Eisbären gegen Köln

Alexander Weiß und das Versprechen für die Zukunft

Der Haie-Stürmer und Ex-Eisbären-Profi will noch einmal mit Bruder Daniel zusammenspielen. Zunächst steht aber Spiel zwei auf dem Plan.

Ein Bild aus früheren Tagen: Daniel Weiß im Trikot der Eisbären und Alexander Weiß (r.) als Kölner. Das war im Viertelfinale 2012

Ein Bild aus früheren Tagen: Daniel Weiß im Trikot der Eisbären und Alexander Weiß (r.) als Kölner. Das war im Viertelfinale 2012

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Oft bringen einen diese kurzen Interviews mit meist flachen Kommentaren während der Spiele nicht weiter. Aber es entsteht schon das Gefühl, ziemlich nah dran zu sein, wenn während der kleinen Unterbrechungen beim Eishockey gleich ein Spieler ein paar Dinge zur laufenden Partie sagt. In der ersten Begegnung zwischen dem EHC Eisbären und den Kölner Haien wurde Alexander Weiß befragt, ganz schnell sollte der Kölner Stürmer ein paar Worte zu seiner Berliner Vergangenheit sagen. Was er vorhabe mit den Haien, erzählte er im ersten Drittel, werde den Eisbären nicht gefallen. Weiß behielt Recht, Köln gewann 3:0 in Berlin. Den letzten Treffer besorgte er selbst.

Neun Jahre spielte der Angreifer bei den Eisbären, da gewinnen solche Wiedersehen schnell eine besondere Bedeutung. Normalerweise zumindest, die Kontakte in die Vergangenheit sind ja noch intakt. Doch im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verschieben sich die Prioritäten. „In dieser Phase der Saison hat man nicht viele Freunde“, sagt Weiß. Da konzentriert sich jeder auf sich selbst. Das macht bei den Haien gerade auch viel Spaß.

Mehr Struktur und freier Kopf

Um an diesen Punkt zu gelangen, brauchte es einige Zeit. Die Saison verlief, gelinde gesagt, holprig. „Am Anfang war es relativ in Ordnung, wir haben gutes Eishockey gespielt, dann kam der Bruch, wo nicht mehr viel zusammenlief“, so Weiß. Das kostete Trainer Niklas Sundblad den Job. „Mit dem Trainerwechsel haben wir wieder strukturierter und vom Kopf her befreiter gearbeitet“, sagt der Stürmer. Dennoch mussten die Rheinländer ins Pre-Play-off, wo sie sich in drei Spielen gegen Titelverteidiger Mannheim durchsetzten.

Es wurde mehr erwartet als Platz sieben nach der Hauptrunde, zumal Köln einer der finanzstärksten Klubs ist. Dem Umweg kann Weiß trotzdem etwas abgewinnen: „Es hat uns gut getan, diese drei Spiele im Pre-Play-off noch zu spielen. Die geben uns Selbstvertrauen und zeigen, was wir eigentlich für eine gute Mannschaft haben.“ Das zweite Spiel der „Best of seven“-Serie am Freitag in Köln gehen die Haie entsprechend selbstbewusst an.

Frischer Wind in der Kabine

Trainer Cory Clouston verpasste den Haien neuen Biss, nachdem sich unter den Vorgängern Uwe Krupp und Sundblad Routine breitgemacht hatte. „Ich bin seit fünf Jahren in Köln, unter Krupp und Sundblad haben wir immer dasselbe System und Training erlebt. Ein neuer Trainer macht neue Sachen, hat eine neue Philosophie. Gerade den Jungs, die länger hier sind, tat das gut, mal eine neue Stimme in der Kabine zu haben“, so Weiß, der mit dem jetzigen Eisbären-Coach Krupp 2012 und 2013 jeweils im Finale stand.

Krupp holte Weiß einst nach Köln, für den Angreifer war das damals ein großer Schritt. „So ein Wechsel prägt einen von der ganzen Lebenssituation. Man muss ein komplett neues Leben starten, das habe ich ganz gut geschafft. Ein neues Umfeld tut jedem mal gut, in Berlin war alles schon sehr eingefahren.“ In Köln entwickelte er sich zu dem festen Faktor im Team, der er beim EHC nur selten war. In der Hauptrunde erzielte Weiß mit 16 Treffern die zweitmeisten Tor bei den Haien. Und er sagte etwas: „Ich übernehme mehr Verantwortung, in dem ich meine Klappe auch mal ein bisschen aufmachen. Das habe ich diese Saison geändert.“

Sieben Jahre mit Daniel in Berlin

Mit den Eisbären gewann Alexander Weiß vier Meisterschaften, mit Köln soll nun die fünfte folgen. Es sieht so aus, als würde es ihn danach anderswo hinziehen, Wolfsburg ist im Gespräch. Eines bekommt für die Zukunft allerdings Priorität. Vergangenes Jahr verstarb sein Vater. Dem haben er und sein Bruder Daniel (26, zuletzt Augsburg, bei Düsseldorf im Gespräch) versprochen, noch einmal zusammen in einem Team zu spielen. In zwei, drei Jahren wollen sie das angehen. In Berlin spielten beide sieben Jahre Seite an Seite.