EHC Eisbären

Darin Olver: „Möchte nicht Mittelmaß sein, sondern Bester“

Darin Olver galt lange als schwieriger Charakter, inzwischen ist er bei den Eisbären aber zum echten Vorzeigeprofi geworden.

Stürmer Darin Olver (l.) ist der Topscorer der Eisbären. Auch weil er zuletzt wegen Grippe fehlte, kassierten die Berliner zuletzt zwei Niederlagen

Stürmer Darin Olver (l.) ist der Topscorer der Eisbären. Auch weil er zuletzt wegen Grippe fehlte, kassierten die Berliner zuletzt zwei Niederlagen

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Einfach waren die vergangenen Tage nicht für Darin Olver. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren verpasste der Stürmer wieder Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) – wegen Grippe.

Viel mehr beschäftigte ihn aber sein Sohn, der am Wochenende wegen hohen Fiebers ins Krankenhaus musste. Die Partie des EHC Eisbären in Köln am Sonntag (3:4) wäre für ihn daher wohl so oder so ausgefallen. Manchmal gibt es Wichtigeres als Eishockey.

Am Mittwoch wird Olver wieder dabei sein, wenn die Eisbären den Tabellenletzten Schwenningen empfangen (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena).

„In diesem Spiel darf es für uns keine Ausreden geben. Wir haben jetzt zwei Mal verloren und brauchen die drei Punkte“, sagt der Deutsch-Kanadier. Wenn der Topscorer zurück ist, sollte es leichter fallen, den zweiten Platz zu verteidigen oder sogar zu verbessern.

Meiste Tore, häufigste Vorlagen

Ja, Darin Olver steht wieder an der Spitze bei den Eisbären, erzielt die meisten Tore (14), gibt die meisten Vorlagen (24). Das fühlt sich an, wie es sein soll. Dafür wurde der 30-Jährige mal geholt.

Und es gab eine Zeit, da war ihm vor allem wichtig, dort oben zu stehen. Ganz so tickt Olver längst nicht mehr. „Ich kann nicht mein ganzes Spiel an Punkten festmachen“, sagt der Angreifer. Inzwischen führt er die Mannschaft tatsächlich auch. Weniger durch Worte, mehr durch Anschauungsunterricht.

Als einfacher Charakter galt Olver nie. Er generierte sich zu oft als Solokünstler in einem Teamsport, als jemand, der sein eigenes Spiel in den Vordergrund rückt und schnell abwesend wirkt, wenn das Geschehen nicht um ihn kreist. Das hätte noch eine Weile so weitergehen können.

„Wir haben früher immer gedacht, dass wir schon irgendwie gewinnen werden“, sagt Olver. Zwei Meistertitel feierte er mit den Berlinern, bis besagte Einstellung ihren Wahrheitsgehalt verlor. Es folgen zwei Jahre ohne Viertelfinale. „Das hat uns und mir die Augen geöffnet. Wenn er Erfolg ausbleibt, ist es an der Zeit, als Spieler zu wachsen.“, Olver hat das geschafft.

Akribische Trainingsvorbereitung

Sogar Trainer Uwe Krupp war überrascht, wie sehr sich der Stürmer verändert hat. Keiner in der Mannschaft bereitet sich so akribisch auf jedes Training vor, auf jedes Spiel, ist so intensiv bei der Sache. „Ich weiß, wie hart ich arbeite. Das habe ich nicht immer gemacht, aber ich habe jetzt eine andere Einstellung“, erzählt der Stürmer.

Die vergangenen beiden Jahre waren ein starker Antrieb, neue Wege zu gehen. Das Gefühl, dass es in der DEL immer schwerer wird, Titel zu gewinnen aufgrund der steigenden Ausgeglichenheit, motivierte ihn.

„Ich möchte nicht mittelmäßig sein, sondern der Beste“, sagt er. Seine Erwartungshaltung an sich selbst ist enorm, „teilweise fast unrealistisch“, sagt Sportdirektor Stefan Ustorf. Auch die Selbstkritik treibt Olver auf die Spitze.

Jetzt steht der Körper im Mittelpunkt

Mit der neuen Intensität hat er ein Ventil gefunden, er fühlt sich jetzt besser, wenn er mehr an sich arbeitet. Hauptsächlich, sagt er, kümmere er sich um seinen Körper: „Da war ich vorher nicht immer der Beste. Doch ich will schließlich noch eine Weile spielen.“

Nebenprodukt dieser Wandlung ist, dass Olver plötzlich wie ein Führungsspieler auftritt. „Ich bin nicht gerade laut und sage auch niemandem, was er zu tun hat“, erzählt er zwar. Aber es gibt auf vielen Ebenen bei den Eisbären kein besseres Beispiel als ihn.

„Er hat einen wahnsinnigen Schritt nach vorn gemacht, was seine Professionalität angeht. Das äußert sich darin, dass er diese Saison konstant auf extrem hohem Niveau spielt“, sagt Ustorf.

Für Olver ist es ebenso bedeutsam, dass der Kader jetzt breiter aufgestellt ist. Mit vier Reihen lässt sich besser spielen, der Druck auf den Einzelnen wird geringer. Außerdem funktioniert die Truppe wieder wie in den besten Tagen.

„Bei uns herrscht wieder eine andere Mentalität. Wir gehen in jedes Spiel mit der Erwartung zu gewinnen“, sagt Olver. Ihn erinnert vieles an die Jahre, in denen die Berliner Titel gewannen. Obwohl vieles anders ist, Darin Olver ist das beste Beispiel dafür.