Eishockey

Ein perfektes Wochenende für die Eisbären

Die Eisbären legten nach dem Sieg gegen Mannheim eine taktische Meisterleistung gegen Iserlohn hin. Platz zwei ist der Lohn.

Chet Pickard unter Beschuss. Der Torhüter der Iserlohn Roosters wurde von den Eisbären dreimal überwunden

Chet Pickard unter Beschuss. Der Torhüter der Iserlohn Roosters wurde von den Eisbären dreimal überwunden

Foto: imago/Bernd König

Jedes Spiel kostet Kraft. Manchmal aber sind gar nicht die Muskeln die strapaziertesten Körperteile. Die Hauptarbeit muss der Kopf erledigen. Weil viel mehr Kleinigkeiten zu beachten sind, weil Fehler einfach nicht passieren dürfen. Nämlich dann, wenn der Gegner einzig und genau darauf aus ist, diese Fehler zu nutzen. „Da nicht unaufmerksam zu werden, ist mental sehr anstrengend“, sagte André Rankel. Aber seine Mannschaft, der EHC Eisbären, hat das beim 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) gegen die Iserlohn Roosters geschafft.

Die Roosters von Platz zwei der Tabelle verdrängt

Damit liegt ein perfektes Wochenende in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hinter den Berlinern. Am Freitag entzauberten sie den Tabellenführer Mannheim recht beeindruckend. Zwei Tage später demonstrierten die Berliner, dass sie verschiedenen Facetten ihres Sports mit großer Vielseitigkeit begegnen können. Sie beraubten Iserlohn vor 13.829 Zuschauern seiner Stärke und verdrängten die Roosters von Platz zwei der Tabelle. „Das waren sechs gute Drittel gegen zwei sehr unterschiedliche Mannschaften“, sagte Trainer Uwe Krupp.

Die Aufgabe, die Krupp vor der Partie hatte, war ganz klar umrissen. Er musste seine Mannschaft emotional erden. Was nach zwei Spielen, die mit insgesamt 14 Treffern gewonnen wurden, sicher nicht einfach ist. Doch es war gegen die Roosters eben notwendig, denn noch so ein Offensivspektakel wie beim 8:7 gegen Schwenningen und beim 6:2 gegen Mannheim würde es nicht geben gegen die Sauerländer. Das wusste Krupp genau. Weil Iserlohn einen ganz anderen Stil pflegt.

Iserlohn definiert sich nur über die Defensive

Die Roosters gehören zu den wenigen Mannschaften, die ihr System allein über die Defensive definieren. Der Finne Jari Pasanen hat das fast zur Perfektion getrieben. So ziemlich jede Mannschaft, die sich gegen Iserlohn zu sorglos nach vorn bewegt, wird bitter bestraft. Aus ihrer enorm sicheren Abwehr, die die zweitbeste der Liga ist, schlagen die Sauerländer blitzschnell per Konter zu. Mit einer Engelsgeduld warten sie auf diese Situationen, versuchen, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Kreativ tun sie sehr wenig.

Schön ist das nicht, aber eben erfolgreich. Nur drei Mal blieb Iserlohn zuvor in dieser Saison ohne Punkt, was mit Abstand der beste Wert in der DEL ist. Prozentual betrachtet kamen sie sogar als virtueller Tabellenführer nach Berlin und trafen dort auf einen Gegner, der sich gerade ein wenig an sich selbst berauscht hatte. Und der nun auf Kontrastprogramm umschalten musste. Es darf schon als erstaunlich betrachtet werden, wie gut den Berlinern das gelang.

Der Unterhaltungswert lässt zu wünschen übrig

„Gegen Mannheim hast du einen offenen Schlagabtausch, gegen Iserlohn musst du denken. Diese Philosophie ist schwer zu knacken“, so Krupp. Extrem sachlich gingen die Eisbären in diese Partie, nur verhalten offensiv. Ganz klar darauf bedacht, keine Wege für Konter zu öffnen.

Für den Unterhaltungswert ist das eher schwierig. Die Berliner tasteten ihren Gegner erst einmal ab und testeten, wie weit sie gehen können mit ihren Angriffsbemühungen. Wo die Grenze liegt, ab der das Risiko zu groß wird, entscheidende Patzer zu begehen. „Das war über 60 Minuten harte Arbeit“, sagte Kapitän Rankel. Stück für Stück erhöhten die Eisbären den Druck. Sie vermieden es dabei, häufig durch die Mitte zu spielen, denn dort werden die meisten Pässe abgefangen.

Der EHC bleibt zum ersten Mal in dieser Saison ohne Gegentor

Zeitweise wirkte es, als würden die Berliner im Powerplay spielen, so sehr lief das Geschehen im Drittel der Gäste ab. Rankel setzte sich dabei in einem Zweikampf hinter dem Tor durch, und mit einem halben Bauerntrick brachte er den Puck im Netz unter (37.). Mit der Führung spielte es sich komfortabler gegen die Roosters, die nun etwas mehr tun mussten. Erneut Rankel (55.) und Darin Olver mit einem Schuss ins leere Tor (60.) sorgten schließlich für Klarheit. Es war das erste Mal, dass Iserlohn in dieser Saison ohne eigenen Treffer blieb.

Erstmals gelang es auch den Eisbären, kein Gegentor zu kassieren. Torhüter Petri Vehanen hatte sich als Vorbereitung auf die Partie extra angeschaut, wie Iserlohn spielt. Und er war sehr zufrieden mit seinen Vorderleuten. „Wir haben keinen einzigen Konter zugelassen“, sagte der Finne. Eine bemerkenswerte Leistung einer Mannschaft, die offensiv ausgerichtet ist. Noch dazu gegen das beste Team in dieser Disziplin.

Rankel glaubt, dass die Mannschaft funktioniert

Indem sie keine Fehler machten, nahmen die Berliner den mit etwa 1200 Fans angereisten Iserlohnern ihre einzige Waffe. Damit zeigten die Eisbären an einem Wochenende eine große Bandbreite an Fähigkeiten. „Wir haben gemerkt, dass die Mannschaft funktioniert“, sagte Rankel. Die ganze Anstrengung hat sich also gelohnt.