In den Katakomben der Kölner Arena fiel sofort die Frisur auf. Oben alles wie immer, an den Seiten aber komplett kurz geschoren, so stapfte Laurin Braun aus der Kabine. Er hatte gar kein großes Interesse an dieser Variante, aber als sein Bruder Constantin die Freundin fragte und die ihr Okay gab, wurde der Druck einfach zu groß. Zumal Petr Pohl in Köln eben mal kurz und ungefragt beim Frisör eine kleine Umgestaltung vornehmen ließ. Also marschierte Laurin einen Tag vor dem zweiten Viertelfinalspiel gegen die Haie ebenfalls zum Coiffeur. Jetzt sind es schon vier Profis beim EHC Eisbären, die einem Irokesen ähneln.

Angefangen hatte alles am Dienstag. Milan Jurcina dachte unmittelbar vor dem ersten Play-off-Spiel der Berliner in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), dass etwas Besonderes wie ein neuer Haarschnitt schon etwas hermachen würde. Play-off-Bart kann schließlich jeder. „Das müssen nicht alle tun, aber es ist ein Zeichen“, sagt Laurin Braun, der nun aussieht wie ein echter Kämpfer. Constantin zog gleich am Dienstag noch nach, postete anschließend Fotos mit dem Slowaken Jurcina und der Ankündigung, bereit für das Play-off zu sein. Im Spiel drängte sich der Eindruck noch nicht auf, die Berliner verloren 0:3.

Erst verweigert, dann frisiert

Laurin hatte da noch verweigert, sich anzuschließen. Überhaupt stand er ein wenig außerhalb, durfte nicht auflaufen in Spiel eins, musste trotz Einsatzbereitschaft von der Tribüne aus zusehen. Dann folgte, was emotional bei vielen für eine ganze Saison reicht: Rein ins Team, gute Leistung, auf die Strafbank verbannt zu Beginn der Verlängerung, also kurz davor, ein tragischer Held zu werden, runter von der Strafbank und direkt den einzigen und goldenen Treffer zum 1:0 und Serienausgleich geschossen. „Das war bis jetzt das wichtigste Tor meiner Karriere“, sagt der 25-Jährige, der immerhin schon vier Titel mit den Eisbären gewonnen hat. Und fährt sich durch das verbliebene Haupthaar.

Es war wieder ein sehr enges Spiel gegen die Haie. Eines, in dem sich die Berliner oft Vorteile erarbeiteten, diese aber nicht nutzten. „Wir waren bissiger, härter und haben uns gegen die Kölner gestellt“, erzählt Braun. Sie haben die Zweikämpfe angenommen – und auch die Kämpfe. Gemeinsam versuchten sie ab und zu, selbst mit den Fäusten Eindruck zu machen. Also in jeder Hinsicht geschlossen aufzutreten. „Wir haben mit viel Energie gespielt, mit viel Durchschlagskraft und haben uns gesteigert gegenüber dem ersten Spiel“, befand Trainer Uwe Krupp. Den wichtigsten Unterschied aber machte Braun, der nach 122 Minuten ohne Berliner Treffer das erste Play-off-Tor der Saison für den EHC erzielte, der den Kölner Abwehrriegel in der dritten Minute der Verlängerung endlich überwinden konnte.

Von der Strafbank ins Glück

Von der Strafbank zurück auf dem Eis sah Braun, wie Mark Olver sich ein Duell mit dem Kölner Verteidiger Alexander Sulzer lieferte. Dann kam der Puck zu ihm. „Der Schuss halbhoch links sitzt eigentlich immer. Den kann ich“, so Braun. Nur setzt er ihn selten ein. Es war insgesamt erst der dritte Treffer für ihn in dieser Saison, nicht viel für einen Stürmer. Sein erstes Tor glückte ihm zudem erst spät, am 34. Spieltag, dafür aber gegen Köln beim 3:1 in Berlin. „Ich habe mir das aufgehoben“, sagt er. So ein Satz geht jetzt natürlich leicht über die Lippen, doch die geringe Torgefahr, die bislang von ihm ausging, trug einen kleinen Teil dazu bei, dass Laurin Braun in der ersten Viertelfinalpartie fehlte. Sven Ziegler (21), der da stattdessen auflief, zeigte sich mit neun Treffern in dieser Saison verlässlicher.

Nun fiel Ziegler verletzt aus, so wie Braun in den letzten beiden Hauptrundenspielen bei den Siegen gegen Nürnberg und Mannheim mit Fieber hatte passen müssen. Braun: „Deswegen war mir bewusst, dass ich nicht spielen würde. Du gewinnst zweimal. Was willst du da ändern?“ Frust habe sich bei ihm dennoch nicht angestaut. „Das ist im Play-off das Falsche“, erzählt Braun gelassen: „Du versuchst einfach, dein Ding weiterzumachen, alles zu geben und für die Mannschaft zu arbeiten.“ Krupp schätzt das an ihm, seine Einstellung, sein Engagement.

Für Spiel drei ist Braun gesetzt

Laurin Braun ist einer, der immer rackert, der keinen Puck verloren gibt, sich in jedes Duell wirft, als wäre es das wichtigste im ganzen Spiel. „Er ist ein Junge, der immer seinen Job macht“, sagt Krupp. Im dritten Spiel der „Best of seven“-Serie am Sonntag in Berlin erhält er wieder die Chance dazu, so viel steht schon fest (14.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena).

Genauso kann es ihn später aber auch wieder treffen, dass er zuschauen muss. „Wir haben eine gewisse Rotation, die wir durchhalten wollen“, erzählt der Trainer und geht dabei von einem noch langen Play-off aus. Wie die Haie „zu knacken sind, haben wir jetzt gesehen“, sagt Laurin Braun, der in Köln seinen erst zweiten Play-off-Treffer der Karriere erzielte. Sollten sich die Eisbären gegen die Kölner durchsetzen, ist für ihn schon der nächste Friseurtermin fällig. Dann wird gefärbt. „Ich hoffe, dass ich mir das aussuchen kann“, sagt er. Silber soll es werden. Sein Bruder und Milan Jurcina müssten auch mitmachen.