Eisbären Berlin

Den richtigen Pass gespielt

Iserlohn kommt am Sonntag als überraschender Tabellenzweiter zu den Eisbären. Ihre Profis rekrutieren die Sauerländer auf ungewöhnliche Art

Mark Olver (M.) und Petr Pohl (r.) haben mehr zu lachen als der Mannheimer Steven Wagner

Mark Olver (M.) und Petr Pohl (r.) haben mehr zu lachen als der Mannheimer Steven Wagner

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Frank Hördler sah noch sehr angestrengt aus. Das Gesicht rot, die Augen glasig. Sechs Wochen Zwangspause wegen einer Verletzung sind eben nicht so leicht wegzustecken. Wenn die Rückkehr dann noch gegen die beste Mannschaft der Liga erfolgt, darf man danach auch mal japsen. So viel anders erging es den Kollegen aber auch nicht. Weil sie „sich geopfert“ haben, wie Verteidiger Hördler es beschrieb. Weil sie „nicht nachgelassen“ haben. Weil sie für diesen Sieg alles gegeben haben. Das 6:2 gegen Mannheim war ein großartiger Lohn für diesen Aufwand. „Das hat einfach Spaß gemacht“, sagte Hördler.

Dieses Resultat und die Art, wie es zustande gekommen ist, tat dem EHC Eisbären so gut wie schon lange kein Spiel mehr. „Wir haben uns viel zugetraut. Fast schon frech war das“, erzählte Hördler. Gegen die dominierende Mannschaft der Deutschen Eishockey Liga (DEL) lieferten die Berliner ein Spiel ab, in dem sie ihr ganzes Potenzial zeigten.

Sie können sehr gefährlich sein

Wenn sie das abrufen, so suggerierte es der Auftritt, sind sie eines der gefährlichsten Teams der Liga. Mit welcher Konstanz die Eisbären solche Leistungen bieten können, ist jedoch nicht klar. Deshalb gab sich Trainer Uwe Krupp sachlich. Er sprach zwar von einem besonderen Spiel, wollte es aber nicht gleich in einen größeren Zusammenhang einordnen.

Denn schon die nächste Prüfung hat es in sich. Nach dem Tabellenführer kommt zwei Tage später der Zweite, die Iserlohn Roosters sind am Sonntag als nächstes Spitzenteam zu Gast beim Dritten (14.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Spitzenteam? Iserlohn? Es mag etwas gewöhnungsbedürftig klingen, aber Iserlohn hat sich gemausert. Und zwar mit einem guten Plan.

Den mögen manche nicht gut finden, aber er funktioniert. „Das ist schon eine außergewöhnliche Geschichte. Sie sind die Schiene mit Deutsch-Kanadiern gefahren“, sagt Krupp. Und zwar konsequent. Von den Stammspielern sind nur noch zwei in Deutschland geboren. Boris Blank fällt zwar auch nicht unter die kanadische Kategorie, aber er stammt aus Kasachstan.

Früher mit anderem Plan

Der Erfolg heiligt die Mittel. Iserlohn war meist weit von der Spitze entfernt. Seit 2000 ist der Klub in der DEL, vier Play-off-Teilnahmen gab es, nie kam man übers Viertelfinale hinaus. Sie haben verschiedene Wege ausprobiert. Eine Zeit lang setzten sie auf ein paar Topspieler wie Robert Hock oder Michael Wolf, die Scorerlisten anführten. Für den Teamerfolg brachte das nichts.

Die neue Richtung ergab sich zwangsweise. „Iserlohn bekommt keinen guten deutschen Nachwuchsspieler“, erzählt EHC-Sportdirektor Stefan Ustorf. Als kleiner Klub mit geringen Mitteln müssen die Sauerländer Nischen finden. „Da hat Karsten Mende seine Hausaufgaben gemacht“, lobt Ustorf den Kollegen. Neben den als normalen Ausländern firmierenden Spielern sucht er in Nordamerika Akteure, die das Anrecht auf einen deutschen Pass haben. Das ist viel Arbeit. Doch sie lohnt sich. Vor allem wenn er, wie Mende sagt, generell nur einen von zehn Profis tatsächlich bekommt, für die er sich interessiert.

In den Nachwuchs wird investiert

Dahinter steckt auch ein großes Risiko. Ein Spieler wie Brooks Macek wurde direkt aus einer kanadischen Juniorenliga heraus verpflichtet. Das macht eigentlich keiner hierzulande. Jetzt ist Macek deutscher Nationalspieler. Solche wollen die Roosters bald auch auf normalem Weg produzieren. Einen Teil der knappen Mittel stecken die Sauerländer inzwischen in den Nachwuchs, sie führen die Schüler-Bundesliga an. „Wir hoffen, dass sich das mittelfristig auszahlt“, sagt Mende. Planlos ist Iserlohn also nicht.