Eishockey

Tallackson gelingt das Goldene Tor für die Eisbären

Der Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga zeigt bei der Ehrung von Denis Pederson ein paar Qualitäten aus dessen ganz großen Tagen.

Hochbetrieb vor dem Tor der Grizzlys aus Wolfsburg. Nur einmal gelang es den Eisbären (blaue Trikots), Wolfsburgs Torhüter zu überwinden

Hochbetrieb vor dem Tor der Grizzlys aus Wolfsburg. Nur einmal gelang es den Eisbären (blaue Trikots), Wolfsburgs Torhüter zu überwinden

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin.  War er so bewegt, oder was war das? Denis Pederson krächzte jedenfalls, als er zum Mikrofon griff, um ein paar Worte an die Fans in der Arena zu richten. Übermäßig emotional kennt man den früheren Stürmer des EHC Eisbären gar nicht. Und auch diesmal ließ sich nicht ganz ergründen, wie sehr dem Kanadier dieser Moment ans Herz ging. Denn seine Stimme litt noch unter einer Erkältung, die ihn tags zuvor sogar ins Bett gezwungen hatte. Stolz, keine Frage, das war der 40-Jährige allemal, als sein Trikot mit der Nummer 20 unter die Decke der Halle gezogen wurde – und er dem Textil hinterherschaute.

Die Eisbären hatten sich Mühe gegeben, diese Ehrung besonders werden zu lassen. Pederson, der von 2003 bis 2012 für die Berliner in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielte, war schon der vierte Profi, den der Klub in seine Galerie der Helden aufnahm, um dessen Rückennummer nicht mehr zu vergeben. Seine drei Vorgänger Mark Beaufait (Nummer 19), Sven Felski (11) und Steve Walker (27) schickten per Videobotschaft ihre Grüße. „Du hast uns geholfen, Titel in diese Stadt zu holen“, sagte Walker.

Videobotschaften von drei bereits geehrten Ehemaligen

Sechs Mal hielt Pederson die Meistertrophäe in die Luft. Nach seiner Ehrung durfte er eine Mannschaft sehen, die den Fans der Berliner einigen Mut macht, bald wieder einen Titel feiern zu können. Als Spitzenreiter setzte sich der EHC mit 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) gegen die Grizzlys Wolfsburg durch, das zuletzt gefährlichste Team der Liga.

Vielleicht wäre Pederson schon früher an der Reihe gewesen, hätte er seine Pläne umgesetzt. Eigentlich wollte er schon 2010 aufhören, doch der bereits verkündete Abschied war etwas voreilig gewesen. Wegen einer Knieverletzung musste er dann zwei Jahre später tatsächlich seine Karriere beenden. Eine Laufbahn, in der er die großen Jahre der Berliner mit Titeln in Serie entscheidend mitprägte. „Er war wirklich ein Vorbild“, sagte Stürmer Florian Busch in einem Einspieler.

Pederson wollte bei seiner Ansprache nichts vergessen

Mit seiner Einstellung, seiner Arbeitsmoral und seinem Ehrgeiz machte sich Pederson mehr als nur einen Namen, er wurde zu einem Klubidol. „Man hat mich hier das Eishockey spielen lassen, das ich mag“, sagte er in seiner kleinen Rede. Die hatte er aufgeschrieben. „Nicht, weil ich nervös bin, sondern detailversessen“, berichtete später. Er wollte einfach nichts vergessen, was ihm wichtig war zu erwähnen. Pederson bedankte sich beim Klub, bei den ehemaligen Kollegen, bei den Fans, die er als die „besten der Welt“ bezeichnete. Das kam genauso gut an in der mit 14.200 Zuschauern besuchten Halle wie früher die Tore und Vorlagen des wuchtigen Angreifers.

Viele gab es davon gegen Wolfsburg von den heute auf diesem Gebiet zuständigen Akteuren nicht zu sehen. Die Partie gegen die Grizzlys war sehr eng. Genau das hatte erwartet werden dürfen, denn die Niedersachsen kamen mit einer Bilanz von neun Siegen aus den vergangenen zehn Spielen nach Berlin. Besonders wegen ihrer robusten Defensive zogen die Wolfsburger zuletzt so erfolgreich durch die Liga. „Es war nicht so viel Platz auf dem Eis“, stellte EHC-Kapitän André Rankel auch diesmal fest. Manchmal fiel es den Eisbären ziemlich schwer, sich der frühen Störversuche der Gäste beim Aufbau des EHC zu entziehen.

Beide Mannschaften zeigten sich sehr abwehrstark

Oft kamen die Spieler von Trainer Uwe Krupp auch nicht durch die dichte Abwehr der Grizzlys. Andersherum erging es den Niedersachsen nicht besser. „Das sind zwei Mannschaften, die sich gegenseitig neutralisieren“, sagte Krupp, dessen Team jetzt ebenfalls neun Siege aus den vergangenen zehn Spielen zu verzeichnen hat. Entscheidend dafür war ein Angriff, bei dem sich den Eisbären mal etwas mehr Raum bot. Barry Tallackson zog in den kurzen Winkel ab (27.). Grizzlys-Torhüter Felix Brückmann ließ den Puck auf der Fanghandseite passieren. „Er war noch dran, den hätte er haben können“, sagte Tallackson. Sein Schlussmann Petri Vehanen konnte sich dagegen über sein zweites Saisonspiel ohne Gegentor freuen.

Dies schafften die Berliner, weil sie wieder über einige Qualitäten verfügen, die zu Zeiten von Pederson zum Standardrepertoire der Eisbären gehörten. „Sie spielen mit Selbstvertrauen, das konnte man sehen“, sagte Pederson. Ihre Sicherheit ob der eigenen Fähigkeiten ließ die Berliner auch in der engen Schlussphase nie die Kontrolle verlieren. Ruhig und souverän brachten sie ihren Vorsprung gegen die gefährlichen Niedersachsen über die Zeit. „Es war wichtig, dass wir ein hartes Spiel hatten, um die Weihnachtspause aus den Beinen zu bekommen“, sagte Trainer Krupp. Die Pause bestand lediglich aus zwei trainingsfreien Tagen. Aber selbst die können sich die Eisbären jetzt nicht mehr leisten. Bereits am Montag geht es in München weiter.