Eishockey

Die Eisbären siegen wie in alten Zeiten

Die Eisbären demütigen die dominierende Mannschaft der Liga und gewinnen 6:2 gegen Mannheim. Eine Genugtuung nach zwei Jahren Frust.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Oft darf Youri Ziffzer nicht spielen. Der 29-Jährige, der lange beim EHC Eisbären unter Vertrag stand, ist ein Ersatztorwart. Er bekommt seine Spiele bei den Adler Mannheim, wenn Stammkraft Dennis Endras mal eine Pause braucht.

Oder wenn der keinen guten Tag hat oder die Gegner ihn entnerven. Aber das passiert selten bei den Mannheimern, souveräner Tabellenführer der DEL. Doch am Freitag traf genau das ein, Endras konnte nicht viel ausrichten. Nach 34 Minuten und fünf Gegentoren war Schluss, Ziffzer durfte aufs Eis. In Berlin, bei den Eisbären.

Torhüterwechsel während der Partie sind meist Ausdruck der Verzweiflung. Wohl kaum einer hätte gedacht, dass die Eisbären die Adler bis zu diesem Punkt treiben. Mannheim dominiert die Liga, gewann vor dem Besuch in Berlin 13 von 14 Spielen.

Gegen die wie aufgekratzt spielende Mannschaft von Uwe Krupp fiel den Adlern aber nicht viel ein. Mit 6:2 (1:1, 5:1, 0:0) setzten sich die Eisbären vor 14.200 Zuschauern in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Mercedes-Benz Arena durch.

Gleich mit Elan aus der Kabine

Ein wenig hatte man sich vor der Partie gefragt, wie sich Steve Walker wohl fühlen wird. Er war einer der Spieler, die die Entwicklung des EHC maßgeblich beeinflusst haben. Das Trikot des Kanadiers hängt unter der Decke, seine Nummer wird nicht mehr vergeben. Jetzt steht er bei den Mannheimern als Co-Trainer hinter der Bande. Zum ersten Mal kam er als Gegner nach Berlin. Doch Walker war ganz schnell nicht mehr als eine Randnotiz. Weil sich abzeichnete, dass diese Partie besonders werden würde.

Mit einem Elan, der förmlich ansteckte, kamen die Eisbären aus der Kabine. Es ist ja nicht lange her, dass sie die Liga als ihre Spielwiese betrachteten. Sie gewannen Titel, wie sie wollten. Dabei entthronten sie die Adler als Rekordmeister der DEL, es erwuchs eine spezielle Rivalität im Kampf um die Vorherrschaft im deutschen Eishockey.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse stark verändert, Mannheim bestimmt das Niveau. Wie sehr die Berliner das nervt, wurde nun wieder greifbar in der Arena, auf dem Eis, auf den Rängen. Es lag eine unglaubliche Spannung in der Luft.

Eisbären ließen sich durch Rückstand nicht aufhalten

Getrieben von ihrem Willen, diese Partie zu gewinnen, ließen sich die Eisbären vom Rückstand durch Markus Kink nicht aufhalten (13.). In Überzahl glich Micki DuPont aus (18.). Auch die schnelle Reaktion der Adler, Martin Buchwieser traf nur 25 Sekunden nach dem 2:1 durch Petr Pohl, schockte den EHC nicht.

Gerade als die Adler versuchten, das Spiel in den Griff zu bekommen, konnte Pohl einen Konter starten. Gut zehn Meter fuhr er mit weit ausgeholtem Schläger auf Endras zu, es sah fast aufreizend aus. Dann hämmerte er den Puck erneut ins Netz (27.). Sven Ziegler erhöhte 47 Sekunden später auf 4:2, Spencer Machacek traf zum 5:2 (34.) und Mark Olver vollendete ein furioses zweites Drittel mit dem 6:2 (40.).

Das fühlte sich an wie in alten Zeiten. Auf den Rängen wurde die Freude mit jedem Treffer noch intensiver herausgeschrien. Eine Genugtuung nach zwei Jahren Frust. So hatte man die Adler schon lange nicht mehr abgefertigt.