Eishockey

Torwart Nastiuks schwere Geduldsprobe bei den Eisbären

Gut gehalten, Spiel gewonnen, mehr aber auch nicht: Warum das Leben von Eishockey-Torwart Kevin Nastiuk in Berlin nicht leicht ist.

Kevin Nastiuk hielt ordentlich gegen Schwenningen. Doch gegen Köln muss der Goalie wieder auf die Reservebank

Kevin Nastiuk hielt ordentlich gegen Schwenningen. Doch gegen Köln muss der Goalie wieder auf die Reservebank

Foto: Hundt/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Er stand da, wischte sich seine langen, verschwitzten Haare nach hinten und musste grinsen. Klar, der erste Sieg in der Saison fühlte sich mehr als nur gut an. Vor der Partie hatte Kevin Nastiuk nicht gewusst, wie er wirklich drauf ist. Da war vor allem wichtig, „ruhig zu bleiben, denn es war eine Weile her, dass ich gespielt habe“, sagte der Torhüter des EHC Eisbären.

Wenigstens wird die lange Zeit des Wartens belohnt

Drei Monate musste er bis zu seinem zweiten Einsatz in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ausharren. Mit dem Sieg am Sonntag gegen Schwenningen (6:2) wurde die lange Zeit des Wartens wenigstens ordentlich belohnt.

Eine Woche lang konnte er sich auf die Partie einstellen, Trainer Uwe Krupp hatte Nastiuk langfristig eingeweiht in seine Absichten. „Er hat sich gut vorbereitet“, sagt der Trainer. In einer engen Phase des Spiels zeigte der Torhüter ein paar starke Paraden und hatte damit seinen Anteil am Erfolg. „Er gibt im Training immer alles, das hat er sich verdient“, fand Kapitän André Rankel. Es klang, als würde er etwas Mitleid empfinden, dass der Kanadier nicht öfter zum Zug kommt.

An Absprachen wird sich nicht unbedingt gehalten

Ersatztorhüter zu sein, ist keine Rolle, die immer leicht auszufüllen ist. Nicht selten gibt es grobe Absprachen vor der Saison, was der Backup zu erwarten hat, wie oft er spielen wird. Selten werden diese Vereinbarungen Realität, zumindest bei den Eisbären. Mit zuvor Rob Zepp und jetzt Petri Vehanen setzten die Berliner jüngst auf sehr dominante Stammtorhüter. Das war für Nastiuk schon einmal zu viel.

Vor dreieinhalb Jahren verließ der 30-Jährige die Eisbären. Zweieinhalb Saisons als Stellvertreter von Zepp lagen da hinter ihm. Oft erweckte er in dieser Zeit den Eindruck, mehr als nur ein Ersatzmann zu sein. Zwar steigerte sich seine Anzahl an Einsätzen von Saison zu Saison, an den Verhältnissen aber konnte er nichts ändern mit seinen Leistungen.

Ein Jahr in Heilbronn, zwei Jahre in Dresden

Er ging in die zweite Liga, spielte ein Jahr in Heilbronn und zwei Jahre in Dresden. Weil beim EHC Mathias Niederberger nach Düsseldorf wechselte, um mehr zu spielen, landete Nastiuk erneut hier. In der Hoffnung, mehr zeigen zu können als damals.

Daraus wird nun wieder nichts. Nach dem ersten Einsatz Anfang Oktober verletzte er sich, das mögliche zweite Spiel bekam daher sein Ersatzmann Marvin Cüpper. Bereits avisierte Einsätze wurden zuletzt wieder gestrichen, weil Vehanen über Wochen eine starke Form zeigte. „Wir wollten Kevin schon früher bringen.

Sein Verhältnis zu Petri Vehanen ist trotzdem gut

Aber wenn ein Torwart stark hält, willst du ihn nicht aus Aktionismus raus nehmen“, so Krupp. Geduld ist also eine Tugend, über die zweite Torhüter unbedingt verfügen müssen. Und über die Fähigkeit, ohne lange Anlaufphase ihre Leistung abzurufen. „Ich habe versucht, das Beste aus der Gelegenheit zu machen“, sagt Nastiuk.

Der Kanadier erkennt die Realität jedoch an: „Petri spielt eine tolle Saison, er ist ein toller Goalie. Wir sind Kumpel, auch abseits des Eises. Ich versuche, ihn zu unterstützen.“ Trotzdem ist klar, dass er „nicht noch einmal so lange auf das nächste Spiel warten“ möchte. Am Dienstag gegen Köln (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) dürfte sein Platz dennoch wieder auf der Bank sein.