60. Geburtstag

Mit Lee ganz nach oben

In seiner langen Zeit bei den Eisbären hat der Manager den Klub geprägt und ihn zur besten Adresse im deutschen Eishockey gemacht.

Peter John Lee (r.) bei der Vorstellung von Uwe Krupp als Trainer der Eisbären

Peter John Lee (r.) bei der Vorstellung von Uwe Krupp als Trainer der Eisbären

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Berlin.  Eine Legende zu werden, ist schon schwer genug. Es gleich auf drei Ebenen zur Legende zu bringen, zeugt von einigem Talent. Peter John Lee brachte im Eishockey immer viel davon auf. Als Jugendspieler erwarb er sich einen enormen Ruf in Kanada, dort sind seine damaligen Rekorde heute noch bekannt. Später als Profi wurde er nach ein paar sehr respektablen Jahren in der NHL bei den Pittsburgh Penguins dann in Düsseldorf, wo er zehn Jahre von 1983 bis 1993 spielte und vier Meistertitel holte, zu einer ganz großen Nummer. Sein Trikot mit der 12 hängt dort unter der Decke. Das Herz von Peter John Lee wiederum hängt am EHC Eisbären. Diesen Klub führte er als Manager zu sieben Meistertiteln in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in nur neun Jahren. Legendär!

Als Lee nach Berlin kam, war er noch Spieler. Kein junger mehr, aber immer noch ein guter. Mit 39 Jahren zog der in England geborene Kanadier 1995 erstmals das EHC-Trikot an. Seither blieb er dem Klub treu. Am Sonnabend wird der Geschäftsführer Lee 60 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

21 Jahre im Verein

Natürlich sind 21 Jahre im Verein eine lange Zeit, aber da gibt es ja bei den Eisbären mit Hartmut Nickel und Sven Felski noch Leute, die das locker überbieten. Doch Lee hielt sich dafür in einem sensiblen Segment. Nach zwei Saisons als Spieler wurde er erst Assistenztrainer, dann Cheftrainer. Nach nicht sonderlich erfolgreichen Jahren wechselte er auf den Managerposten. Das brachte anfangs zwar auch kein Glück: „Ohne Lee, sonst schaffen wir das nie!“, lautete ein beliebter Spruch bei den Fans in den frühen 2000er Jahren. Doch Lee ließ sich nicht davonjagen.

Letztlich ein Glück für den Klub. Mit der Verpflichtung von Trainer Pierre Pagé 2002 leitete der Manager bei den Eisbären die erfolgreichste Ära der Klubgeschichte ein. Die Berliner entwickelten einen klaren Plan, setzten diesen mit talentierten jungen Spielern aus Deutschland und sehr gezielt ausgewählten starken Ausländern um. Dabei etablierten sie einen Offensivstil, dem später viele in der Liga folgten. Zudem arbeiteten die Berliner langfristig, bauten das Team kontinuierlich auf und später immer nur behutsam um. Identifikation war stets eine der Maxime, für die Spieler mit dem Klub, für die Fans mit den Spielern.

Maßstäbe gesetzt

Unter Lees Führung, der sich nebenbei immer für die deutsche Nationalmannschaft engagierte, schaffte es der einst kleine, ungeliebte Außenseiter aus dem Osten, zum dominierenden Eishockeyverein Deutschlands zu werden. Mit dem ersten Titel 2005 und den bis 2013 folgenden Meisterschaften wurde der EHC zum Rekordmeister der DEL, setzte in Sachen Zuschauer und Bekanntheitsgrad die Maßstäbe. Kein Klub außerhalb des Fußballs erreicht in diesen Kategorien solche Werte wie der EHC. „Man könnte schon sagen, es ist sein Lebenswerk“, sagt Trainer Uwe Krupp zu Lees Arbeit bei den Eisbären.

In jüngster Zeit lief nicht mehr alles ganz so toll bei den Eisbären. Was lange eine Stärke war, mutierte etwas zur Schwäche der Berliner. Lee ist sehr loyal, er hängt manchmal zu lange an Spielern, bleibt bei seiner Linie. Da gerade die ausländischen Profis aber nicht mehr alle über den Charakter und das Talent früherer Größen verfügen, macht sich diese Treue nicht immer so bezahlt wie einst.

Kampf um Europa

Inzwischen hat Lee, der sich immer lieber im Hintergrund hält und seinen Geburtstag in Los Angeles verbringt, aber Unterstützung auf dem Managerposten. Das Tagesgeschäft überlässt er weitgehend Stefan Ustorf, dem Sportlichen Leiter. Als Geschäftsführer des Klubs ist das Aufgabenfeld von Lee viel größer als früher. Und sein dauernder Einsatz für die Entwicklung des europäischen Klubeishockeys, die Etablierung der Champions Hockey League, frisst auch viel Zeit. Alle Auswärtsspiele des EHC kann er daher gar nicht mehr besuchen.

Im Play-off würde er sich die Zeit für die Auswärtsreisen sicher nehmen. Nach zwei Jahren ohne Viertelfinale sieht es ja nun wieder gut aus, die Ziele sind erreichbar. Aber bis dahin dauert es noch etwas. Das nächste Spiel am Sonntag gegen die Schwenninger Wilds Wings liegt näher (14.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Ein Sieg im ersten Spiel des Jahres wäre ein passendes Geschenk der Mannschaft zum 60. des Chefs.