher schon weh.“
Grämen aber müssen sich die Füchse nicht, immerhin stehen ihre bisherigen Kontrahenten Kiel, Lemgo und Flensburg mit dem HSV Hamburg gemeinsam verlustpunktfrei an der Spitze der besten Handball-Liga der Welt. Die Füchse liegen wie zum Abschluss der abgelaufenen Spielzeit auf Rang zehn. Zwei, drei Plätze höher wollen die Berliner diesmal landen.
Dagur Sigurdsson ist ein akribischer Arbeiter, er verlangt von seinen Spielern viel – und er gibt viel. Der 36-Jährige ist auf Erfolg programmiert, auch bei den Füchsen. Mit dem Isländer an der sportlichen Spitze haben die Berliner vor dem Saisonstart die Parole ausgegeben, den Sprung auf die internationale Bühne des Handballs schaffen zu wollen. Die Konkurrenz aber ist groß, und gerade deshalb muss es den Füchsen gelingen, auch mal einen der Topklubs zu bezwingen. Findet auch Sigurdsson: „Wir haben gegen Lemgo und Flensburg knapp verloren, haben aber gesehen, dass wir mit diesen Mannschaften mithalten können. Nur: Jetzt müssen wir auch einen der Großen schlagen.“
Auf 8000 Zuschauer hofft das Team am Sonntag
Dieser Erfolg soll nun also gegen Göppingen gelingen. Die Schwaben erreichten in der vergangenen Saison als Sechster den Europapokal und gehören damit in dieser Spielzeit zu den direkten Konkurrenten der Füchse. „Jetzt müssen wir und jetzt wollen wir auch gegen Göppingen gewinnen, gerade zu Hause ist das ein Muss“, sagt Hanning, der am Sonntag auf eine Kulisse mit 8000 Zuschauern hofft. Sigurdsson sagt: „Göppingen ist ein Gegner, dem wir auf Augenhöhe begegnen, ich spüre, dass wir diesen Sieg unbedingt wollen.“ Dabei spiele das Heimpublikum eine nicht unerhebliche Rolle.
Schon vor eineinhalb Wochen gegen Lemgo waren die Füchse nah dran am Punktgewinn. Der selbst ernannte Titelaspirant, mit fünf aktuellen deutschen Nationalspielern ausgestattet, zeigte sich wenig meisterlich und musste arg kämpfen, die Füchse doch noch niederzuringen. „Kampf und Einsatz meiner Mannschaft haben bislang gestimmt, wir waren gegen Lemgo und Flensburg häufig nah dran am Maximum, es haben in beiden Partien nur Kleinigkeiten gefehlt.“ Im Gegensatz zum Auftritt in Kiel, „da waren wir oft einen Schritt zu spät dran und sind in der zweiten Halbzeit fast nur hinterhergelaufen“, sagt Sigurdsson. Aber der Isländer erkennt wie auch Manager Hanning eine Entwicklung, die Mut für die Zukunft macht. Beide sagen: „Die Leistung wird von Woche zu Woche besser.“

