Eishockey

Von alten Adlern und jungen Eisbären

Die Eisbären empfangen am Freitag den großen Rivalen aus Mannheim. Die Unterschiede der Teams werden besonders in der Abwehr sichtbar.

Gut absichern: Die Eisbären brauchen gegen Mannheim eine starke Abwehr

Gut absichern: Die Eisbären brauchen gegen Mannheim eine starke Abwehr

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Die Zeit war schon fortgeschritten, so weit, dass der Pfiff nach Feierabend klang. Also kniete die Hälfte der Spieler nieder zur Abschlussgymnastik. Da drehte sich Uwe Krupp an seiner Taktiktafel um und schaute kurz irritiert. Noch ein Pfiff, und schon trabte die Truppe des EHC Eisbären vollzählig zur nächsten Unterweisung an. Üben kann man eben nicht genug, schon gar nicht vor so einem Wochenende mit den beiden Spitzenteams der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als Gästen.

Vor allem das erste Spiel am Freitag gegen die Adler Mannheim hat einen besonderen Charakter (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Eisbären und Adler, das sind 13 Meisterschaften in 21 Jahren DEL, das ist die größte Rivalität, die es in der Liga gibt. Früher dominierten die Adler, dann die Berliner. Jetzt bestimmen die Kurpfälzer wieder das Niveau. Mit zehn Punkten vor dem EHC auf Rang fünf führen sie die Tabelle an. „Das ist einfach eine gute Mannschaft“, sagt Eisbären-Trainer Krupp. Sogar der Wechsel auf der Position des Cheftrainers von Geoff Ward auf Greg Ireland machte dem Titelverteidiger nichts aus.

Guter Test für die eigenen Fähigkeiten

Für eine Mannschaft wie die Berliner, die in den beiden Jahren zuvor hinter den Erwartungen zurückblieb, bietet eine Partie gegen die Adler immer eine gute Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu überprüfen. Einiges hat sich verbessert bei den Eisbären in dieser Saison. „Aber wie weit man weg ist, lässt sich durch ein solches Spiel nicht auf einen Punkt bringen“, sagt Krupp. Die Tagesform verrät nicht alles.

Erst einmal ist Krupp froh, dass ihm in Frank Hördler, 30, ein wichtiger Verteidiger nach sechs Wochen Pause wegen eines Innenbandanrisses wieder zur Verfügung steht. Das gibt den Berlinern auf einen Schlag viel Erfahrung in der Defensive. Dort liegt einer der offensichtlichsten Punkte, die beide Teams unterscheiden. „Mannheim tut viel für das deutsche Eishockey, aber sie gehen einen anderen Weg“, erzählt Sportdirektor Stefan Ustorf. Zwar investiert kein Klub mehr Geld in den Nachwuchs als die Adler, dennoch steht in der DEL eine überaus erfahrene und enorm tief besetzte Mannschaft auf dem Eis. Eine, in der junge Profis aus dem eigenen Nachwuchs keine Rolle spielen.

Der eigene Nachwuchs kommt zum Zug

Aus den Fehlern der Vergangenheit haben sie gelernt in Mannheim, das Team wurde über Jahre aufgebaut und jetzt fügen sich alle Teile perfekt zusammen. Diese Strategie verfolgen die Eisbären schon lange, sie waren auch sehr erfolgreich damit. Nur lief der Umbau zuletzt schleppend. Inzwischen funktioniert die behutsame Erneuerung der Mannschaft wieder gut.

Doch anders als die Adler setzen die Berliner stark auf den eigenen Nachwuchs. Mit Jonas Müller, 20, Henry Haase, 22, und Kai Wissmann, 19, spielen drei in Berlin ausgebildete Verteidiger unter 23 Jahren derzeit regelmäßig beim EHC. Das gibt es nirgends in der DEL. Dazu kommt mit Sven Ziegler, 21, noch ein Stürmer. „Niemand baut so viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ein wie die Eisbären“, sagt Krupp. Dieser Unterschied an Erfahrung und Kadertiefe spiegelt sich auch in der Tabelle wieder. Das dürfte noch eine ganze Weile so bleiben.