Eishockey

Kleine Show für große NHL-Stars bei den Eisbären

Die Berliner unterliegen den Chicago Blackhawks 1:3. Erstaunlicher war da schon die schlichte Show beim Gastspiel der Superstars.

Fast auf Augenhöhe: Maxim Lapierre (l) von den Eisbären und Superstar Jonathan Toews von den Chicago Blackhawks.

Fast auf Augenhöhe: Maxim Lapierre (l) von den Eisbären und Superstar Jonathan Toews von den Chicago Blackhawks.

Foto: Michael Sohn / dpa

Berlin.  Ist alles immer größer und schöner, nur weil es aus Amerika kommt? Im Unterhaltungssektor könnte diese Formel durchaus stimmen, fast immer sogar. Beim Eishockey trifft sie aber nur bedingt zu. Kein Feuer, kein Geknalle, kein Einlaufen durch den großen Bärenkopf.

Wenn die National Hockey League (NHL) aus Nordamerika kommt, ist vieles enorm in den Dimensionen, sie ist die beste Eishockeyliga der Welt. Aber die Fans des EHC Eisbären mussten erst einmal mit weniger auskommen als gewohnt. Ein ganz schlichtes Einlaufen gab die NHL vor, ohne Pyro-Show, dafür live gesungene Nationalhymnen. Patriotisch, aber langatmig.

Solche Randerscheinungen nehmen die Fans natürlich gern in Kauf, wenn sie dafür mal einige der besten Spieler der Welt ganz nah erleben dürfen. Die Chicago Blackhawks haben Patrick Kane mitgebracht, auch Jonathan Toews oder Duncan Keith und Brent Seabrook. Diese Stars absolvierten in Berlin ihr letztes Testspiel, bevor sie eine Woche später in Prag gegen die Philadelphia Flyers in die Saison starten.

Auswärtspartie für die Eisbären in der Mercedes-Benz-Arena

Strategisches Marketing einer Liga beim Streben nach Wachstum, Fanpflege an der europäischen Basis. Ein großer Spaß für alle, auch beim Testspiel in Berlin, das die Eisbären 1:3 (0:1, 1:0, 0:2) verloren. „Ich glaube, dass wir genauso nah am zweiten Tor waren wie Chicago. Aber wir haben das Momentum in Überzahl nicht genutzt“, sagte EHC-Stürmer Marcel Noebels. Sein Kollege Florian Kettemer blickte über das Ergebnis hinaus. „Das war für die meisten Jungs bei uns eine Riesensache. Wir waren alle superheiß.“

Obwohl es für die Berliner ein Heimspiel war, fühlte es sich doch wie eine Auswärtspartie an. Die NHL reglementiert stark, man könnte das auch Professionalität auf höchster Ebene nennen. Den Fans ist das weitgehend egal, bis auf die vermehrten Kurzpausen während der Partie und der damit verbundenen Werbehäufung.

Der Anhang des EHC versuchte, diese mit erhöhter Lautstärke zu übertönen. Aber sonst geht das Konzept auf. Die Mercedes-Benz Arena war voll, 14.200 Zuschauer. „Wir denken, dass Deutschland ein wichtiger Markt ist, mit vielen Leuten, die Interesse am Spiel haben. Dieses Interesse wollen wir kultivieren“, sagte Bill Daly, der Vice-Chef der NHL.

Trikots der Blackhawks wurden für 115 Euro verkauft

Geld verdienen, heißt das vornehmlich. Trikots der Blackhawks wurden in der Arena für 115 Euro verkauft. Nach der Anzahl der Chicago-Jersey auf den Rängen zu urteilen ein lohnendes Geschäft.

Aber auch die gute Absicht soll nicht zu kurz kommen. Das Spiel zu stärken, das Eishockey überall zu unterstützen in seiner Entwicklung, so Daly, sei die Intention der Liga. Das ist einer der Gründe, sich in Europa zu zeigen. Die Fans hier mehr an sich zu binden ein anderer.

In Berlin kamen die Zuschauer nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus vielen europäischen Ländern. „Alles was wir tun, hilft dem Eishockey zu wachsen, hilft der NHL zu wachsen“, so der Liga-Gesandte, der daran erinnerte, dass in Berlin auch schon ein Punktspiel der NHL stattgefunden hat. 2011 war das, damals gewannen die Buffalo Sabres gegen die Los Angeles Kings 4:2.

Keine Probleme der NHL-Stars mit größerer Eisfläche

Die Eisbären selbst durften 2008 bereits gegen ein NHL-Team testen, 1:4 verloren sie gegen Tampa Bay Lightning. Diesmal taten sich die Berliner zunächst schwer mit der individuellen Qualität der Blackhawks, die eine Mannschaft im Wert von 80 Millionen US-Dollar auf das Eis stellten. Die der Berliner entspricht einem Wert von sechs bis sieben Millionen Euro.

Trotz dieses krassen Gefälles kämpften sich die Eisbären in die Partie, die auf der etwas größeren europäischen Eisfläche gespielt wurde. „Das ist eine gute Erfahrung“, sagte Jeremy Colliton, der Trainer von Chicago.

Der vermeintliche Nachteil fiel bei seinen Profis kaum ins Gewicht. Einige Spieler der Blackhawks hatten bereits vor zehn Jahren einen Test gegen ein europäisches Team erlebt, 1:2 unterlag man bei den ZSC Lions in Zürich.

Backman trifft zum 1:1-Ausgleich

Entsprechend motiviert, dem Außenseiter nicht zu viel Raum zu geben, waren die Stars. Doch die Eisbären zeigten viel Engagement, konnten sogar kleine Druckphasen kreieren. Auch nach dem 0:1 durch Toews (19.) blieben die Berliner dran, fanden immer wieder Lücken in der Abwehr der Blackhawks.

Eine nutzte Sean Backman zum Ausgleich (35.). Chicagos Kapitän Toews wollte in der Partie „an unserem Spiel arbeiten, das war zuletzt noch nicht flüssig genug“. In dieser Hinsicht konnte er durchaus Fortschritte verzeichnen, die Blackhawks ließen den Puck gut laufen.

In den Zweikämpfen aber blieben die Berliner bissig, sie opferten sich auch in der Abwehr auf. Ein gutes Beispiel für die Deutsche Eishockey Liga (DEL), in der finden sich die Eisbären gerade nur auf Platz 13 wieder. Mit dem Elan, den sie gegen die NHL-Stars zeigten, sollte sich das bald korrigieren lassen.

Lob vom NHL-Vize für deutsches Eishockey

Den Erwartungen entsprechend passten auch die Amerikaner das Ergebnis noch an. Alexander Nylander traf im Nachsetzen zur erneuten Führung (50.), David Kampf ins leere Tor (59.), aber es fiel der Star-Truppe keineswegs leicht, die Eisbären aus der kleinen DEL zu bezwingen. In der müssen die Berliner am Mittwoch gegen Iserlohn ran. „Es war wie die Atmosphäre beim College-Eishockey. Die ganzen Gesänge, viele Leute stehen die ganze Zeit. Das ist echt cool. Es würde Spaß machen, das auch zu Hause zu haben“, sagte Toews zur Stimmung in der Halle und war begeistert. Ebenso viele seiner Kollegen.

„Das Eishockey ist stark hier, sie tun in Deutschland die richtigen Dinge, um voranzukommen“, stellte NHL-Vice-Chef Daly fest. Bezüglich des Unterhaltungsfaktors vor dem Spiel sind sie in der DEL sogar schon weiter als in der großen NHL.