Eishockey

Bei den Eisbären spielt jetzt die Vergangenheit mit

Im Viertelfinale gegen die Kölner Haie kann Eisbären-Trainer Uwe Krupp unschöne Erlebnisse aus der Domstadt verarbeiten.

Foto: imago/mika

Berlin.  Einen kleinen Moment wirkt Uwe Krupp (50) erschrocken. Hatte er wirklich gerade etwas gesagt? Oder anders formuliert: Hatte er tatsächlich mehr von sich gegeben als nur ein paar nette Sprüche?

Wenn, dann wäre ihm das unbewusst passiert. Denn die Zeiten, zumindest beim Trainer des EHC Eisbären, eignen sich nicht besonders gut für viele Worte. Im Play-off zählt nur harte Arbeit. Gerede ist beliebig.

Dabei gebe es so viel zu erzählen. Endlich Play-off in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), endlich wieder Viertelfinale nach zwei Jahren des nur Zusehens für die Eisbären.

Den Berlinern gegenüber stehen ab Dienstag (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) in der Serie über maximal sieben Spiele die Kölner Haie. Das Team aus Krupps Heimatstadt, sein Ex-Klub als Spieler und Trainer. So viele Geschichten.

„Das ist eine gute Mannschaft, personell sehr stark“

Lange lässt die erste Frage danach nicht auf sich warten bei der kleinen Runde zum Start in das Play-off. Krupp lenkt sofort zum Sportlichen: „Wir wussten, dass egal wer sich durchsetzt im Pre-Play-off, es eine starke Mannschaft sein wird.“

Interessant, aber etwas in die andere Richtung. Der zweite Versuch: Köln, die persönliche Ebene bitte? „Das ist eine gute Mannschaft, personell sehr stark, talentiert“, sagt Krupp. Er bemüht sich, der Vergangenheit auszuweichen.

Doch da kommt auch einer wie er kaum dran vorbei. In Köln wurde Uwe Krupp geboren, fing bei den Haien mit dem Eishockeyspielen an. Bevor der Verteidiger nach Nordamerika ging und sich dort um ersten deutschen Stanley-Cup-Sieger in der NHL aufschwang, feierte er seine ersten beiden Meistertitel 1984 und 1986 mit den Haien.

Nach der Nordamerika-Karriere kehrte er als Bundestrainer nach Deutschland zurück, lebte wieder in Köln, übernahm 2011 die Haie und sollte den finanziell angeschlagenen Klub ebenso wie zuvor die Nationalmannschaft wieder in bessere Zeiten führen.

Die Lichtgestalt wurde mal eben in den Schatten gestellt

Krupp, die Lichtgestalt, tat genau das, was von ihm erwartet wurde. Die Haie steigern sich, stehen 2013 im Finale. Gegen die Eisbären unterliegen sie. Ein Jahr später erreichen sie erneut die Endspielserie, unterliegen diesmal Ingolstadt.

Der letzte Schritt, der wollte Krupp in Köln nicht auf Anhieb gelingen. Aber seine Arbeit deshalb in Zweifel ziehen? Geschäftsführer Peter Schönberger tat das, als die Saison 2014/15 nicht gut begann. „Das sind zwar Fakten, die stehen aber im Hintergrund“, sagt Krupp. Den vierten Versuch nach einem persönlichen Wort zur Viertelfinal-Konstellation wehrt er nicht mehr ab. Doch er versucht, alles in einer „Längst-vorbei-Stimmung“ zu halten.

Natürlich liegt alles schon etwas zurück, doch um alles abzutun, ist wohl zu viel vorgefallen. Trainer werden gefeuert, wenn die Leistung nicht stimmt. Das ist normal. Und auch Uwe Krupp war immer klar, dass für ihn da keine Ausnahmen gelten. Nicht mal in Köln.

Handschlag angeblich verweigert

Die Art und Weise der Trennung tat aber weh. In der Nacht rausgeschmissen, danach persönlich zu nehmende Vorwürfe in der Öffentlichkeit. Krupps Expertise bei der Kaderplanung wurde in Frage gestellt und in Vergleich zu Nachfolger Niklas Sundblad gesetzt. Haie-Chef Schönberger warf Krupp auch vor, ein schlechter Verlierer zu sein und Gegnern schon mal den Handschlag zu verweigern. Uwe Krupp reagierte mit einer einstweiligen Verfügung.

Genug Stoff, um mehr als den ohnehin üblichen Ehrgeiz zu entwickeln. Zumal nicht nur Krupp selbst sich angegriffen fühlte. Für sein privates Umfeld in Köln war es fast noch schwieriger, damit umzugehen. Für viele sei das „vom Gefühl her mehr als nur ein Job“ gewesen, sagte er mal.

Doch der Trainer der Eisbären möchte nun jeden Anschein vermeiden, noch in irgendeiner Weise dem Eindruck dieser Dinge zu unterliegen. Am liebsten würde er die Kölner Zeit so zusammenfassen: „Wenn der Berliner Bus auf dem Weg vom Hotel zur Halle kaputt gehen würde, dann wüsste ich, wie wir zur Halle kommen.“ Kurzes Schmunzeln in der Runde. Ist es wirklich so einfach?

„Die Spieler dort gehen mit gutem Gefühl in das Play-off“

Natürlich kann sich Krupp gewissermaßen auch rehabilitieren. Er kann zeigen, dass seine Mittel so effizient sind, um eine finanziell sogar etwas besser ausgestattete Kölner Mannschaft mit den Eisbären zu schlagen.

Sundblad hat aus den Möglichkeit bei den Haien gar nichts gemacht und wurde nach dem Verpassen des Play-off der Vorsaison im Januar durch Cory Clouston ersetzt. „Es ist von außen schwer zu beurteilen, warum es so gelaufen ist“, sagt Krupp. Unter Clouston stabilisierten sich die Haie aber. „Die Spieler dort gehen mit einem guten Gefühl in das Play-off“, so Krupp. Vor ihm liegt eine schwere Aufgabe.

Die will Krupp ohne großes Getöse angehen. „Wir haben Köln analysiert und glauben, dass wir gut eingestellt sind“, sagt der Trainer, der mit einem Sieg in der Serie seinen Frieden mit seiner jüngsten Kölner Vergangenheit machen könnte. Nur sagen würde er das niemals.