Eishockey

Der perfekte dritte Mann für die erste Reihe

Marcel Noebels füllt bei den Eisbären eine besondere Rolle aus. Er spielt mit Olver und Tallackson in einer Reihe. Besser als alle vor ihm.

Marcel Noebels versteht sich gut mit Barry Tallackson und Darin Olver

Marcel Noebels versteht sich gut mit Barry Tallackson und Darin Olver

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Die Szene besitzt Symbolkraft. Marcel Noebels liegt auf dem Eis, neben ihm Darin Olver, beide nicht mit dem fotogensten Gesichtsausdruck, hinter ihnen das Augsburger Tor mit dem standhaften Goalie Jeff Deslauriers. Sie haben es versucht, mal wieder, doch der frühe Sonntagabend in Augsburg brachte nicht das gewünschte Resultat für den EHC Eisbären (2:4). Noebels gelang immerhin eines der beiden Tore. Persönlich kann er jetzt auf sein erfolgreichstes Saison-Wochenende zurückblicken, denn schon am Freitag hatte er getroffen, da sogar zum Sieg beim 2:1 gegen Düsseldorf. Doch der Eindruck eines leicht verschenkten Erfolgs in Augsburg überwiegt am Montag.

Eine Folgerung gilt trotzdem: „Vorlage geben ist schön, aber treffen ist auch mal gut“, sagt der Stürmer. In 18 Partien der Deutschen Eishockey Liga (DEL) erzielte Noebels bislang drei Tore, mehr seine Sache ist das Vorbereiten. Keiner bei den Eisbären legt den Kollegen so oft auf wie der 23-Jährige, zwölf Mal bereits. Dabei fühlt er sich irgendwie sogar mehr in seinem Element. „Das war schon immer so, ich kann meine Mitspieler in Szene setzen“, sagt Noebels. Seine beiden Mitspieler in seiner Sturmreihe heißen Barry Tallackson und Darin Olver. Dass er mit den beiden klarkommt, das imponiert dem Rest im Team fast noch mehr als die vielen Vorlagen.

Zwei mit einer eigenen Chemie

Die beiden sind nämlich eigen, haben schon in Augsburg, ihrer vorherigen Station, zusammengespielt und eine besondere Chemie entwickelt. Bei den Eisbären durften einige versuchen, mit den beiden ein Trio zu bilden. Doch irgendwann stockte das immer. „Die Kollegen haben mir schon erzählt, dass sich noch keiner mit ihnen richtig in eine Reihe gefunden hätte, ich wäre der erste“, so Noebels. Anfangs spürte natürlich auch er, dass Olver und Tallackson probierten, überwiegend miteinander zu spielen, als Trainer Uwe Krupp sie vor gut einem Jahr zusammensteckte.

Das änderte sich, als die beiden merkten, dass die Spielweise von Noebels gut mit ihrer korrespondiert. Der fühlt sich wohl, wenn er helfen kann. „Ich bin ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler“, erzählt er. Noebels erobert gern Pucks, geht in die Ecken. Er macht das, was die anderen nicht so gern tun, rackert auch nach hinten und räumt für die beiden, die eher dem offensiven Part zugeneigt sind, auf. „Das klingt gut so“, sagt er zu dieser Beschreibung.

Noebels weiß, was die anderen denken

Seine Fähigkeiten umfassen jedoch auch das Spiel nach vorn, Übersicht und ein gutes Gefühl für den richtigen Pass bringt Noebels in die Reihe ein. „Wir ergänzen und verstehen uns gut“, sagt der ebenso elegante Angreifer, der recht genau antizipieren kann, was die zwei Kollegen im Schilde führen. Das macht, findet Noebels, seine Reihe zu einer der besten in der Liga.

Seine Reihe wiederum sorgt mit dafür, dass die Berliner in der Spitzengruppe der Tabelle mithalten können. Als Noebels im Herbst 2014 zum EHC wechselte, war genau das sein Anspruch. Der erfüllte sich erst einmal nicht, auch persönlich lief es nicht gut. Er brach sich einen Finger und fiel sechs Wochen aus. Kurz vor der WM verhinderte eine Schulterverletzung die Teilnahme am Turnier. „Zwei Verletzungen in einem Jahr hatte ich noch nie“, so der Stürmer, der zuvor vier Jahre in Nordamerika gespielt hatte.

Viel reden hilft ihnen

Seine Reihe sieht er nur als einen Teil der Steigerung der Berliner. „Wir sind als Mannschaft weiter, als wir es letzte Saison waren“, erzählt Noebels. Die Struktur des Teams stimme, die Chemie ebenso. Innerhalb der einzelnen Sturm- und Abwehrformationen tauschten sich die Kollegen viel aus, um ihr Spiel zu verbessern.

Auch mit Olver und Tallackson redet er viel, das ist ein Grund für ihre Effizienz. Die macht Marcel Noebels zu einem der besten deutschen Punktesammler der DEL. Ihm sind die Statistiken gar nicht so wichtig, aber er weiß auch, dass gute Zahlen die Chancen für Einsätze in der Nationalmannschaft erhöhen. Egal ob bei Toren oder Vorlagen.