Eisbären Berlin

Ein bisschen Gegenwind

Die Eisbären treffen in der bisher schwierigsten Saisonphase auf die Hamburg Freezers. Die Berliner haben in einem Bereich ein Problem.

Mark Olver (M.) ist noch nicht glücklich in Berlin

Mark Olver (M.) ist noch nicht glücklich in Berlin

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  So richtig ließ sich der Gesichtsausdruck von Mark Olver nicht deuten. Vielleicht hätte er gleich platzen können vor Wut, vielleicht aber auch losheulen. Sein Kinn zitterte jedenfalls so komisch. Doch Olver riss sich zusammen, presste seinen Frust einfach in Worte und drückte auf diese Weise aus, wie sehr ihm das zuvor Geschehene gegen den Strich ging. So sehr, dass nicht einmal das erste Tor des Stürmers für den EHC Eisbären eine kleine Erwähnung fand bei ihm.

Bei den Kollegen herrschte eine ähnliche Gemütslage nach dem 2:6 gegen die Nürnberg Ice Tigers in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). „Keiner ist zufrieden, da muss man nur in die Gesichter der Spieler schauen“, sagte Trainer Uwe Krupp. Doch Olver, erst Ende Oktober nach Berlin gekommen, fühlte sich wohl persönlich noch etwas schlechter.

Wieder hatte eine große Strafe von ihm das Spiel der Mannschaft beeinflusst. „Das hat alles durcheinander gebracht“, sagte der Angreifer, der ab Ende des zweiten Drittels wegen eines Checks zum Kopf für zwei plus zehn Minuten draußen saß. Daraufhin wurden die Sturmreihen verändert, das kostete Kraft und Effektivität. Vielleicht sogar den Sieg, denn in den ersten beiden Dritteln war die Partie völlig offen. Erst im letzten Durchgang brach das Team auseinander, kassierte gleich vier Gegentore.

Olvers Strafe mit schlechtem Einfluss

Für Olver, der den Führungstreffer zum 1:0 erzielt hatte, ging es aber nicht nur um die Partie gegen die Franken. Zuvor wurde in Augsburg verloren (2:4). „Das ist nicht akzeptabel“, so der Kanadier. Er hatte bislang recht wenig Glück in Berlin, wurde schon für ein Spiel gesperrt, sah viele Niederlagen. Zu viele. In der DEL verloren die Eisbären von den zurückliegenden vier Partien drei.

Inklusive der Champions-League-Spiele mit dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Skelleftea AIK aus Schweden stehen einem Sieg sogar fünf Niederlagen gegenüber. „Wir haben jetzt Gegenwind. Das ist zum ersten Mal in dieser Saison eine Situation, durch die wir uns durcharbeiten müssen“, sagt Trainer Krupp. Seine Mannschaft kämpft gerade darum, sich in der Spitzengruppe der DEL zu halten.

Die zweite Heimpartie des Wochenendes am Sonntag gegen die Hamburg Freezers wird daher ein interessanter Test für die Berliner (14.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Spielerisch zeigten sie sich zuletzt überwiegend auf der Höhe. Doch wie es um Charakter und die Fähigkeit, aus prekären Umständen zu lernen, bestellt ist, offenbart sich erst jetzt. Spiele wie das gegen Hamburg, in dem Verteidiger Bruno Gervais (Oberkörper) wohl verletzt ausfällt, können Hinweise liefern auf das wahre Potenzial der Eisbären in dieser Saison.

Negatives Torverhältnis

Bis vor Kurzem lief alles noch mehr oder minder problemlos: gute Ergebnisse, gute Stimmung. Inzwischen sind die Berliner die einzigen unter den besten sechs Mannschaften, die ein negatives Torverhältnis aufweisen. Im Vergleich gehört die Defensive mit 53 Gegentreffern dabei zu den besten der Liga. Doch im Angriff erzielte nur ein DEL-Team weniger als 51 Tore.

Die Problemzone ist also klar definiert. „Wir schießen im Moment nicht die Tore, wenn wir sie brauchen“, sagt Krupp, der mit der Vorwärtsbewegung seiner Mannschaft allgemein zufrieden ist. Aber: „Aus den Drucksituationen machen wir zu wenig.“ Das war gegen Nürnberg in den ersten beiden Dritteln zu beobachten.

In der Tabelle fielen die Berliner von Rang drei auf fünf zurück. Hamburg könnte den EHC sogar aus den Top Sechs drängen. „Wir müssen jetzt alles dafür tun, am Sonntag wieder richtig zu spielen“, sagt der verbitterte Mark Olver, der ganz offenbar mehr freudige Erlebnisse mit den Eisbären herbeisehnt.