Eisbären-Legende

Steve Walker - "Das Eishockey hat mir sehr gefehlt"

Beim EHC wurde der Kanadier zur Legende. Jetzt ist er Co-Trainer in Mannheim. Dabei wollte er eigentlich etwas anderes machen.

Steve Walker in seiner neuen Funktion an der Bande der Adler Mannheim

Steve Walker in seiner neuen Funktion an der Bande der Adler Mannheim

Foto: imago/foto2press

Berlin.  Die Kader sind groß im Eishockey, die Fluktuation von Saison zu Saison ist gewöhnlich auch nicht gerade gering. Manche Spieler schaffen es dennoch in manchen Klubs, zu Legenden zu werden. Steve Walker etwa spielte elf Jahre für den EHC Eisbären, kam 2000 und beendete 2011 seine Karriere bei den Berlinern. Fünf Meistertitel gewann Walker mit dem EHC in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der Kanadier war lange der Kapitän, der Führungsspieler schlechthin. Sein Trikot hängt seit fast einem Jahr unter der Decke in der Mercedes-Benz Arena, die Trikotnummer 27 wird beim EHC nicht mehr vergeben. Doch bei aller Verbundenheit als Spieler beginnt Walker nun seine neue Karriere als Trainer. Die führte ihn überraschend nach Mannheim, den Erzrivalen. Beim Titelverteidiger muss der EHC am Freitag antreten, es wird das erste Wiedersehen mit Steve Walker, 42, als Gegner. Die Morgenpost sprach mit dem früheren Stürmer der Eisbären und jetzigen Assistenztrainer der Adler über alte Zeiten und neue Aufgaben.

Berliner Morgenpost: Herr Walker, wie läuft es denn in Mannheim?

Steve Walker: Wir hatten nicht den Start, den wir uns gewünscht haben. Uns fehlte eine Reihe von Spielern wegen Verletzungen, dann konnten wir nicht genug Tore erzielen. Und wenn du nicht dein Bestes geben kannst in dieser Liga, bist du ganz schnell auf der Verliererseite.

Aber das Potenzial der Mannschaft konnten Sie schon sehen?

Ja, wir haben eine Menge Tiefe im Kader. Zumindest wenn alle gesund sind, ist das eine große Stärke.

Wie schwer war es, sich für den größten Rivalen der Eisbären zu entscheiden?

Also ich sehe das so. Als Spieler war ich hier in Deutschland immer in Berlin, in dieser Hinsicht werde ich auch immer ein Eisbär bleiben. Es war ein Glück für mich, in Berlin zu sein. Aber als ich beschloss, dass das Coaching in meinem Leben das nächste Kapitel werden soll, war auch klar, dass ich die Möglichkeiten ergreifen muss, die sich mir bieten. Und Mannheim war für mich die beste Möglichkeit. Das Trikot von Peter John Lee, dem Manager der Eisbären, hängt zum Beispiel auch in Düsseldorf unter der Decke.

Wie könnte es sich für Sie anfühlen, am Freitag erstmals als Gegner auf die Eisbären zu treffen?

Das wird sicher komisch, denn der Klub war ja ein großer Teil meines Lebens. Als Spieler hasst du jeden Gegner, aber jetzt die Eisbären zu hassen, wird schon schwer. Als Spieler habe ich alles gegeben, was ich hatte, deshalb hatte ich Erfolg. Jetzt ist es meine Aufgabe, als Trainer alles zu tun, was möglich ist, damit mein Team gewinnen kann. Und ich möchte beweisen, dass ich ein guter Trainer bin. Dafür werde ich hart arbeiten.

Haben Sie mit jemandem von den Eisbären gesprochen, bevor Sie unterschrieben haben in Mannheim?

Peter John Lee und Sportdirektor Stefan Ustorf habe ich kurz vorher mitgeteilt, dass ich einen Vertrag dort unterzeichnen werde. Sie wussten auch, dass ich in Kanada angefangen hatte, als Trainer zu arbeiten, dass es mir riesigen Spaß macht und dass das mein neues Leben werden soll.

Aber warum verschlug es Sie ausgerechnet nach Mannheim?

Seit etwa fünf Jahren kenne ich Greg Ireland. Der war Trainer in Owen Sound, wo ich früher gespielt habe. Ich half dort beim Juniorenteam aus, habe auch drei Jahre das Nachwuchsteam der Stayner Siskins betreut. Dann suchte Owen Sound im Sommer einen Assistenztrainer, Greg und ich begannen darüber zu reden. Greg fuhr zwei Wochen in Urlaub, als er wiederkam, war er plötzlich Trainer der Adler Mannheim. Dort war nicht ganz klar, wie es mit den Co-Trainern aussehen würde. Nach einem Gespräch mit Mannheim erhielt ich den Job. Das ging für uns alle so schnell.

Hatten Sie nach Ihrem Karriereende überhaupt damit gerechnet, wieder in Deutschland zu arbeiten?

Darauf angelegt habe ich es nicht. Nach meiner Spielerlaufbahn wollte ich vor allem mehr Zeit für meine Kinder haben. Mein großer Sohn, der demnächst jetzt die Schule beendet, wollte aber immer zurück, um hier zu studieren. Für mich ergab es sich so, dass ich mit dem Coaching in Kanada angefangen habe und dabei merkte, wie sehr mir das Eishockey fehlte. Mein größtes Talent liegt einfach in diesem Spiel.

Aber Sie haben es versucht, ohne Eishockey auszukommen?

Ich hatte einen tollen Job in Kanada, hatte viel Verantwortung in einem Rohstoff-Handelsunternehmen. Aber es war eben kein Eishockey. Irgendwie lief es immer wieder darauf hinaus, alle kannten mich vom Eishockey. Selbst in Kanada, obwohl ich lange in Europa gespielt habe. Das ist in meinem Blut, das ist mehr als nur ein Job. Ich selbst war etwas überrascht, wie sehr ich das Eishockey vermisst habe.

Streben Sie jetzt eine Karriere als Cheftrainer an?

Als Spieler und als Trainer lernt man nie aus, und du lernst von anderen. Jetzt helfe ich Greg und möchte viel mitnehmen aus dieser Zeit in Mannheim. Mein Vertrag läuft ein Jahr, wir werden sehen, was danach passiert. Doch wenn du Assistent bist, willst du auch irgendwann Cheftrainer sein.

Als Sie das letzte Mal in Berlin waren, wurde im Dezember 2014 Ihr Trikot unter die Decke gezogen, das war sehr emotional. Was glauben Sie, wie es beim nächsten Mal in Berlin wird?

Als Spieler ist man oft in einem Spiel mit dem Gegner aneinander geraten, hat gezogen, gehalten, auch mal geschlagen. Am Ende lächelte man sich an und sagte: tolles Spiel. Weil man sich gegenseitig respektiert. Ich hoffe, dass ich diesen Respekt jetzt auch erlebe. Ich war immer loyal zu den Eisbären, Berlin bedeutet für mich viele großartige Erinnerungen. Aber jetzt will ich mit Mannheim gewinnen.