Eisbären Berlin

Micki DuPont: Der perfekte Mann für die richtige Balance

Trotz seines fortschrittenen Alters verbessert Micki DuPont das Spiel der Eisbären hinten ebenso wie vorn. Köln ist der nächste Gegner.

Mit 35 Jahren Top-Torschütze: Micki DuPont trifft bestens

Mit 35 Jahren Top-Torschütze: Micki DuPont trifft bestens

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Dienstags und Donnerstags hat Micki DuPont nie Zeit. Morgens beginnt das Training, mittags sein Kurs. Er müsste zwar nicht so hetzen, wenn er gleich in die Kabine gehen würde, wenn Trainer Uwe Krupp gegen 11.30 Uhr die Einheit mit den Profis des EHC Eisbären beendet. Doch DuPont übt einfach weiter, zunächst noch mit ein paar Kollegen, irgendwann sind die auch weg und der Kanadier lässt sich von einem Co-Trainer die Pässe zuspielen. Mal nimmt er sie in der Rückwärtsbewegung an, mal kommen die Anspiele über die Bande, mal wechselt er die Richtung und simuliert den Aufbaupass. Dinge eben, die man in jedem Eishockeyspiel dringend braucht.

Fast eine halbe Stunde geht das so, dann muss er schnell zur Massage und unter die Dusche. Damit er frisch zum Deutschkurs um 13 Uhr erscheint. Den macht er, „damit ich mich besser in der Stadt bewegen und kommunizieren kann“, erzählt er: „Das ist ganz schön schwer zu lernen.“ Ein paar Kollegen und deren Frauen sind mit dabei. Gemeinsam lernt sich’s leichter.

Auf dem besten Weg zu einem neuen Bestwert

Unterricht in der Freizeit, als Letzter vom Eis stapfen – DuPont geht mit dem Eifer eines jungen Mannes durch seine Karriere. Dabei ist er 35, ein reifes Alter für einen Profi. Wenn einer so viel Ehrgeiz auch in späten Jahren noch aufbringt, nennt man das Vorbild. Als solches tritt der Verteidiger in allerlei Belangen bei den Berlinern auf. Zum Beispiel ist er der treffsicherste Abwehrspieler der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit acht Toren. Bei den Eisbären erzielte auch kein Stürmer mehr Treffer.

Von seinem ersten Platz in der Liga wusste DuPont gar nichts. „Das ist aber schön“, sagt er, „ich bin sonst gar nicht der große Torjäger.“ In den vergangenen vier Jahren erzielte er jeweils in der ganzen Saison weniger Treffer als jetzt in der halben. „Manchmal kommt das einfach so. Aber die Jungs, mit denen ich spiele, geben mir gute Pässe, die Chemie stimmt auch.“ DuPont ist auch einem guten Weg, seine Trefferbilanz aus seinen frühen Eisbärenjahren zu übertreffen. Eine Elf steht da als Bestwert.

Wie der Kanadier auftritt, ist schon erstaunlich. „Wir haben natürlich gehofft, dass er einen großen Einfluss hat“, sagt Sportdirektor Stefan Ustorf. DuPont kam mit einem großen Namen und einer Eisbären-Vergangenheit, er spielte von 2003 bis 2006 bereits beim EHC, im Sommer zurück. Allerdings als jemand, der anderswo nicht mehr gewollt wurde. In der Schweiz bei den Kloten Flyers zahlte der Klub den Profi aus, um sein Team neu aufzubauen, zu verjüngen. Solche Umstände bringen immer auch Zweifler auf den Plan, wenn jemand danach bei einem neuen Verein unterschreibt.

DuPont hatte für solche Dinge nie Zeit. Er war der teuerste Spieler in Kloten, derjenige mit der meisten Eiszeit. Auch Uwe Krupp sah kein Risiko. „Wir wussten, dass er eine Top-Verpflichtung ist“, sagt der Trainer. Und das nicht mal wegen der vielen Tore und Vorlagen. Sondern wegen seiner Funktion in der Defensive der Berliner.

Mehr Freiheit und Flexibilität

Mit der Routine des Kanadiers hat die Abwehr mehr Stabilität bekommen, genauso mit dem anderen neuen Verteidiger, dem derzeit verletzten Kanadier Bruno Gervais (30). Davon profitiert letztlich die ganze Mannschaft. „Durch Spieler wie ihn und Bruno verändert sich alles. Die ganze Balance wird besser“, sagt Ustorf. Die Stürmer fühlen sich wohler, sind weniger mit den Defensivaufgaben befasst. Sie bekommen mehr Unterstützung für ihre Offensivarbeit. DuPont und auch Gervais geben dem Spiel der Eisbären mehr Freiheit und Flexibilität.

Darin liegt der entscheidende Punkt für den Wandel bei den Berlinern. Zwei Jahre lang schwammen sie nur im Mittelfeld der Liga, jetzt belegen sie Platz zwei. „Nach solchen Erlebnissen das Denken zu ändern und das Schlechte zu verdrängen, ist nicht leicht. Aber das hat die Mannschaft gut hinbekommen“, sagt DuPont. Gerade das vergangenen Wochenende mit Siegen über Mannheim (6:2) und Iserlohn (3:0) als den bis dahin beiden Erstplatzierten war beeindruckend. Einmal offensiv, einmal defensiv. „Es zahlt sich aus, dass wir uns immer wieder treffen und darüber reden, was wir besser machen können“, erzählt Micki DuPont: „Wir sind jetzt auf einer Stufe mit den Topteams der Liga.“ Er und Gervais sind zwei Schlüsselspieler, die dem EHC diese Konkurrenzfähigkeit zurückgegeben haben.

Aus seiner persönlichen Sicht hat sich die DEL seit dem ersten Intermezzo beim EHC kaum verändert: „Sie ist nur enger geworden.“ Wer oben bleiben will, heißt das auch, darf sich nicht ausruhen. DuPont, der für zwei Jahre unterschrieben hat, lebt das in jedem Training vor. Und die Kölner Haie sind ein abschreckendes Beispiel. Die Eisbären empfangen die Rheinländer am Freitag, sie kommen als Zehnter (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena).

Revanche für die höchste Saisonniederlage gegen Köln

Dabei gelten die Haie mit ihrem schwedisch dominierten Team als teuerster Kader der Liga. Welche Qualität die Mannschaft besitzt, deutete sie Anfang Oktober an, als die Eisbären in Köln mit 1:6 ihre höchste Saison-Niederlage einfuhren. „Sie haben herausgefunden, dass auch sie gut spielen müssen, wenn sie gewinnen wollen“, sagt Krupp bezüglich der aktuellen Situation bei dem Klub, bei dem er vor über einem Jahr entlassen worden war. Weil er Spieler wie Micki DuPont hat, muss Krupp seine Mannschaft an solche Dinge nicht erinnern.