DEL

Das deutsche Eishockey befindet sich auf der Überholspur

Die Eishockeyliga wächst und wächst, mit der Deutschen Telekom als neuem Medienpartner steigt das Potenzial der DEL noch weiter an.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hundt/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Es klingt nach dem ganz normalen Geschäft. Der Klub mit dem meisten Geld, Red Bull München, steht ganz oben nach der Hauptrunde. Es folgt der Zuschauermagnet der Liga, der EHC Eisbären mit 13021 Besuchern pro Partie.

Doch direkt dahinter geht es schon los, die Iserlohn Roosters gehören weder zu den reichen noch zu den großen Akteuren, trotzdem schlossen sie die Punkteserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als Dritter ab.

Am Seilersee genießen sie im Viertelfinale nun Heimrecht, während sich der Titelverteidiger Adler Mannheim mit den Kölner Haien und deren extrem teuren Team im Pre-Play-off noch um einen Viertelfinalplatz streitet.

Siebter zu werden, das galt in Köln nicht als Option, genauso wenig Platz zehn in Mannheim. „Das könnte das Finale sein“, sagt Eisbären-Trainer Uwe Krupp zu diesem Duell, das am Mittwoch startet.

Jetzt ist es nur ein Hoffnungslauf, einer der zeigt, dass die DEL unberechenbar geworden ist. „Die sportliche Ausgeglichenheit ist inzwischen phänomenal“, sagt Liga-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Zwischen Platz eins und fünf lagen nach 52 Spieltagen nur sieben Zähler. Nur ein einziges Mal in der DEL-Geschichte war der Abstand geringer, das liegt aber schon fast 20 Jahre zurück.

Zuschauerrekord: 6647 Fans pro Spiel

Auch der Rest ist nicht weit entfernt von der Spitze, das schürt Spannung. Und die äußert sich im fünften Hauptrunden-Zuschauerrekord in Folge. Pro Spiel kamen 6647 Besucher in die Arenen, über 200 mehr als im Vorjahr. Mehr sogar als vor zwei Spielzeiten, als mit 6571 Besuchern ein Rekord für Hauptrunde und Play-off zusammen aufgestellt worden ist. „Das sind tolle Zahlen“, sagt Tripcke.

Hält die prächtige Entwicklung an, könnte die boomende DEL in der nächsten Saison sogar die dritte Fußballliga (6823) übertrumpfen und damit nach den beiden Fußball-Bundesligen Platz drei in der Zuschauergunst erobern – weit vor Handball-Bundesliga (4930) und Basketball-Bundesliga (4326).

„Dass wir den Durchschnittswert fast erreicht haben, obwohl wir mehr Spiele haben, zeigt, welche Wertigkeit Eishockey hat“, so der DEL-Chef. Er betrachtet das auch als gutes Beispiel dafür, welche Wertigkeit das Eishockey bei den großen Fernsehsendern haben sollte: „Das Zuschauer-Interesse ist ja offensichtlich da.“ Moderne, viele davon große Arenen, Familienfreundlichkeit sowie Resultate, die kaum vorhersehbar sind, machen die DEL zu einem attraktiven Paket.

So empfindet das auch die Deutsche Telekom, die sich gerade die Medienrechte der DEL sicherte und damit ServusTV ablöst. Dort lief bislang ein Livespiel pro Woche, zudem zeigte Laola1.TV eine weitere Partie im Internet. Mit der Telekom als Partner steigt das Angebot. „Zum einen werden alle Spiele live übertragen. Zum anderen stehen von allen Spielen tolle Bilder zur Zweit- und Nachverwertung zur Verfügung. Das wird uns wieder einen Schritt weiter bringen“, sagt Tripcke. Er rechnet ebenso damit, dass die Zuschauerzahlen im Free-TV wachsen.

Ein Livespiel pro Woche im Free-TV

Spruchreif ist diesbezüglich noch nichts, doch ein Spiel pro Woche wird weiterhin live im Free-TV zu sehen sein. Als Lizenznehmer von DEL und Telekom kommen mehrere Sender wie ServusTV, Sport1, Eurosport oder Pro7Maxx in Frage. „Das ist eher ein Luxusproblem“, beschreibt Tripcke die Verhandlungen. Bis zum Saisonende soll der Free-TV-Partner feststehen.

Für vier Jahre sicherte sich die Telekom die Rechte, zahlte dafür rund vier Millionen Euro und damit etwas mehr als Servus zuvor. Alle Spiele werden künftig von der Telekom auf dem gleichen Niveau wie bisher produziert und in HD über das TV-Angebot Entertain sowie online, über Mobilfunk, Smart TVs und Streamingdienste zu sehen sein.

Kunden des Unternehmens können alle Partien kostenfrei verfolgen – fast ein Viertel aller deutschen Haushalte werden von der Telekom erreicht. Wer kein Kunde ist, kann die Spiele kaufen. Wohl ab zehn Euro pro Monat wie im Basketball, wo die Telekom seit dieser Saison die Rechte hält.

Für die Liga ist das ein Fortschritt, denn über das klassische Bezahl-Fernsehen geht das Telekom-Modell weit hinaus. Wobei die mögliche Aufstückelung des Spieltags unter Einbeziehung des Sonnabends zur besseren TV-Verträglichkeit für die Fans zunächst auch gewöhnungsbedürftig sein würde. Das ist Gegenstand aktueller Beratungen.

Auf- und Abstieg wird besprochen

Ende März bespricht die DEL mit der ebenso prosperierenden DEL2 auch, wie es mit dem Thema des Auf- und Abstiegs weitergeht. Mindestens sechs Klubs aus der DEL2 müssten die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen erfüllen, damit ab der Saison 2017/18 der Übergang wieder Standard wird. „Es hat sich viel getan in der DEL2, aber es ist immer noch ein großer Sprung“, sagt Tripcke.

Spitzenetats in Liga zwei sind halb so hoch wie die niedrigsten Budgets in der ersten Liga, die mit ihren nur 14 Klubs sogar einen deutlich höheren Umsatz (107,4 Millionen Euro in 2014/15) verbucht als die 18-er Ligen BBL (Basketball/97,8 Mio.) und HBL (Handball/96,1 Mio.). Tripcke ist sich sicher, dass Auf- und Abstieg kommen werden, vielleicht aber muss das auch noch etwas verschoben werden.