DEL

Bayerische Neulinge im Eishockeyfinale

Mit Red Bull als Sponsor schafft es der EHC München, sich zum Titelfavoriten in der DEL zu entwickeln. Der Gegner fürs Finale fehlt noch.

Jason Jaffray ist einer der Münchner Antreiber

Jason Jaffray ist einer der Münchner Antreiber

Foto: Marc Müller / dpa

München.  Zunächst kam die Raupe angekrochen. Auf Knien und sich an den Füßen haltend schob sich der Pulk der Münchner Spieler über das Eis. Auf den Rängen sangen die Fans wie noch nie: „Finale, oho!“ Der EHC Red Bull schrieb Klubgeschichte am Freitagabend im Olympia-Eisstadion. „Wir genießen den Moment“, sagte Frank Mauer breit grinsend. Mit seinem Tor kurz vor Schluss führte der Stürmer die Bayern zum ersten Mal in das Finale der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Sechs Jahre dauerte es damit vom Aufstieg bis in die Endspielserie. Mit dem Einstieg des potenten Geldgebers Red Bull vor drei Jahren entwickelte sich der EHC zum finanzstärksten Klub der Liga. Nun schlägt sich das auch auf dem Eis nieder. Schon die Hauptrunde beendeten die Münchner auf Platz eins, im Play-off werden sie jetzt ihrer Favoritenrolle gerecht. Nach dem 4:1 im Viertelfinale gegen die Straubing Tigers setzte sich der EHC im Halbfinale auch gegen die Kölner Haie mit 4:1 Siegen durch.

Der letzte Akt in der Vorschlussrunde verlief enger als die Serie gegen die Haie. Nachdem Dragan Umicevic 34 Sekunden vor Schluss zum 4:4 ausgeglichen hatte, schoss Mauer nur elf Sekunden später das 5:4 für München. „Es war ein ungeheurer Kraftakt“, sagte Matchwinner, „es war ein super Teamding, was wir durchgezogen haben.“

Köln verlängert mit Clouston

Dafür gibt es nun ein paar freie Tage, Zeit zum Erholen, sich neu zu sortieren. Bei den Haien haben sie gleich für die nächste Saison Entscheidungen getroffen: Der Vertrag von Trainer Cory Clouston (46), der im Januar den Schweden Niklas Sundblad beerbte, wurde um ein Jahr verlängert. Mit Clouston hatten es die Kölner geschafft, im Viertelfinale den favorisierten EHC Eisbären auszuschalten.

Als die Berliner ihre großen Erfolge feierten, stand Don Jackson (59) meist an der Bande. Inzwischen trainiert der US-Amerikaner die Münchner. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Alle Spieler haben ihren Teil zum Einzug ins Finale beigetragen“, so Jackson. Dass es am Ende ziemlich spannend wurde, erlebte der Coach so: „Wir haben uns alle angeschaut und gefragt: Ist das gerade wirklich passiert?“

Das könnten sich auch die Grizzlys Wolfsburg fragen. Mit 2:0 führten die Niedersachsen im fünften Duell mit den Nürnberg Ice Tigers, in der zweiten Verlängerung unterlagen sie dennoch 2:3. Nach drei Siegen in den ersten drei Partien verloren die Wolfsburger erneut nach einem Vorsprung, in Partie vier verspielten sie eine 3:0-Führung und unterlagen noch 4:5.

Langes Spiel in Wolfsburg

„Wir haben einmal mehr bewiesen, welch unglaublicher Charakter in dieser Mannschaft steckt“, sagte Patrick Reimer, nachdem er das neuntlängste Spiel der DEL-Geschichte nach 85:28 Minuten beendet und die Ice Tigers den zweiten Matchball in Folge abgewehrt hatten. Am Sonntag findet in Nürnberg Spiel sechs der „Best of seven“-Serie statt (14.30 Uhr, ServusTV).

Den Münchnern war es im spontanen Freudentaumel egal, gegen wen sie ab Freitag um den Meistertitel kämpfen werden. „Wir müssen fokussiert sein und füreinander spielen. Das reicht eigentlich schon“, erklärte Mauer selbstbewusst. „Wir haben uns das verdient. Es ist eine tolle Sache für die Fans, den Verein und die Stadt.“ Über seinen großen Moment beim alles entscheidenden Siegtor äußerte der Nationalspieler: „Ich habe einfach nur geschossen – und da war das Ding drin. Groß nachgedacht habe ich nicht.“