EHC Eisbären

Der Rekordmeister befindet sich noch in der Aufbauphase

Die sportliche Leitung der Eisbären erkennt mit dem Viertelfinal-Aus, dass die Entwicklung der Mannschaft unbedingt forciert werden muss.

Trainer Uwe Krupp wollte mehr mit den Eisbären erreichen

Trainer Uwe Krupp wollte mehr mit den Eisbären erreichen

Foto: O.Behrendt / contrastphoto

Berlin.  Am Mittag ging es in die nächste Runde. Ein paar Gedanken hatte sich jeder der Beteiligten bereits gemacht, aber dabei war noch nichts herausgekommen, was schon für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen wäre. Und beim gemeinsamen Treffen von Peter John Lee, Stefan Ustorf, Uwe Krupp und Marian Bazany standen ohnehin zunächst mehr organisatorische Dinge auf dem Plan. Wann ist Teammeeting, wann sind Einzelgespräche, wie sieht die Trainingsgestaltung für jeden einzelnen im Sommer aus?

Irgendwann spielt natürlich auch die vorerst wichtigste Frage die größte Rolle. Wer darf wiederkommen? Alles zusammen diskutiert mit anderen bedeutenden Punkten. Wo lagen die Gründe für das Scheitern des EHC Eisbären im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL)? Wer von den Spielern trug wie zu diesen Gründen bei? „Ich kann jetzt noch nichts sagen, dazu brauche ich mehr Zeit“, erzählt Ustorf, der Sportliche Leiter der Eisbären, bevor er in die Sitzung hetzt mit Trainer Krupp, dessen Assistenten Bazany und Manager Lee.

In der Hauptrunde eine Überraschung

Wenn die erste Enttäuschung verflogen ist, wird die Analyse wohl weniger krass ausfallen, als nach der Niederlage im siebten Spiel gegen die Kölner Haie am Ostermontag (2:3) denkbar wäre. „Wenn man ausgeschieden ist, hat man nicht das erreicht, was man wollte“, sagt Kapitän André Rankel. Die sportliche Leitung saß nach der Partie noch lange im Trainerzimmer zusammen, wortlos größtenteils. Am Morgen danach trafen sich alle erneut, etwas weniger desillusioniert schon. Köln spielte eine inkonstante Saison, gehörte anders als der EHC aber zu den Favoriten in einer engen Liga. Die Berliner zählten dafür zu den Überraschungen. In der Hauptrunde auf jeden Fall.

Zwar fällt die Jagd nach Punkten gerade hinten runter. „Über die Saison spricht jetzt keiner mehr“, so Krupp. Die Punkterunde darf dennoch nicht unterschlagen werden. Dort trat die Mannschaft nach zwei Jahren, die im hinteren Mittelfeld der Tabelle endeten, wieder erfolgreich auf. Behauptete sich in einem extrem umkämpften Umfeld und wurde Zweiter. Krupp, der seine erste komplette Saison mit den Eisbären absolvierte, brachte der Mannschaft wieder eine Mentalität bei, mit der man gut arbeiten kann. Er hob das Selbstbewusstsein der Spieler, half ihnen in ihrer individuellen Entwicklung weiter. Er trieb die Profis an, und er formte auch ein Team, in dem jeder für den anderen einsteht.

Auf dem richtigen Weg

Krupp weiß das, das Management ebenso. „Wenn wir irgendwann unser Fazit ziehen, wird man feststellen: Die Richtung stimmt“, sagt der Trainer. Auch der Kapitän empfindet es so: „Alles in allem haben wir einen Schritt nach vorn gemacht.“ Spielerisch waren die Berliner selbst gegen die Haie die Mannschaft, die mehr zu gefallen wusste. Doch im Play-off kommt es darauf nur bedingt an. Da muss das gesamte Team zulegen – wie es die Haie nach schwacher Hauptrunde taten.

Ihre Pflicht erledigten die Berliner sehr ordentlich, nur die Kür enthielt ein paar Fehler. Die Eisbären konnten im Play-off nicht die notwendige Steigerung vollbringen. „Man muss die Saison in zwei Abschnitte einteilen. Der erste war gut, der zweite nicht“, sagt Ustorf. Für Manager Lee macht das eines deutlich: „Das zeigt, wo etwas verbessert werden muss.“ Das Problem dürfte dabei vor allem bei den Profis zu suchen sein. Wenn es um alles geht, fehlt es manchem aus dem EHC-Team doch ein bisschen an Qualität.

Spielraum nach Abgängen

Spieler wie Travis Mulock (30) oder Julian Talbot (31), zwei langjährige Berliner mit einigen Verdiensten, halten die Entwicklung der Mannschaft inzwischen eher auf. Während Mulocks Vertrag ausläuft und er in Köln unterschrieben haben soll, bleibt Talbot wohl. Mark Bell (35) wird keine Zukunft beim EHC haben, genauso wenig wie Shuhei Kuji (28), das Missverständnis aus Japan, das im Play-off ohne Einsatz blieb. Solch eine Lizenz-Verschwendung dürfen sich die Eisbären nicht mehr leisten, wollen sie in der DEL weiter nach vorn kommen.

Krupp wollte das Abschneiden im Play-off nicht an Personen festmachen. „Ich glaube nicht, dass es was mit dem Zenit des Spielers zu tun hat“, so der Trainer. Auffällig war dennoch, dass manche Profis nicht mehr die Leistung früherer Jahre abrufen können. Barry Tallackson etwa blieb arg blass. Sein Vertrag läuft aus, doch während am Sonntag bei der Saisonabschlussveranstaltung der Eisbären bereits erste Spieler verabschiedet werden, gehört Tallackson nicht dazu. Verlassen werden dafür Henry Haase (Düsseldorf) und Petr Pohl (Ingolstadt) den EHC.

Saisonabschluss mit Fans am Sonntag

Damit ist eines klar. „Wir haben einigen Spielraum. Es wird Veränderungen geben“, so Lee. Derzeit denken die Eisbären darüber nach, Mark Olver und Milan Jurcina, deren Verträge auslaufen, länger zu binden. Sie würden gut zu den Plänen passen, die entfernt an die frühe Zeit unter Pierre Pagé erinnern. In den beiden Vorjahren holten die Berliner Spieler wie Marcel Noebels oder den verletzten Verteidiger Bruno Gervais, mit denen sie Jahr für Jahr etwas besser wurden. Noch immer stecken die Eisbären in dieser Aufbauphase. Es kommt nun darauf an, die frei werdenden Plätze genauso klug zu vergeben wie einst. Dann kann die Entwicklung vorangetrieben werden.

Ein Zugang soll der Iserlohner Torjäger Nicholas Petersen (26) sein. Reden wollen die Berliner darüber noch nicht. Zunächst finden bis Freitag die Gespräche mit den hiesigen Spielern statt. Nächste Woche erst beschäftigt sich die sportliche Leitung mit Details.