Eishockey

Bei den Eisbären stimmt am Ende nur die Moral

Die Eisbären verlieren gegen die Hamburg Freezers im Penaltyschießen. Den einen Punkt verdanken sie einer späten Leistungssteigerung.

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Berlin.  Sie wollten das Positive sehen. Und das gab es ja auch. Zurückgelegen, gekämpft, aufgeholt, Punkt geholt! „Das ist charakterlich nicht verkehrt“, sagte Constantin Braun, der beim EHC Eisbären gerade den verletzten Kapitän André Rankel im Amt vertritt.

Diesen guten Eindruck wollten die Berliner mit aus dem Wochenende nehmen. Nicht die reinen Resultate, die die zurückliegenden Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als nicht erfolgreich einstufen.

Am Sonntag unterlagen die Berliner den Hamburg Freezers 2:3 (0:1, 1:1, 1:0, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen. Nur einen Punkt beträgt damit die Ausbeute aus den vergangenen drei Partien. „Einer ist besser als gar keiner“, sagte Braun.

Von den letzten sieben Partien nur eine gewonnen

Den Vorstellungen der Eisbären kommt die jüngste Bilanz nicht nah. Sie fällt insgesamt sogar noch etwas schlechter aus, von zuletzt sieben Partien – inklusive der Champions Hockey League – wurde nur eine gewonnen. Das sind Eckdaten, die alle Bedingungen für ein Krisenszenario erfüllen.

Auch der Auftritt gegen die Freezers bot Ansätze für eine solche Einschätzung. Da die Liga eng ist und die Kontrahenten ebenso nicht ständig punkten, behalten die Berliner dennoch ihren Platz in der Spitzengruppe. Blenden lässt sich Trainer Uwe Krupp davon nicht. „Der Zufriedenheitsfaktor ist nicht so hoch bei mir“, sagte er.

Klare Worte fand Verteidiger Jens Baxmann schon nach dem ersten Drittel. Beim Pausen-Interview ließ er die 12.720 Zuschauer über den LED-Würfel der Mercedes-Benz Arena wissen, dass er es nicht in Ordnung fand, was sein Team da bot: „Das war eine Frechheit. Wir müssen aufwachen.“

Die Körpersprache verreit keinen Widerstand

Alles auf die vier Verletzungsausfälle zu schieben, greift zu kurz. Auch die Freezers vermissen ein paar wichtige Spieler. Doch die Hanseaten präsentierten sich trotzdem ganz anders als die Berliner. Denen war kein richtiges Feuer anzusehen, ihre Körpersprache verriet keinen Widerstand. Sie haderten mit ihrem Schicksal.

Schon in der dritten Minute traf Darin Olver den Innenpfosten. Weil das Glück ausblieb, der Puck nicht reinging, ließen die Eisbären einfach nach. „Dadurch haben wir klar den Drive verloren“, erzählte Krupp. Seine Mannschaft bedauerte sich selbst.

Was dabei herauskommt, sind dann Spiele wie das gegen die Freezers. Auf einmal stimmen die Pass- und Laufwege nicht mehr. Jeder ist irgendwie mit sich selbst beschäftigt, die Bewegung mit und ohne Puck genügt nicht mehr, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Mit den Toren wurden die Berliner mutiger

Die Mannschaft spielt nicht mehr als Team zusammen, und vor dem gegnerischen Tor entsteht kaum Gefahr. Außer im Powerplay. Nachdem Thomas Oppenheimer die Freezers mit zwei Toren in Führung gebracht hatte (16., 28.), war das Überzahlspiel die Rettung des EHC.

Und Torhüter Petri Vehanen, der viele gute Chancen der Hamburger vereitelte. Der Finne hielt sein Team im Spiel, und in Überzahl konnten Micki DuPont (31.) und Barry Tallackson (52.) die Partie ausgleichen.

Mit diesen Toren wurden die Berliner mutiger, sie entwickelten Biss, waren nicht mehr wehleidig, sondern initiativ. Sie bewegten sich wieder mehr, spielten geradlinig und brachten den Puck aufs Tor. „Die Mannschaft hat gekämpft, um den richtigen Schritt zu machen“, so Krupp, der sich besonders über die Steigerung am Schluss freute.

Zuletzt hatten die Berliner ihre besten Phasen am Beginn einer Partie und wurden dann schwächer. „Dafür gab es Kritik von mir. Diesmal war die Moral im letzten Drittel gut, wir haben am Ende gut gespielt. Das war der Unterschied zu den Spielen zuvor“, sagte Krupp. Auch er nahm also etwas Positives mit nach Hause.