Eishockey

Darin und Mark Olver: „Berlin ist unser Zuhause“

Bei den Eisbären sind Darin und Mark Olver erstmals in einem Team vereint. Nun soll der erste gemeinsame Titel der Brüder folgen.

Foto: Massimo Rodari

Berlin.  Manchmal scheint es im Sport nicht nur um Zahlen und Daten zu gehen, manchmal steckt einfach mehr dahinter. Da bieten sich Gelegenheiten, die sich nur selten ergeben.

Im Oktober 2015 zum Beispiel, da suchte Mark Olver (28) einen neuen Klub. Der EHC Eisbären holte ihn in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und führte damit eine Familie zusammen, erfüllte einen lang gehegten Wunsch. Denn in Berlin spielt seit 2011 Marks Bruder Darin (31).

Der sorgte als Topscorer mit dafür, dass die Eisbären am Dienstag als Zweiter der Punkterunde in das Viertelfinale starten. Mark überzeugte mit physischer Präsenz und Dynamik. Die Morgenpost sprach mit den Brüdern über deutsche Wurzeln und eine Kindheit voller Eishockey.

Berliner Morgenpost : Darin, Mark, noch liegt Weihnachten nicht lange zurück, aber das jüngste Fest werden Sie sicher nicht so schnell vergessen, oder?

Mark Olver: Ja, das war wirklich schön. Unsere Eltern waren da, unsere Schwester und ihr Mann, und alle haben mit Darins Familie und mit mir sowie meiner Freundin gefeiert. Ein ganz besonderer Moment.
Darin Olver: Bei meinem Vater passte es wegen der Arbeit in der Vergangenheit nie gut, bei meiner Schwester auch nicht. Und ich glaube, wenn Mark nicht hier gespielt hätte, wäre es wohl auch diesmal nicht so gekommen. Alle haben erkannt, was für eine seltene Gelegenheit das ist nach zwölf oder 13 Jahren.

Sie treffen sich nach so langer Zeit mal wieder alle an Weihnachten, dazu in Berlin. Und Sie haben auch noch deutsche Wurzeln. Ein schöner Zufall.

Darin Olver : Von der Seite meiner Mutter aus haben wir eine deutsche Herkunft. Aber das spielte früher keine große Rolle. Als ich nach Deutschland kam, suchte ich den Kontakt zu ein paar Cousins und Onkels, die noch hier leben. Das tat gut, wir stehen auch weiter in Verbindung.

Hätten Sie einst gedacht, dass sich diese deutschen Wurzeln irgendwann auszahlen könnten für ihre Karriere?

Darin Olver : Für mich erwies sich das als eine Möglichkeit, um Eishockey zu spielen. Als ich 2007 nach Bremerhaven kam, erhielt ich meinen deutschen Pass. Lange bleiben wollte ich nicht. Schon gar nicht hatte ich erwartet, meine ganze Karriere hier zu verbringen. Für mich bedeutet der Pass aber nicht nur eine bessere Chance, in der DEL zu spielen. Es kann doch nur gut sein, eine zweite Staatsbürgerschaft zu besitzen, gerade bei so einem Land wie Deutschland, das so einen hohen Lebensstandard hat, so stabil ist und wirtschaftlich stark.
Mark Olver:
Meinen Pass bekam ich gleichzeitig mit Darin, da bin ich noch zur Schule gegangen. Als Darin nach Deutschland wechselte, fragte ich mich vor allem, ob wir je in einem Team spielen würden. Aber ich dachte nicht daran, was mir der Pass nützen könnte. Jetzt war es einfach cool, diese Möglichkeit zu haben und in dieser Mannschaft mit ihm zu spielen.

„Ich hatte gehofft, dass sich unsere Wege irgendwann mal kreuzen“

Wie sehr trugen Sie das mit sich herum, mal in einem Team zu spielen?

Mark Olver : Das ging mir immer durch den Kopf.
Darin Olver:
Ich hatte gehofft, dass sich unsere Wege irgendwann mal kreuzen. Früher war das durch den Altersunterschied nicht möglich. Später glaubte ich schon, dass er mal nach Europa kommen und vielleicht seinen deutschen Pass nutzen würde.

Holen Sie jetzt etwas Familienleben nach?

Mark Olver: Auf jeden Fall. Wir verbringen viel Zeit miteinander, in der Halle oder beim Essen. Wenn man seine Familie nicht so oft sehen kann, wie man möchte, ist das schon blöd. Jetzt arbeiten wir zusammen. Das ist echt cool. Darin wohnt eine Etage unter mir, ein 15-Sekunden-Spaziergang – ich genieße das.

Ihre Wege trennten sich durch das Eishockey schon in jungen Jahren. Wie war Ihre Beziehung früher?

Mark Olver: Gut, wir wollten immer das Beste für den anderen, haben immer unsere Statistiken angeschaut und uns gegenseitig Mut gemacht. Wir waren immer auf der Seite des anderen.

Ihr Vater kommt aus dem Eishockey. Wir sehr hat sie das geprägt?

