DEL

Florian Kettemer – ein Meister, der aus Münchens Himmel fiel

Die Verpflichtung von Florian Kettemer erweist sich als Glücksgriff für die Eisbären. Einen Vertrag hat er aber nur bis Ende November.

Florian Kettemer ist bei den Eisbären gleich zum Führungspieler geworden

Florian Kettemer ist bei den Eisbären gleich zum Führungspieler geworden

Foto: Gregor Fischer / picture alliance/dpa

Berlin.  Knapp fünf Minuten waren am Freitagabend beim Auftritt der Eisbären in Krefeld noch zu spielen und die Pinguine noch einmal in Überzahl. Es war die Gelegenheit für die Gastgeber, den 1:3-Rückstand noch umzubiegen, doch Florian Kettemer hatte etwas dagegen. Der Berliner Verteidiger legte sich vor dem eigenen Tor auf das Eis und vereitelte so die Schusschance.

Nicht unbedingt schön anzusehen, aber unheimlich effektiv: Für solche Aktionen hatten die Eisbären Florian Kettemer Anfang August nachverpflichtet. Zwar bekam der 32-Jährige zunächst nur einen Vertrag bis Ende November. Nach den bislang gezeigten Leistungen wäre es aber beinahe fahrlässig, wenn die Berliner den Kontrakt nicht über diesen Zeitraum hinaus verlängern würden.

Kettemer ist bislang der stabilste Verteidiger der Eisbären. Er leistet sich nur wenige Fehler, weshalb er als einer von nur drei Berlinern im Schnitt mehr als 20 Minuten auf dem Eis steht. Kettemer füllt die Lücke, die in der Abwehr durch die Ausfälle von Jonas Müller und Kai Wissmann entstanden ist. Auch am Sonntag (14 Uhr, Mercedes-Benz Arena) im Heimspiel gegen den Tabellendritten Ingolstadt sind seine Qualitäten gefragt. Die Eisbären gehen mit dem Selbstvertrauen von zuletzt vier Siegen in Folge in die Partie. Mit einem Sieg würden sie mit Ingolstadt gleichziehen.

Topscorer statt Mentalcoach

Dass Kettemer ein Fels in der Brandung sein kann, wusste man. Don Jackson, sein Ex-Trainer beim EHC Red Bull München, sagte mal über ihn: Er ist ein Spieler, mit dem man Titel gewinnen kann. Dass Kettemer aber auch in der Offensive Akzente setzt, ist neu. In den ersten zehn Spielen hat er bereits dreimal getroffen – das sind schon jetzt mehr Tore, als in den beiden vergangenen Spielzeiten zusammen. Eisbären-Coach Clément Jodoin sagt: „In München war er siebter Verteidiger, hier kann er eine ganz andere Rolle ausfüllen, die ihm vom Typ her liegt.“ Zeitweise trug Kettemer sogar den roten Helm des Topscorers. „Ich finde, der steht mir ganz gut“, meint er schmunzelnd.

Man merkt dem gebürtigen Allgäuer an, mit wie viel Spaß er bei der Sache ist. Dabei hatte er schon mit dem Eishockey abgeschlossen. Nach Stationen in Augsburg, Mannheim und München hatte er nach dem dritten Titel dort keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Kettemer wollte die Schlittschuhe an den Nagel hängen und hatte sich bereits Pläne für die Zeit nach seiner aktiven Karriere zurechtgelegt. Künftig wollte er als Body-Mind-Spezialist arbeiten, eine Mischung aus Mental- und Fitnesstrainer.

Dazu wollte er sich mit Schwager Thomas Hertlein zusammentun, der zahlreiche Sportler, Schauspieler und Politiker betreut. Auch Kettemer selbst hatte in der Vergangenheit von seiner Expertise profitiert. Jahrelang hieß es, er sei zu schmächtig für den Profisport. Ob Proteinshakes oder nächtliche Spaghetti: Nichts davon half, um an Muskelmasse zuzulegen. Erst mit Hertleins Hilfe wurde er zu dem Spieler, der er heute ist.

„Ich mag die Stimmung in der Halle“

Diese Erfahrung hat Kettemer so sehr geprägt, dass er beruflich denselben Weg einschlagen wollte. Alles war schon vorbereitet und Kettemer scherzte noch, dass die Eisbären der einzige Verein wären, für den er seine Entscheidung noch einmal revidieren würde. Ein paar Tage später riefen die Berliner tatsächlich an.

„Ich mag den Klub, die Stadt und die Stimmung in der Halle“, sagt er. Früher musste er sich oft auf die Zunge beißen, um bei Auswärtsspielen in Berlin bei der Eisbären-Hymne nicht lauthals mitzusingen. Doch längst ist er auch in dieser Hinsicht ein Wortführer in der Mannschaft.