Wenn er die Zahlen ausspricht, merkt er manchmal erst, wie viel Zeit vergangenen ist. Für zwei, drei Jahre wollte Rob Leask einst nach Deutschland kommen. „Jetzt werden es im Sommer schon 20“, sagt er. Inzwischen ist er auch bereits fast genauso lange weg aus Berlin, wie er hier gespielt hat, als Verteidiger des EHC Eisbären, zehn Jahre lang.

Aber sie treffen sich immer wieder, Rob Leask und die Eisbären. In Straubing steht er jetzt als Co-Trainer an der Bande, am Freitag empfangen die Tigers den EHC in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Beim ersten Duell am vierten Spieltag war das das Spitzenspiel von Eins gegen Drei, und Platz eins belegte Straubing, ein notorisches Kellerkind. Die Berliner, die 7:5 gewannen, sind jetzt immer noch Dritter, die Tigers auf Rang elf.

„Wir haben anfangs Spiele gewonnen, in denen der Gegner vielleicht etwas besser war. Danach sind wir durch schwächere Auswärtsspiele in eine negative Spirale gekommen“, sagt Leask. Aber durch die engen Abstände in der Liga ist nichts verloren. Straubing will ins Play-off, „das ist ein realistisches Ziel“. Das würde sich gut machen im Jubiläumsjahr, dem zehnten in der DEL.

Wohlfühlfaktor im kleinsten Standort

Leask fühlt sich wohl im kleinsten Standort der Liga. „Die Stadt schön, die Menschen sind nett. Eishockey ist die Nummer eins hier“, sagt er. Nur im Frauen-Volleyball ist Straubing sportlich noch erstklassig, das interessiert aber kaum jemanden. Mit Cheftrainer Larry Mitchell kommt Leask, der sich im Spiel um die Verteidiger kümmert und sich sonst viel mit Videoanalysen beschäftigt, prima aus. „Er hat ein gutes Auge für Spieler. Das ist ein guter Ort für mich“, sagt er. Erfahrung möchte Leask sammeln – und irgendwann natürlich selbst Chef werden.

Dabei hat er sogar als solcher angefangen. Im Frühjahr 2013 beendete Leask mit 41 Jahren als damals ältester Spieler der DEL seine Karriere und landete sofort als Trainer beim Drittligisten Regensburg. „Das war so nicht geplant, hat sich aber ergeben“, erzählt der 44-Jährige. Er lernte dort auch gleich alle Seiten des Geschäfts kennen und wurde vor Saisonende gefeuert.

Halb so wild, denn der frühere Eisbären-Weggefährte Rob Cowie vermittelte ihm vergangene Saison einen Assistentenposten in Kassel in der zweiten Liga. Cowie kennt dort den Manager Joe Gibbs aus gemeinsamen Zeiten als Scout der Toronto Maple Leafs aus der NHL. In Kassel hätte Leask auch bleiben können, doch als Mitchell vor gut einem Jahr den Job in Straubing antrat und keinen Co-Trainer mitbrachte, „da habe ich in Straubing angerufen“, ohne dass er Mitchell näher kannte. Nach ein paar Gesprächen war die Sache perfekt. Und Leask konnte seinen rasanten Aufstieg durch die Ligen fortsetzen. Dabei bleibt es vorerst auch, seinen Vertrag hat er schon verlängert.

Beim EHC kehren zwei Spieler zurück

Ein paar weitere Besuche in Berlin sind also sicher, beruflicher Art. Für ihn ist demnach auch die Entwicklung bei den Eisbären sehr interessant. „Als sie Titel gewonnen haben, hat es sie immer ausgezeichnet, dass die härter als andere gearbeitet haben. An diesem Punkt sind sie jetzt auch wieder“, sagt Leask, der sich mit den Tigers auch beim ersten Heimspiel gegen den EHC geschlagen geben musste (1:4). Diesmal kommen die Berliner wieder mit zwei Verteidigern mehr als zuletzt, Henry Haase und Bruno Gervais haben ihre Verletzungen überstanden.

Privat schafft es Rob Leask kaum noch in die Hauptstadt, die er vermisst. Seine Frau und die drei Kinder sind öfter in Berlin, und zwar um etwas Zeit bei Oma und Opa zu verbringen.