Darin Olver: Er hat auf vielen verschiedenen Ebenen gearbeitet, als Trainer und Manager in vielen Ligen von den Junioren über das College bis zur AHL, die gleich nach der NHL kommt. Wir verbrachten jeden Tag in der Eishalle, vom Aufstehen morgens bis wir abends ins Bett mussten.
Mark Olver:
Wir mussten uns nie Gedanken um Eiszeit machen, wir hatten immer die passende Ausrüstung, immer war alles für uns da. Wir haben eine Menge davon profitiert.

War es manchmal auch hart, einen solchen Eishockey-Vater zu haben?

Darin Olver : Er hat nie etwas beschönigt oder uns gesagt, was wir hören wollten, nur weil wir seine Kinder waren. Er sagte das, was uns half, er wollte uns zu besseren Spielern machen, ohne dabei unsere Gefühle zu verletzten.
Mark Olver:
Meistens war es aber positiv.

Wenn Sie sich heute wiedersehen, so wie an Weihnachten, wenn er Spiele anschaut, sagt er dann noch immer, was sie besser machen können?

Darin Olver : Darüber sind wir inzwischen hinaus. Er genießt es einfach, uns spielen zu sehen. Da gibt es keine Kritik mehr oder so etwas.

„Ich kann mich kaum erinnern, in wie vielen verschiedenen Häusern wir lebten“

Mit Jobs im Eishockey kommt man viel rum. Wie war das früher als Kinder bei Ihnen? Wohin führte Sie ihr Vater?

Darin Olver : Ich kann mich kaum erinnern, in wie vielen verschiedenen Häusern wir lebten. In Kanada wohnten wir an sieben oder acht verschiedenen Orten. Dann zogen wir nach Kalifornien, nach Washington, nach Idaho.

Sie wissen es also zu schätzen, inzwischen seit gut fünf Jahren in Berlin zu leben?

Darin Olver : Für uns ist Berlin unser Zuhause. Wir haben auch ein Haus in den USA, wo wir im Sommer sind, aber das hier in Berlin ist unser Zuhause.

Sie spielen jetzt endlich mit ihrem Bruder in einer Mannschaft, aber nicht in einer Reihe. Wäre das noch ein Ziel?

Mark Olver : Ich denke, das brauchen wir nicht mehr. Wir sind in einer Mannschaft, das reicht. Wir sind auch beide mehr Mittelstürmer, so dass es für das Team besser so ist, wie wir jetzt spielen.

Obwohl Sie die gleiche Position bekleiden, füllen sie die anders aus. Darin mit mehr kunstvollem Spiel, Mark mit mehr Körpereinsatz. Wie verschieden sind Sie?

Mark Olver : Wir haben einfach verschiedene Arten zu spielen. Das ist aber nicht besser oder schlechter. Wir sehen uns da auch nicht in Konkurrenz.
Darin Olver:
Mark ist abgebrühter, intensiver, geht mehr zur Sache, ist unangenehm für Gegenspieler, fieser ist er auch. Ich bin nicht so kräftig wie er, ich kann nicht so in die Ecken gehen. Ich muss klüger spielen. Aber wir laufen ähnlich, bewegen den Puck ähnlich und können beide das Spiel gestalten.

Und weg vom Eis, wie sieht es da aus?

Mark Olver : Fernsehen, Serien, Essen – wir mögen da überall schon dieselben Dinge.
Darin Olver:
Wir sind uns ganz ähnlich, unser Humor ist ziemlich sarkastisch.

Sie hatten sehr unterschiedliche Karrieren bislang. Darin wurde einst hoch gedraftet für die NHL, ging aber nach Deutschland in die zweite Liga und kämpfte sich nach oben. Mark wurde nicht so hoch gedraftet, spielte aber in der NHL, in Russland, in der Schweiz. Wie erklärt sich so etwas?

Darin Olver: Nicht immer läuft alles so, wie man es gern hätte. Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell und zu verschiedenen Zeiten weiter. Das gilt für den Körper und für den Kopf.
Mark Olver:
Das ist eine schwierige Frage. Jeder musste seinen Weg gehen. Darin hat hier in Berlin zwei Titel gewonnen, ich habe bisher nicht mal an einem gerochen. Jetzt haben wir die Chance, vor allem aber haben wir ein gutes Team.
Darin Olver: Das war auch ein Grund, warum Mark hierhergekommen ist. Die Möglichkeit, um Titel zu spielen. Ich freue mich für ihn, dass es so ist. Mit ihm in der Mannschaft sind unsere Chancen besser geworden.

Wäre es vorstellbar, dass Sie beide mehr als nur eine Saison in einer Mannschaft spielen?

Mark Olver : Mal sehen, wie sich das im Sommer anlässt. Ich würde natürlich gern zurückkehren, aber mit so etwas lenke ich mich im Play-off nicht ab. Jetzt zählt nur das Team.
Darin Olver:
Also ich bleibe auf jeden Fall.