Laureus

Wie Eishockey Problemkindern bei der Integration hilft

Bei Kick on Ice erhalten Kinder und Jugendliche Chancen, die ihnen sonst wohl verwehrt blieben. Auch die Eisbären helfen mit.

Ola Källenius (6.v.l.), Vorstandsmitglied von Daimler, bei seinem Besuch in Berlin

Ola Källenius (6.v.l.), Vorstandsmitglied von Daimler, bei seinem Besuch in Berlin

Foto: Markus Gilliar/GES/Mercedes-Benz / BM

Berlin.  Im Prinzip stand der Sieger schon vorher fest. Natürlich wurde trotzdem gespielt, eine ganze Meisterrunde. Doch wer hätte anderes gewinnen sollen als die Glücksbärchen? Sie hatten sogar schon T-Shirts vorbereitet für das große Finale der Eisnächte. Urkunden, Medaillen, Kuchen, Sekt und einen Pokal gab es obendrein – das ganze Programm. Fast wie bei einem richtigen Meister.

Gewonnen haben die Glücksbärchen vergangene Woche im Wellblechpalast aber keine Eishockey-Saison in einer Liga. Sie wurden die Besten bei Kick on Ice. Zum Saisonabschluss schaute selbst der Mann vorbei, dessen Unternehmen quasi Pate steht für Kick on Ice. Sogar seine eigenen Schlittschuhe hatte Ola Källenius, Vorstandsmitglied bei Daimler, mitgebracht, um angemessen das Eis zu betreten.

„Wir sind seit 16 Jahren mit Mercedes bei Laureus als eines der Gründungsmitglieder dabei. Mit der Idee, dass wir durch Sport Kindern und Jugendlichen helfen wollen“, erzählt der Schwede. Um ihn herum wuseln dabei sieben Teams. Diejenigen, die nicht gewonnen haben, sehen nicht weniger glücklich aus. Kuchen ist für alle da.

Helm und Schläger von den Profis

Das Geld dafür kommt von der Laureus Sport for Good Stiftung, sie finanziert die Eisnächte von Kick on Ice. Daimler wollte sein Engagement bei Laureus erweitern, deshalb übernahmen im Vorjahr Vorstandsmitglieder Patenschaften für einzelne Projekte. Källenius ist Schwede. „Da hat man eine Affinität zum Eishockey“, sagt er.

Obwohl er selbst früher Basketball spielte. Aber in seinen Schlittschuhen macht er keine schlechte Figur, als er nach der Siegerehrung ein paar Runden auf dem Eis dreht. Dafür hat ihm Peter John Lee, der Manager des Profiteams des EHC Eisbären, schnell noch einen Schläger in die Hand gedrückt und Helm sowie Handschuhe aus der Kabine geholt.

Die Eisbären sorgten mit dafür, dass der Saisonabschluss im Sportforum stattfinden konnte. Sie mieteten den Wellblechpalast an. Ursprünglich entstand das Projekt Kick on Ice sogar mal in Zusammenarbeit mit dem Profiklub. „Ich finde es super, dass sich hier so viele Leute engagieren“, erzählt Lee.

Es geht bei Kick on Ice darum, junge Menschen anzusprechen; die positive Wirkung von Sport in Verbindung mit einer sozialpädagogischen Betreuung soll genutzt werden, um benachteilige oder gefährdete Jugendliche in sozialen Brennpunkten besser in die Gesellschaft zu integrieren. Teil des Konzepts ist es ebenso, bei „beruflichen oder schulischen Nöten zu helfen“, wie Helmut Heitmann sagt, Projektkoordinator bei der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit, die Kick on Ice organisiert.

Zwölf Eisnächte pro Saison

Ansätze dieser Art gibt es viele, die Verbindung mit dem Eishockey macht Kick on Ice speziell. Für diesen Sport genügt kein Ball. Eisflächen sind rar, die Ausrüstungen teuer. Eishockey kann nicht jeder einfach irgendwo spielen. So kommen bis zu 200 junge Leute zusammen, die in einer vereinsähnlichen Struktur einem interessanten Sport nachgehen können. Sogar mit Flüchtlingen war Kick schon on Ice.

Meist finden die zwölf Eisnächte pro Saison in der Paul-Heyse-Straße statt, sechs davon gehören dem Eishockey, zwei allein Mädchen, an den anderen werden Eisdiskos veranstaltet oder das Projekt stellt sich den Eltern vor. Eigentlich gibt es eine Alterseingrenzung bis 24 Jahre, doch die wird nicht so genau genommen.

„Einige sind älter, die können aber bleiben und müssen dafür Aufgaben und Vorbildfunktion übernehmen“, sagt Jan Kaminski, einer von zwei Projektleitern, der als Trainer auch bei den Eisbären Juniors in der Laufschule eingebunden ist. Bei Kick sorgt er dafür, dass die Moabiter Eisbrecher den Sieg der Glücksbärchen nicht zu selbstverständlich machen.