Bären-Brüder

Der Kämpfer und der Schönspieler sind nun vereint

Bei den Eisbären spielen Mark und Darin Olver erstmals gemeinsam für einen Klub. Gegen Krefeld erlebt Mark sein DEL-Heimdebüt

Mark Olver (l.) mit seinem Bruder Darin im Wellblechpalast

Mark Olver (l.) mit seinem Bruder Darin im Wellblechpalast

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Der erste Auftritt im neuen Trikot war keiner, um sich lange daran zu erinnern. Nach einem halben Training gleich zu spielen, ist ja auch nicht einfach. Trotzdem bei einem Treffer auf dem Eis gestanden und ihn mit vorbereitet zu haben, zählt aber als guter Anfang für Mark Olver. Sportlich. Auf einer anderen Ebene wird die Partie in Straubing, wo er mit dem EHC Eisbären am Freitagabend 4:1 gewann, sehr wohl unvergesslich bleiben. Zum ersten Mal überhaupt stand er mit seinem Bruder Darin in einer Mannschaft.

Lange genug hat es bis dahin gedauert. Mark ist 27, Darin 30 Jahre alt. „Das ist schon aufregend“, sagt Darin. Seit 2011 lebt er in Berlin. Dass Mark jetzt ebenfalls in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wechselte und sich dem EHC anschloss, liegt am großen Bruder. „Er war der Hauptgrund, dass ich hergekommen bin“, erzählt der Jüngere. Schon länger hoffte er, dass sich das mal ergeben würde: „Ich habe auf den richtigen Moment gewartet.“ Weil es in der Schweiz bei den Kloten Flyers nicht passte für Mark, nutzte er jetzt die Gelegenheit.

Leicht nach Berlin zu locken

Leichtes Spiel also für Stefan Ustorf, den Sportlichen Leiter der Berliner. Es gab zwar konkurrierende Interessenten, eine echte Chance besaß jedoch keiner. „Der Faktor war der Bruder, außerdem verstehen sich die Frauen sehr gut, und er wollte in einer Mannschaft spielen, in der er viele kennt“, sagt Ustorf. Durch Darins Hochzeit begegnete er Travis Mulock und Barry Tallackson schon. Ein paar anderen ist er in seiner Karriere bereits über den Weg gelaufen. Sich beim EHC einzufinden dürfte also kaum ein längerer Prozess werden.

Bis die beiden Brüder zueinanderfanden, war es schon ein längerer Weg. „Wir hatten früher nicht viel miteinander zu tun. Erst in den vergangenen Jahren sind wir enge Freunde geworden“, erzählt Mark, der mit dem Tabellenführer am Sonntag die Krefeld Pinguine zu seinem Heimdebüt empfängt (14.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Mit 15 Jahren ging Darin von zu Hause weg wegen des Eishockeys. „Wir haben nicht einmal im selben Staat gelebt“, sagt der Ältere. Das ist normal in Nordamerika. Die neue Gemeinsamkeit wird jetzt trotzdem nicht dahin führen, dass beide zusammen in einem Haus wohnen, versichert Darin. Auch bei Auswärtsreisen will er seine Routine nicht aufgeben und behält Tallackson als Mitbewohner im Hotel.

Die Vita verspricht einiges

In derselben Sturmreihe standen die Olvers in Straubing noch nicht auf dem Eis. „Vielleicht kommt das noch“, sagt Darin. Beide werden aber als Mittelstürmer gebraucht, Mark kann jedoch auch außen spielen, so dass eine gemeinsame Reihe irgendwann möglich ist. Zunächst muss Mark die vierte Reihe aufwerten. Seine Vita verspricht da einiges. Die ist imposanter als Darins.

Der entschied sich früh, die deutschen Wurzeln – die Großeltern wanderten in den 1950ern nach Kanada aus – zu nutzen. Obwohl er schon in der zweiten Runde an 36. Stelle im NHL-Draft gezogen wurde, wechselte er mit 22 nach Bremerhaven in die zweite Liga. Über Straubing und Augsburg kam er nach Berlin, inzwischen sogar als DEL-Topscorer. Derzeit ist er auch bester Punktesammler der Berliner.

Mark wurde als 140. in der fünften Runde des NHL-Drafts gezogen, aber er machte mehr aus seinem Talent und schaffte es in die NHL, kam auf 74 Spiele für Colorado. „Er ist schnell und ein Wettkämpfer“, erzählt Darin über seinen Bruder. Mark ist ein härterer Spieler, der trotzdem Überblick hat und Tore erzielen kann. Darin liegt das schöne Spiel deutlich mehr. Die Qualitäten von Mark waren auch in Russland gefragt vergangene Saison. Der neue KHL-Klub aus Sotschi nahm ihn auf. „Sie haben mir einen tollen Vertrag gegeben, dort war alles neu nach Olympia“, erzählt Mark und erwähnt auch die Palmen und das gute Klima. Dort, wo er in Minnesota lebt, fällt der meiste Schnee in den USA. Eine Knieverletzung ließ jedoch nur ein Ligaspiel zu. Und das Essen war ihm auch nicht geheuer am Schwarzen Meer.

Brüderpaar mit Tradition beim EHC

Nach dem Hin und Her zuletzt sowie dem Intermezzo in Kloten sollen die Eisbären jetzt wieder ein längerer Aufenthaltsort werden. Obwohl der Vertrag vorerst nur bis Saisonende läuft. Für Brüder ist der Klub aber eine gute Adresse. Laurin und Constantin Braun spielen seit vielen Jahren hier, neben Travis stand auch Tyson Mulock lange in Diensten des EHC. Alexander und Daniel Weiß verdienten ihr Geld ebenso lange in Berlin. Es gibt einige Beispiele für familiäre Zusammenführungen bei den Eisbären. Bei den Genannten war es jeweils der Ältere, der zuerst beim EHC anheuerte. Wobei die Braun- und Weiß-Brüder jeweils den Großteil ihrer Ausbildung bei den Eisbären absolvierten.

Bei den Olvers freuten sich jetzt auch die Eltern sehr für die Söhne, erzählt Darin. An Weihnachten, das ist schon abgemacht, kommen sie nach Berlin. Ebenso die Schwester der beiden Angreifer wird samt Familie erwartet. „Es ist das erste Mal seit 15 oder 16 Jahren, dass wir alle zusammen Weihnachten feiern“, sagt er. Dabei haben die Eisbären gern geholfen.