Ein bisschen klang es, als würde Uwe Krupp den Stolz auf seine eigene Leistung nicht verbergen wollen. Warum auch? Er ist der Trainer, und wenn die Mannschaft schlecht spielt, muss er ja auch den Kopf hinhalten. Also darf er seinen Anteil am Sieg ebenso auskosten.
Der Geschmack fiel dabei nach dem 5:2 des EHC Eisbären gegen die Kölner Haie besonders süß aus nach der herben Pleite im ersten Aufeinandertreffen (1:6). „Wir waren besser vorbereitet auf das Tempo und die individuelle Stärke der Haie. Gegen die musst du gut eingestellt sein“, sagte Krupp. Für die Berliner war es der fünfte Sieg in Folge in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Am Sonntag mit der Partie in München peilen die Eisbären die Halbzeit in der Punkterunde an. Zeit also für eine kleine Bilanz, in diesem Fall für ein paar Gründe für die Rückkehr der Berliner in die Spitze der Liga, wo der EHC einen Zähler hinter Spitzenreiter Mannheim rangiert.
Der Trainer: Nächste Woche jährt sich die Amtsübernahme von Krupp bei den Eisbären zum ersten Mal. In der vergangenen Saison war sein Einfluss noch gering, ein ganzer Vorbereitungssommer hat das jetzt geändert. Krupp hat vor allem die Defensive neu justiert und das Spiel der Berliner vereinfacht. „Mittlerweile hat jeder verstanden, was unser Trainer von uns will“, sagt Stürmer Marcel Noebels, gegen Köln doppelt erfolgreich. Sein Kollege Florian Busch, der aktuell in der Abwehr aushilft, sieht Krupp als großen Teil der Entwicklung nach zwei enttäuschenden Jahren ohne Play-off-Viertelfinale: „Er sorgt dafür, dass wir als Kollektiv gut funktionieren.“
Die Geschlossenheit: Das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen passte bei den Eisbären lange Zeit nicht, im Team handelten die meisten oft als Individualisten. Hier hat sich etwas verändert. „Die Jungs halten zusammen, sie haben ein gemeinsames Ziel“, sagt der Trainer. Die Eisbären treten wieder als Team auf, das Betriebsklima innerhalb der Gruppe ist besser geworden. So lassen sich auch schwierige Phasen besser durchstehen. Derzeit fehlen gleich vier Verteidiger, dennoch kann das kompensiert werden, selbst gegen Spitzenteams. In den Vorjahren wäre das undenkbar gewesen.
Die Einstellung: Erst herrschte nach drei Meisterschaften in Folge etwas Überheblichkeit beim EHC, dann eine große Hilflosigkeit angesichts gravierender Verletzungsprobleme. Jetzt ist bei den Eisbären wieder die richtige Arbeitsmoral vorhanden. „Die Atmosphäre in der Mannschaft ist besser als vor einem Jahr. Die Spieler sind sehr fokussiert, immer konzentriert im Training“, sagt Krupp. Er schwärmt häufig davon, dass alle Profis sehr aufnahmebereit seien und willens, seine Ideen auf dem Eis umzusetzen. Diese Intensität tragen die Berliner auch in ihre Spiele und schaffen es so, die angestrebte Konstanz in ihre Leistungen zu bringen. Vor allem in der laufenden Serie zeigten die Eisbären starke Spiele gegen Mannheim (6:2) und Iserlohn (3:0), in denen sie gegen die sehr unterschiedlichen Kontrahenten verschiedene Fähigkeiten abrufen mussten. Das taten sie mit einer beeindruckenden Konsequenz.
Das Selbstverständnis: Das Vertrauen in die eigene Stärke wurde wiederentdeckt. „Auch in schwachen Phasen wussten wir immer, dass wir da rauskommen“, sagt Krupp, „die Mannschaft geht sehr gut mit verschiedenen Situationen um.“ Diese Selbstsicherheit, Wege zum Erfolg zu finden, lässt beim EHC langsam schon wieder Ambitionen keimen. „Wir merken, dass etwas dahinter steckt, dass etwas passieren kann in dieser Saison“, so Busch. Allein die angestrebte Teilnahme am Viertelfinale dürfte den Berlinern in dieser Form nicht genug sein. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat Krupp die Eisbären auf Kurs gebracht. „Es macht wirklich Spaß“, sagt er. Dass es so ist, darauf kann er auch stolz sein.





