Eisbären Berlin

Petri Vehanen und der Genuss der letzten Jahre

Eisbären-Torwart Petri Vehanen gewinnt die meisten Spiele in der DEL. Zum Jahresabschluss emfängt der EHC am Mittwoch Iserlohn

Torhüter Petri Vehanen macht bei den Eisbaeren hinten dicht

Torhüter Petri Vehanen macht bei den Eisbaeren hinten dicht

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Wenn die Zahlen sich recht deutlich lesen, am Ende aber das Gefühl dominiert, ein enges Spiel gesehen zu haben, ist dafür meist einer verantwortlich: der Torwart der unterlegenen Mannschaft. Während die Kollegen von Petri Vehanen nach vorn kaum brauchbare Szenen entwickelten, hielt der Schlussmann des EHC Eisbären so viele Pucks in München, dass die Partie dennoch offen blieb. Erst mit dem 0:3 kurz vor Schluss kam die Gewissheit.

Die Berliner können es verkraften, sie bleiben trotz der Niederlage Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Wenn sie nach den Gründen für ihren Platz gefragt werden, ist oft die Rede von Vehanen. Egal ob Trainer oder Spieler, die Erfolge seien im Ursprung meist beim Torhüter auszumachen, erklären sie unisono. Der selbst ist kein Mann für große Reden. Wichtig sind ihm immer nur die Punkte, nicht die Hervorhebung der eigenen Leistung. „Wir spielen gut in der Defensiv in dieser Saison“, sagt er ohne große Regung. Da kommt die typisch finnische Bedächtigkeit durch.

Wenig Worte, große Taten

Auf dem Eis ist Vehanen agiler als mit Worten, da gehört er zu den am meisten strapazierten Profis der Liga. Schon 29 Spiele absolvierte er, nur zweimal, beide Male verlor der EHC, stand der nicht im Tor. Lediglich Timo Pielmeier wurde in Ingolstadt öfter eingesetzt (31 Spiele). Für einen 38-Jährigen ein strammes Programm, doch Vehanen macht das nichts aus. Er hat fast immer viel gespielt in seiner Karriere. Und außerdem ist es doch so. „Ich habe nicht mehr viele Jahre zu spielen. Je näher man an diesen Punkt kommt, desto mehr genießt man es, überhaupt spielen zu dürfen. Ich freue mich einfach sehr, jedes einzelne Spiel machen zu können und gehe genau so in jede Partie“, sagt der Torwart, der 2010 Meister in der panrussischen KHL und 2011 Weltmeister wurde. Bei den Berlinern werden noch eine ganze Reihe an Partien hinzukommen, bis 2017 läuft sein Vertrag.

In dieser Saison spielt Vehanen bislang sogar mehr als im Vorjahr, wo er elf Partien aussetzte. Trotz der Mehrbelastung wirkt er verbessert. „Auch vergangene Saison hat er gut gehalten, er gewinnt jetzt nur mehr“, sagt Sportdirektor Stefan Ustorf. Fangquote und Gegentordurchschnitt unterscheiden sich tatsächlich nicht großartig, doch mit 20 Siegen in dieser Spielzeit führt Vehanen die Liga souverän an. „Das ist auch ein Produkt der Mannschaft“, sagt Ustorf. Die verbesserten Leistungen in Abwehr und Angriff verhelfen auch dem Goalie zu stärkeren Werten.

Viel Arbeit im Training

Sein Spiel harmoniert gut mit seiner Nationalität. Finnen gelten als geerdet, als bodenständig. Und so agiert er auch, Vehanen strahlt sehr viel Ruhe aus auf dem Eis, wird nie hektisch: „Man muss einfach spielen und nicht in ein Spiel gehen und die großen Saves machen wollen.“ Denn dann gingen oft die leichten Schüsse ins Tor. Wer sich auf die Grundlagen besinnt, bei dem kommen auch die Glanztaten irgendwann.

Davon musste der Finne, der viel an sich arbeitet im Training, zuletzt einige zeigen, denn die Liga ist eng und jeder Gegner gefährlich. Das macht die DEL für ihn besonders. „Du muss immer voll konzentriert in jedes Spiel gehen. Sonst gewinnst du nicht“, erzählt er. Den Eisbären stehen als nächstes die Iserlohn Roosters gegenüber. Im letzten Spiel des Jahres 2015 treffen die Berliner am Mittwoch (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) im Tabellendritten auf den Kontrahenten, gegen den Vehanen vor drei Wochen seinen ersten Shutout der Saison feiern konnte. Was das für ihn bedeutet, wurde er gefragt. „Drei Punkte mehr“, sagte Vehanen. Um nichts anderes geht es ihm auch diesmal.