Ein bisschen fühlt sich dieses Wochenende schon wie das Play-off an. Zwei Spiele in drei Tagen gegen den selben Gegner. Erst empfangen die Eisbären am Freitag als Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) den Dritten aus Düsseldorf (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Am Sonntag reisen die Berliner zur DEG. „Ich finde das interessant, da sehen wir, wie wir mithalten können“, sagt Eduard Lewandowski. Ein kleiner Gegner-Check bevor es in die wichtigste Saisonphase geht.

Viel nehmen sich die Rheinländer und die Berliner nicht, nicht ganz erwartungsgemäß stehen beide Klubs weit oben. „Die Balance stimmt im Team, alle opfern sich für die Mannschaft auf und alles wird auf mehrere Schultern verteilt. Das finde ich gut“, benennt der Stürmer die Kernpunkte des guten Auftretens der DEG. Seine Präsenz ist dabei ein wichtiges Mosaik. Lewandowski gehört zu den Gründen, warum die DEG in dieser Saison noch stärker agiert als in der vergangenen Spielzeit.

Keiner war länger dort

Sieben Jahre verbrachte Eduard Lewandowski zuletzt in der pan-russischen KHL. Kein anderer deutscher Profi spielte so lange in der zweitbesten Liga der Welt. „Der wird uns richtig weiterbringen“, sagte DEG-Trainer Christof Kreutzer bei der Verpflichtung im Sommer. Die Hoffnung wurde erfüllt. Technisch stark und robust ist Lewandowski, 13 Tore hat er schon geschossen, Platz drei im Team.

Irgendwann wieder in der DEL zu landen, das hatte der Angreifer immer auf dem Plan. Jetzt war es eben Zeit. „Ich habe den Schritt wegen der Familie gemacht“, sagt er. Inzwischen ist er 35 Jahre alt, hat drei Kinder. Anfangs sind alle immer mit nach Russland gekommen. „Die letzten zwei Jahre war ich aber allein dort“, erzählt er. Die älteren Kinder gehen inzwischen zur Schule, in Wilhemshaven. Dort lebt die Familie. Von dort wechselte Lewandowski 2001 auch zu den Eisbären und spielte eine Saison in Berlin. Im letzten Jahr in der KHL sah der Stürmer seine Familie nur zweimal. Das war ihm nichts.

Die Rückkehr in die DEL verlief problemlos: „Vor zwei Jahren hatte mich Daniel Kreutzer schon gefragt, ob ich in Russland bleiben will.“ Stürmer Kreutzer ist eine DEG-Ikone, sein Bruder Christof der Trainer dort. Lewandowski unterschrieb mit einem guten Gefühl für zwei Jahre. Es hat sich auch für ihn ausgezahlt.

Vier Klubs in der KHL

Natürlich, die KHL ist sportlich anspruchsvoller. „Es hat viel Spaß gemacht, dort zu spielen“, erzählt er. Obwohl es anfangs schon eine Herausforderung war. Selbst für ihn. „Ich hatte ich meine Schwierigkeiten, mich wieder an diese Mentalität und dieses Leben anzupassen. Aber das hat sich schnell entwickelt, ich habe ja keine Sprachbarriere“, so Lewandowski. Er ist in Russland geboren, kam mit 15 nach Deutschland. Nach Stationen in Berlin, Köln und Mannheim erfolgte der Wechsel zu Spartak Moskau. In Nischnekamsk, Mytischtschi und Jekaterinburg spielte er auch. „Das war ein Super-Abschnitt in meinem Leben“, so der Angreifer.

Die vielen skurrilen Geschichten, von denen Russland-Rückkehrer oft berichten, die erzählt Lewandowski nicht. Geschichten von verrückten Klubchefs, schwierigen Lebensumständen – wilde Sachen, die westlichen Ausländern eben so ins Auge springen. Für ihn war alles immer ein Stück Heimat. „Die Klischees gibt es, dass alles grau dort ist, dass die Trainer ganz selten positiv sind. Da musst du selbst versuchen, das Positive zu sehen und es dir so einfacher zu machen“, sagt der Stürmer. Er habe zwar auch mal die „Schnauze voll“ gehabt, aber nie Grund, sich zu beschweren.

Viele Tore für die DEG

Höchstens über sich selbst, in den vergangenen Jahren traf er das Tor nicht mehr so gut. Sein Team spielte ziemlich defensiv, dazu ist es in der starken KHL schwieriger, Tore zu erzielen. Aber das Problem hat sich erledigt, in Düsseldorf hat er fast so viele Tore geschossen wie zuvor in drei Jahren zusammen.

„Ich fühle mich wohl. Aber es läuft nicht nur bei mir, sondern bei der ganzen Mannschaft. Das ist das Wichtigste“, sagt der Stürmer, der trotz seiner Stabilität in der KHL in der deutschen Nationalmannschaft zuletzt keine mehr Rolle spielte. Richtig erklären kann Eduard Lewandowski sich das nicht. Für die DEG zeigt er dafür gerade, wie wertvoll seine Erfahrungen sind.