Eishockey-Finale

Don Jackson beherrscht die Kunst des Loslassens

Gegen Wolfsburg steht Münchens Trainer Don Jackson zum siebten Mal im Finale der DEL. Mit den Eisbären gewann er fünf Meisterschaften.

Don Jackson will mit RB München seinen sechsten DEL-Titel holen

Don Jackson will mit RB München seinen sechsten DEL-Titel holen

Foto: Marc Müller / dpa

Berlin.  Jahre wie das vergangene machen selbst einen wie Don Jackson menschlich. Vier Spiele im Play-off, vier Niederlagen, raus, Saisonende im Viertelfinale. Die große Enttäuschung. So was Ähnliches hatte der Trainer in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2010 schon einmal erlebt, als Favorit früh auszuscheiden. Er kann sich also durchaus in die Lage derjenigen versetzen, die Ziele nicht erreichen.

Bei Jackson sind Jahre wie das vergangene seltene Intermezzi. Am Freitag beginnt das Finale der DEL, mal wieder mit ihm, dem Trainer des EHC Red Bull München. Es ist schon der dritte Klub, mit dem er die Endspielserie erreicht hat – zum siebten Mal hat er eine Hand an der Trophäe. Fünfmal wurde er Meister in Deutschland, zwischendurch einmal in Österreich. Ist dieser Jackson doch ein Übermensch?

Keiner sammelte so viele Titel

Zumindest ist er ein ganz besonderer Trainer, keiner sammelte in der DEL bislang so viele Titel wie er. „Das liegt nur an den Spielern“, sagt der US-Amerikaner (59). Ein Geheimnis, erzählt er, hätte er nicht. „Ich helfe den Spielern nur, gebe ihnen Lösungen, wenn wir nicht gewinnen. Ansonsten kommt es darauf an, wie man zusammenarbeitet“, so Jackson.

Natürlich ließe sich der Grund für seine Erfolge im Geld suchen. Der frühere Verteidiger, der zweimal in der nordamerikanischen Profiliga NHL an der Seite des legendären Wayne Gretzky mit den Edmonton Oilers den Stanley Cup gewann, heuerte immer bei sehr gut ausgestatteten Klubs an. Zunächst in Düsseldorf, dann in Berlin bei den Eisbären, wo er fünf Meisterschaften feierte. Es folgte die Zwischenstation in Österreich bei Red Bull Salzburg und der konzerninterne Wechsel nach München. Doch Geld allein garantiert keine Titel, leidvoll zeugt der Eliteklub aus Mannheim davon, auch Köln und Hamburg verlieren im Vergleich zum Aufwand viel zu oft.

Jackson verliert selten, wenn es drauf ankommt. Zum einen hat das mit seinen fachlichen Qualitäten zu tun. Wenn er über die richtigen Profis verfügt, weiß er sie optimal einzusetzen. „Wir haben einen guten Mix an Spielern für alle Rollen“, sagt er über sein aktuelles Team. Die Defizite vom Saisonbeginn, als oft im letzten Drittel verloren wurde, konnten behoben werden. Mit Platz eins in der Hauptrunde sendete München ein Zeichen, das im Play-off noch einmal verstärkt wurde.

Nur zwei Niederlagen im Play-off

Im Viertel- und Halbfinale schlugen die Bayern Straubing und Köln jeweils mit 4:1 Siegen. Es sah leicht aus. „Ein Resultat sagt nicht, wie schwer oder leicht es war. Wir mussten hart arbeiten und unser Bestes geben“, erzählt Jackson. Im Finale heißt der Herausforderer Grizzlys Wolfsburg (19.30 Uhr, ServusTV). Deren Trainer, Pavel Gross, hat eine klare Meinung zu Jackson: „Er ist der beste Trainer der DEL.“ Das sagt er nicht nur, um nun dem Favoriten noch mehr Druck zu machen. Gross hat das schon früher öfter gesagt. Und mit seinem sehr ruhigen Gemüt scheint Jackson ohnehin unanfällig für Druck.

Manchmal wirkt der Trainer, als sei er abwesend, in Gedanken versunken. Im Kopf von Jackson dreht sich den ganzen Tag alles um Eishockey, trotzdem besitzt er eine Gabe, um die ihn andere beneiden. Jackson verfügt über einen ausgeprägten Instinkt, eine gewisse Bauernschläue, die sein Handeln von Zeit zu Zeit bestimmt. Dann lässt er los, übergibt seinen Spielern das Kommando. Seine Kunst ist es, nichts zu machen. In entscheidenden Situation weniger einzugreifen als andere.

Zuletzt 2006 ein Finale verloren

Wenn sich Trainer zu viel einmischen, besteht die Gefahr, dass eine Mannschaft ihre Selbstständigkeit verliert und sich zu sehr auf Hilfe von außen verlässt. Jackson bringt seine Teams an den Punkt, an dem sie in spielentscheidenden Szenen selbst die richtigen Entscheidungen treffen können. Daher rührt sein Erfolg. Dass Red Bull in München nun nichts anderes als den Titel erwartet, macht dem Trainer nichts aus. „Es vergeht kein Tag im Profisport, an dem du nicht gewinnen willst“, sagt er pragmatisch. Die Österreicher investieren viel Geld, machten den EHC vor drei Jahren vom Kellerkind zum Ligakrösus mit einem Etat von 12,5 Millionen Euro.

Damit gibt der EHC wesentlich mehr Geld aus als Wolfsburg (7,7). Dennoch waren es die Niedersachsen, die die Bayern im Vorjahr aus dem Wettbewerb schmissen. „Sie sind sehr gut vorbereitet“, sagt Don Jackson über den Gegner. Nach 2006 hat er keine Finalserie mehr verloren.