Eishockey

Den Eisbären droht nach der NHL-Euphorie der Alltags-Kater

Für die Eisbären wird es ernst in der DEL. Nach einem misslungenen Start müssen dringend Punkte her. Iserlohn ist der nächste Gegner.

Eisbären-Stürmer Fabian Dietz prüft Chicagos Torhüter Corey Crawford.

Eisbären-Stürmer Fabian Dietz prüft Chicagos Torhüter Corey Crawford.

Foto: Michael Sohn / picture alliance/AP Photo

Berlin. Wenn die Größten erscheinen, sind auch die Wichtigen nicht weit. Luc Robitaille lief am Sonntag durch die Mercedes-Benz Arena, traf sich nach dem Spiel der Eisbären Berlin mit dem 17-jährigen Lukas Reichel und wechselte ein paar Worte mit dem Eishockeytalent. Der Stürmer durfte die Besten erleben, im Testspiel gegen die Chicago Blackhawks mit Profis aus der nordamerikanischen NHL wetteifern. „Er hat viele gute Sachen gemacht“, fand Eisbären-Trainer Serge Aubin.

Nächsten Sommer soll Reichel in der besten Liga der Welt gedraftet werden, ein Klub kann sich dann seine Dienste sichern. Robitaille ist der Präsident der Los Angeles Kings, als Aufsichtsratsvorsitzender auch der der Eisbären. Beide Klubs sind über den gemeinsamen Eigentümer Anschutz eng miteinander verbunden. Ob Reichel deshalb die Chance hat, in LA zu landen, ist aufgrund des strikten Draftsystems in der NHL schwer vorhersehbar. Trotzdem freuten sich alle über den mutigen Auftritt von Reichel gegen die Stars. Überhaupt sprühten alle vor Freude nach dem engen 1:3 gegen den großen Favoriten. „Wir haben uns voll reingehauen, hatten super viel Spaß“, sagte Verteidiger Florian Kettemer.

Gegen Chicago das Spielsystem gefestigt

Es war ein Erlebnis, ein Spektakel, das viel Euphorie auslöste bei den Eisbären. Nicht allein wegen der sehr seltenen Gelegenheit, die sich da bot. Sondern auch, weil die Berliner demonstrierten, was in ihnen steckt. „Wenn jeder bei der Sache ist, sind wir eine gute Mannschaft“, konstatierte Aubin. Mit extremer Motivation hielten die Eisbären mit gegen einen Kontrahenten, der zu wesentlich mehr in der Lage ist. „Für uns war es wichtig, unser System noch mal zu festigen und kompakter zu spielen“, so Kettemer. Dies bei dem hohen Tempo der NHL-Profis zu tun, war eine enorme Herausforderung. Doch die Berliner konnten ihre Pläne umsetzen. Die Spielzüge einfach zu halten und den Puck schnell zu spielen, war ein Schlüssel dabei.

Aber es war auch nicht mehr als eine Übung. Mit der Rückkehr zum Alltag folgt nun nicht weniger als der Ernstfall. Die Berliner sind in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nach sechs Spieltagen nur Vorletzter. Sie haben zwar eine Partie weniger absolviert und mit Köln, München und Mannheim schon drei Spitzenteams als Gegner gehabt, doch der Rückstand nach vorn ist bereits so groß, dass unweigerlich Druck entsteht. 13 Zähler hinter Spitzenreiter München, sieben Punkte hinter Platz vier, dem erklärten Hauptrundenziel – der Start ist misslungen.

Coach Aubin: „Wir müssen gewinnen, sofort“

Einstellung, Tempo und vor allem Selbstvertrauen – das wollen die Eisbären nun aus dem Spiel gegen Chicago mitnehmen in die DEL. „Wenn wir so in die Ligaspiele gehen, werden wir auch erfolgreich sein“, glaubt Kettemer. Jüngst hatte Aubin in der Kabine eine größere Sitzung abgehalten. „Wir haben Videos geschaut, wo er klipp und klar gesagt hat, dass es so gar nicht geht. Er hat auch die Leute in den entsprechende Clips persönlich angesprochen“, sagt Verteidiger Kai Wissmann. Es war ein eindringliches Meeting, welches das trostlose Auftreten beim 1:4 in Mannheim am vorigen Donnerstag zum Inhalt hatte.

Die mangelnde Unterstützung untereinander, die zu große Passivität ohne Puck sollen nun der Vergangenheit angehören. „Alle bei uns sind ehrlich miteinander, wir wissen, dass jeder mehr bringen muss in der DEL“, so Aubin, der seine Mannschaft spielerisch aber nah an den Vorgaben sieht. Das allein genügt nun jedoch nicht mehr. Am Mittwoch spielen die Berliner bei den Iserlohn Roosters, am Freitag bei den Augsburger Panthern, Sonntag ist Straubing zu Gast. „Wir brauchen jetzt Punkte, keine Frage. Ich würde es nicht Druck nennen, sondern Realität. Wir müssen gewinnen, sofort“, ordnet Trainer Aubin die Situation richtig ein. Ansonsten könnte Platz vier schon sehr früh außer Reichweite geraten.

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